Mehr Verkaufsfläche: Rat sanktioniert Fakten nachträglich
20.06.2007 | 09:22 Uhr 2007-06-20T09:22:32+0200Herdecke. (RoMü) "Der Bauherr hat sich einen Dreck um die Baugenehmigung gekümmert", schimpfte Peter Gerigk von den Grünen auf der Herdecker Ratssitzung am Dienstag.
Und ärgerlich zeigten sich auch Vertreter der anderen Parteien: Thorsten König, Inhaber einer Gärtnerei am Kirchender Dorfweg, hatte 2005 ein Gewächshaus beantragt, das ihm auch genehmigt wurde, nur: Tatächlich wurden Verkaufsflächen realisiert, die über den Rahmen der Baugenehmigung hinausgingen und auch die "Grenzwerte der Großflächigkeit" überschritten.
Doch auch dieses Vorhaben wäre genehmigungsfähig gewesen, hätte allerdings eine Änderung des Flächennutz-ungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans erfordert - mithin mehr Zeit in Anspruch genommen.
Der Rat der Stadt sanktionierte nun mit großer Mehrheit nachträglich die vom Bauherrn geschaffene Faktenlage, "weil die Vergrößerung der Verkaufsfläche unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftsförderung in Kirchende positiv zu werten ist".
Dennoch muss Thorsten König mit einem Bußgeld rechnen. Er selbst legt Wert auf die Feststellung, "dass wir keinen Zenitmeter mehr gebaut haben als genehmigt, aber die entstandene Gewächshausfläche einer anderen Nutzung zugeführt haben." Einem Bußgeld will er wohl nicht widersprechen: "Was kann man schon machen, wenn man bei Rot über die Ampel gefahren ist?"
Und auch FDP-Stadtvertreter Jochen Plaßmannmahnte: "Jeder kleine Verkehrssünder, der Tempo 30 im Wohnbereich missachtet, wird alle 50 Meter fotografiert und zur Kasse gebeten."
0mitdiskutieren