Märchenhafte Geschichten im Stadtsaal

Wetter..  „Die Welt der Märchen ist bedroht: Kinder starren nur noch auf ihre Smartphones, statt in Omas Märchenbuch zu blättern. Nach und nach verschwinden die traditionellen Geschichten aus dem kollektiven Gedächtnis – und mit ihnen die Figuren.

Aber das Musical-Ensemble des Kulturzentrums Lichtburg will das nicht zulassen: Mit „Fairy Tales – die vergessenen Geschichten“ bringen die jungen Darsteller die Märchenfiguren auf die Bühne, um ihnen das Leben zu retten. Das gelang bei der Premiere am Samstag im Stadtsaal hervorragend.

Rotkäppchen mit Schlagseite

In dem Stück, das aus der Feder der Projektleiterinnen Sophie Beckel und Julia Barbig stammt, ist das Problem zunächst aber akut: Grimmsche Märchenfiguren wie Rapunzel und Rumpelstilzchen leben mit dem Räuber Hotzenplotz und dem Struwwelpeter in einer großen Wohngemeinschaft bei der Fee Elfie (gespielt von Janina Ullrich). Die Not bringt sie zusammen, denn ihre Freunde verschwinden nach und nach.

Schuld scheint der Teufel mit Namen Baphomet (Riccardo Sfragara) zu sein. Um die Figuren zu retten, bietet Elfie dem Teufel eine Wette an: Er soll ihr ein Menschenkind schicken. Wenn sie und ihre Freunde es schaffen, das Kind innerhalb von einer Woche von sich zu überzeugen, stoppt das Verschwinden der Figuren. Es kommen schließlich sogar zwei Kinder (Merit Vogt und Kevin Mettegang), die die Märchenfiguren vor einige Schwierigkeiten stellen.

Was als erzählerischer Rahmen sehr beschaulich klingt, stellt sich auf der Bühne etwas anders da: Ein angetrunkenes Rotkäppchen kommentiert das Geschehen erfrischend ehrlich („Wer denkt sich denn bitte solche Geschichten aus?“). Durch ihr entspanntes, freches Spiel wird Clarisse Leclaire mit ihrer Figur schon mit dem ersten Auftritt zum Publikumsliebling, der die Zuschauer mit wenigen Sätzen zum Lachen bringen kann.

Heiter bis kritisch

Überhaupt ist „Fairy Tales“ trotz des allgegenwärtigen Bedrohungsszenarios eher heiter. Zwar ist das Stück mit seinem erzählerischen Ansatz durchaus sozialkritisch angelegt, doch letztendlich ist es gute Unterhaltung, die mehr über ein überzeugendes Spiel und guten Gesang funktioniert als über eine tief gehende Geschichte.

Das spiegelt sich auch in der Musik: Das Ensemble kann mit vielen starken Stimmen aufwarten und zeigt sich auch in dieser Produktion wieder als entspannt-professionelle Einheit. Dazu trägt auch die starke Live-Band einen wichtigen Teil bei, denn ihre Versionen der bekannten Hits geben dieser Produktion ihren eigenen, durchaus mitreißenden Ton.“