Martin Treichel wird Landesmännerpfarrer

Martin Treichel, Pfarrer in Wengern, wechselt Mitte März zum Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen in Villigst
Martin Treichel, Pfarrer in Wengern, wechselt Mitte März zum Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen in Villigst
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach 13 Jahren als Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Wengern stellt sich Martin Treichel einer neuen Aufgabe: Am Institut für Kirche und Gesellschaft leitet er den Fachbereich für Männer, Familie und Ehrenamt.

Wengern..  Er hat sie nicht gesucht, aber dennoch gefunden: Martin Treichel, zur Zeit noch Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wengern, tritt Mitte März eine neue Stelle beim Institut für Kirche und Gesellschaft in Schwerte-Villigst an. Dort wird der 47-Jährige den Fachbereich IV für Männer, Familie und Ehrenamt leiten und schwerpunktmäßig Angebote „für eine in der Kirche vernachlässigte Klientel“ entwickeln: die Männer. Weswegen Martin Treichels neue Tätigkeit die offizielle Bezeichnung „Landesmännerpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen“ trägt.

„Wir machen in der Kirche viel für Senioren, Kinder und Frauen, mit Männern aber zu wenig. Deswegen werde ich in meiner neuen Stelle etwa Vater-Kind-Aktionen, Seminar- und Reiseangebote speziell für Männer erarbeiten“, erklärt Martin Treichel. Touren auf einem Plattbodenschiff etwa oder auch in einem Weinberg mit gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Gespräch schweben ihm vor. „Denn“, so weiß er, „Männer schätzen eine andere Form von Zusammenleben oder Zusammensein als Frauen. Die sind oft viel lockerer. Männer kommen eher übers gemeinsame Tun und Machen miteinander ins Gespräch.“ Dabei seien die Angebote selbstverständlich keineswegs Selbstzweck, sondern dienten dem Ziel, Kontakte zu Männern aufzubauen, um ihnen Lebensorientierung und geistliche Orientierung zu geben: „Wir wollen unsere gute Botschaft miteinander und mit Männern ins Gespräch bringen.“ So könnte man Martin Treichels neue Aufgabe auch als Integration von Männern in die Kirchenwelt bezeichnen.

Für mehr Lebensorientierung

Darüber hinaus wird Martin Treichel für Anfragen aus Politik und Gesellschaft zur Verfügung stehen, wird die Haltung der Kirche zu Fragen wie Vereinbarkeit von Kindern und Beruf in die Öffentlichkeit tragen. Und andersherum wird er politische Themen auch in die Kirche bringen. Sieben Mitarbeiter stehen ihm dabei zur Seite; denn der Zuständigkeitsbereich ist groß – er umfasst das Münsterland, ebenso wie das Ruhrgebiet, Sauer- und Siegerland und Ostwestfalen. Da gelte es auch, Multiplikatoren zu suchen und zu finden.

Zurück nach Wengern, wo Martin Treichel 13 Jahre lang die evangelische Gemeinde betreut hat. Anfangs mit einer Vollzeitstelle, ab 2007 hatte er nur noch eine halbe Stelle. „Seit 2007 leite ich aber zusätzlich als Vorstandsvorsitzender den damals neu gegründeten Kindergartenverbund von 22 Kindergärten“, so Treichel. Und ergänzt: „Viele wussten gar nicht, dass ich nur eine halbe Stelle habe, weil ich ja Gottesdienste und Taufen ebenso gemacht habe wie Beerdigungen und Trauungen.“ Für die Gemeinde werde sein Abschied mit einem massiven Einschnitt verbunden sein, ist sich der 47-Jährige sicher; denn einen Nachfolger werde es nicht geben. Seine 50-Prozent-Stelle werde reduziert auf eine 25-Prozent-Stelle. „Und diese Arbeit wird vermutlich jemand aus einer Nachbarstadt übernehmen“, meint Treichel. Ulrich Mörchen bleibt als Vollzeit-Pfarrer der Gemeinde erhalten.

Sechs Gottesdienste im Jahr

„Ich gehe nicht aus Frust oder Gram“, betont Martin Treichel, „ich habe hier immer unglaublich gerne gearbeitet und Gottesdienste gefeiert. Und in begrenztem Maße werde ich auch noch Gottesdienste hier halten. Denn ich habe ja künftig keine Gemeinde mehr. Mit Ulrich Mörchen ist vereinbart, dass ich noch sechs Mal im Jahr Gottesdienste hier in Wengern machen werde.“

Trotzdem: Gemeindepfarrer wird Martin Treichel nicht mehr sein. Aus diesem Grund zieht er mit seiner Familie auch aus dem Gemeindehaus aus. Ein neues Zuhause ist bereits gefunden, das übrigens - auf Wunsch der Familie - in Wengern liegt.