Mehr Geld im Portemonnaie dank Mindestlohn

Ennepe-Ruhr..  Seit dem 1. Januar gilt für alle 31 200 Beschäftigte im Ennepe-Ruhr-Kreis der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Sie alle würden deshalb in diesem Jahr deutlich mehr Geld im Portemonnaie haben, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.

Sie beruft sich dabei auf eine Untersuchung zum Mindestlohn vom Pestel-Institut in Hannover. Demnach wird die Einführung des Mindestlohns einen enormen Effekt für die heimische Wirtschaft haben: Die Wissenschaftler gehen allein im EN-Kreis von einer zusätzlichen Kaufkraft von 50,6 Millionen Euro durch den Mindestlohn aus.

„Im Schnitt wird jeder im Ennepe-Ruhr-Kreis, der bislang einen Niedriglohn von unter 8,50 Euro bekommen hat, im kommenden Jahr rund
1 620 Euro mehr Geld zur Verfügung haben - allein durch den Mindestlohn“, sagt Helge Adolphs.

Die Einführung des Mindestlohnes bedeute für die Menschen einen „enormen Gewinn an Lebensqualität“. Dahinter stecke aber auch ein „harter politischer Kampf“, den die NGG als treibende Kraft und damit als eine der ‚Mütter des Mindestlohns‘ für die Geringverdiener gewonnen habe, so Adolphs weiter.

Wichtig sei nun, dass alle Arbeitgeber im Ennepe-Ruhr-Kreis den Mindestlohn auch tatsächlich zahlten. „Es wird schwarze Schafe geben - ganz sicher: Chefs, die keine 8,50 Euro pro Stunde bezahlen. Oder Unternehmer, die die Arbeitszeit so knapp bemessen, dass Überstunden anfallen, die dann zum Null-Tarif geleistet werden müssen“, sagt Adolphs.

63 Prozent Frauen

Diese Arbeitgeber machten sich allerdings strafbar. „Der Verstoß gegen den gesetzlichen Mindestlohn ist kein Kavaliersdelikt“, so der NGG-Geschäftsführer. Die Gewerkschaft fordert deshalb „Mindestlohn-Sonderkontrollen“ im Ennepe-Ruhr-Kreis durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls.

Die meisten Mini-Jobber im Ennepe-Ruhr-Kreis seien Frauen, nämlich 63 Prozent. Die NGG Südwestfalen beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. Insgesamt sei die Anzahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis um 14 Prozent gestiegen. Die Hotel- und Gaststättenbranche habe sich dabei immer stärker zum „Mini-Job-Markt“ entwickelt. „Auch im Bäcker- und Konditorenhandwerk sind Mini-Jobs ein Maxi-Trend“, sagt Adolphs.

Der Geschäftsführer der NGG Südwestfalen kritisiert, dass es für Beschäftigte immer schwerer werde, einen Vollzeitjob zu bekommen. Er fordert daher eine Mini-Job-Reform, wie sie derzeit auch von der SPD im Bund vorangetrieben werde: „Bei den 450-Euro-Jobs ist eine Rundumerneuerung dringend notwendig, bei der Arbeitgeber vom ersten Euro an die vollen Sozialversicherungsbeiträge entrichten müssen“.

Die NGG Südwestfalen appelliert daher an die Bundestagsabgeordneten aus der Region, sich jetzt ab sofort in Berlin für eine umfassende Reform der 450-Euro-Jobs stark zu machen.