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Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Herdecke. Gut 200 000 Flüchtlinge sind 2014 in Deutschland angekommen, ein Fünftel davon muss das Land NRW aufnehmen. Monika Düker, flüchtlingspolitische Sprecherin der NRW-Grünen, nannte diese Zahlen, um die Dimensionen zurechtzurücken. „Wir werden nicht überrollt“, betonte sie, auch wenn sich die Zahl der Erstanträge im Vergleich zu 2013 verdoppelt habe. Und dennoch stellen auch vergleichsweise geringe Zahlen von Flüchtlingen Kommunen vor große Herausforderungen. Zum Beispiel im Bildungssektor. Um den ging es bei der Podiumsdiskussion, zu der der Arbeitskreis Sprachförderung in die Bonnermann-Schule eingeladen hatte.

Keine neuen Lehrer

Aktuell geht es um etwas mehr als ein Dutzend Schüler, die ohne oder nur mit sehr geringen Sprachkenntnissen eine Schule in Herdecke besuchen. Zu wenig, um an einer oder mehreren Schule eine Auffangklasse einzurichten, wie es in größeren Städten möglich ist. Finanzmittel für 300 Lehrerstellen seien in den Haushalt 2015 eingestellt, informierte Monika Düker. Nur könne man nicht erwarten, dass diese Lehrer schon jetzt unterrichten würden. „Im ländlichen Raum, und da müssen wir in diesem Fall Herdecke dazuzählen, kommt davon nichts an“, fürchtet dagegen Dükers Koalitionskollege Thomas Stotko (SPD). Darum müsse es besondere Unterstützung in den Regelklassen geben. Und die bekomme man auch auf dem kurzen Dienstweg, beschied der Politiker Realschulrektor Hubertus Schmalor, dem für seinen Antrag auf Unterstützung bei der Bezirksregierung Arnsberg nicht viel Hoffnung gemacht worden war. „Ich besorg’ ihnen eine Telefonnummer, dann klappt das schon“, so die Zusage von Stotko.

VHS muss bezahlt werden

Gute Beispiele darf man kopieren, darin waren sich Stotko und Düker einig. Und schlugen vor, wie in Mülheim an der Ruhr oder im EN-Südkreis die Volkshochschule in die Sprachförderung einzubinden. „Was dort funktioniert, muss doch auch hier klappen“, war SPD-Politiker Stotko zuversichtlich. Wind aus den Segeln nahm ihm Schuldezernent Dieter Joachimi: „Ein VHS-Kursus muss bezahlt werden, daran wird es scheitern.“ In Gevelsberg habe der Bürgermeister die Mittel als Spenden eingeworben.

Kritik am Integrationszentrum

Kritik gab es – vor allem von der Vertreterin aus Düsseldorf – an der Arbeit des Integrationszentrums in Schwelm. „Wenn ich ihre Probleme höre, scheint es dort nicht so zu laufen, wie es soll“, so Düker. Ziel sei, dass die Zentren zum Beispiel auch Schulen unterstützen, Mittel oder Personal für Sprachförderung zu erhalten. Beratung habe es in Form von mehreren Telefonnummern gegeben, bestätigte Andreas Joksch, der dann selbst zum Hörer griff, und die entsprechenden Stellen anrief. Mit dem Ergebnis, dass eigentlich kein Angebot zu seinem Problem – ein hochbegabter Schüler aus Ägypten, der kein Deutsch kann – passte. Eine Arbeit, die nicht unbedingt in das Aufgabenprofil eines Schulleiters passe. „Es muss doch jemand den Überblick haben, was wo an Förderung möglich ist“, sagte Joksch. Und sein Realschul-Kollege Hubertus Schmalor spitzte es noch etwas zu: „Vom Beraten allein ist noch kein Kind unterrichtet.“

Viele kleine Probleme

Viele kleine Probleme, die sich oft nur individuell lösen lassen, das ist der Alltag in der Flüchtlingsarbeit. Da wird in der Schule mit Hilfe eines Verwandten in Süddeutschland übers Handy gedolmetscht oder Kinder, die zumindest ein paar Brocken Deutsch verstehen, müssen ihre Mutter zum Frauenarzt begleiten. „Das geht nicht“, sagt Elisabeth Wader, die bei der Caritas seit vielen Jahren Flüchtlinge betreut. „Die Familien müssen in die Sprachförderung eingebunden werden. Und es darf sie finanziell nicht überfordern, sonst wird der Kursus eingespart, wenn zum Beispiel der Arzt bezahlt werden muss.“

Die Stadt Herdecke lädt am kommenden Dienstag, 27. Januar, zu einem Gedankenaustausch zum Thema Flüchtlingshilfe ins Martin-Luther-Gemeindehaus in Ende ein. Beginn: 19 Uhr.

Susanne Schlenga

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2015-01-24 00:11
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