Mehr als nur Kinder und Küche
06.06.2007 | 07:20 Uhr 2007-06-06T07:20:26+0200Wetter. Acht Jahre ist Calvin jetzt auf der Welt, gut fünf Bruder Cedric. Fast jedes Jahr war die Betreuung der Kinder etwas anders geregelt, aber immer so, dass Mutter Therese Ferkinghoff den Anschluss an die Berufswelt nicht verloren hat.
Von Klaus Görzel Therese Ferkinghoff ist gelernte Groß- und Einzelhandelskauffrau. Seit Jahren schon hat sie eine Arbeit in Wuppertal. Als nur Calvin auf der Welt war, ist sie immerhin noch einen Tag in der Woche in ihr Büro gefahren. Mit zwei Kindern hat sie dann vorübergehend ausgesetzt, um nach drei Jahren Erziehungsurlaub wieder halbtags dabei zu sein. "In der heutigen Zeit kann man keinen sicheren Arbeitgeber aufgeben, das wäre grob fahrlässig", sagt die 40-Jährige. Und außerdem: In ein paar Jahren kommen die Kinder vielleicht schon viel mehr ohne Eltern aus als es diesen lieb sein kann...
"Es sind letztlich ein paar Jahre, die man überbrücken muss", sieht Therese Ferkinghoff die Dinge. Mit ein bisschen Organisationstalent ist das zu schaffen, weiß sie aus Erfahrung. Mit anderen Müttern lässt sich etwas arrangieren, mit etwas Glück ersparen Kindergarten und Schule den Eltern vermeidbaren Stress, und dann ist da bei den Ferkingshoffs noch die Großfamilie. Die Schwiegereltern beispielsweise wohnen gleich nebenan. "Die sind aber auch schon über Siebzig", sagt Therese Ferkinghoff. Für ein oder zwei Tage nimmt sie deren Hilfe gerne an. "Für die Hinterhand ist das gut, mehr soll aber wirklich nicht sein."
Bleiben die Angebote in den Betreuungseinrichtungen. Erst war nur Calvin im Kindergarten, dann kam Cedric für ein gemeinsames Jahr hinzu. Sofort hat Therese Ferkinghoff die Arbeit wieder aufgenommen. Die Öffnungszeiten im Harkorthaus spielten dabei eine wichtige Rolle. Berufstätige Eltern können ihren Nachwuchs bereits ab 7.30 Uhr bringen und bis 13 Uhr im Kindergarten lassen. Bis Zwölf geht ihre Arbeit in Wuppertal. "Anders wäre das gar nicht zu schaffen gewesen", sagt Therese Ferkinghoff, die weiß, dass in vielen Kindergärten die Kinder spätestens um Viertel nach 12 abgeholt sein müssen.
Mit etwas Glück und ohne Stau auf der Autobahn schafft sie es sogar manchmal, auf dem Rückweg von der Arbeit schnell noch mal beim Discounter vorbei zu schauen. "Zuhause wird dann gleich gekocht", wünscht sie sich, dass ihr Kindergarten vielleicht das noch ins Angebot aufnimmt. Ansonsten ist sie sehr zufrieden mit den Betreuungsangeboten, auf die sie als berufstätige Mutter bei einem berufstätigen Vater zurückgreifen kann.
Das gilt auch, wenn ab August beide Jungs auf die katholische Grundschule gehen. Bislang war Calvin bis 13.30 Uhr in der "verlässlichen Vormittagsbetreuung". Kosten: 40 Euro im Monat. Als Drittklässler hat er bald vermutlich oft bis in die sechste Stunde und damit bis um 13 Uhr Unterricht. "Da lohnt sich das eigentlich nicht mehr", hat Mutter Therese ausgerechnet - und stattdessen Cedric angemeldet.
Bald wird Cedric am großen Küchentisch mit seiner Mutter Hausaufgaben machen. Der Große ist schon jetzt an den Schreibtisch im Nebenzimmer umgezogen. Nach den Hausaufgaben gibt's an mehreren Tagen in der Woche Programm. Schwimmen, turnen, "der ganz normale Elternstress", sagt Therese Ferkinghoff und hat keinerlei schlechtes Gewissen, es könne den Kindern an Aufmerksamkeit fehlen. "Ich selbst kenn' das auch nicht anders", sagt sie, "meine Mutter hat auch gearbeitet und trotzdem habe ich immer genug von meiner Mutter gehabt."
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