Leidenschaft macht fit fürs Leben
30.10.2009 | 17:39 Uhr 2009-10-30T17:39:00+0100Über 47 000 Euro investierte die Bürgerstiftung Herdecke im zweiten Jahr ihres Bestehens in Projekte. Jetzt lud sie zur Versammlung in den Zweibrücker Hof. Zu Gast war Professor Christian Pfeiffer, gefragter Kriminologe und Anstifter in Sachen Bürgerstiftung.
Voller Elan erzählte Pfeiffer von seinen Erfahrungen mit Bürgerstiftungen, deren erste er in Hannover mitbegründete. Mittlerweile gebe es rund 230 Bürgerstiftungen in Deutschland, ein „toller Kurs”.
Berlin, Heilbronn, Oldenburg, Herdecke. . . Auf seinen Reisen quer durch die Nation treffe er überall auf Menschen, die sich der Idee der lebendigen Bürgerstiftung verbunden fühlten und ihre Ideen, ihre Zeit und ihr Geld darin investierten. Pfeiffer machte den Herdeckern Mut: „Die erste Million ist immer die schwerste.” Menschen, die von derselben Idee beseelt seien, gäben ihr Geld gerne mit warmen Händen.
Dass Kinder- und Jugendprojekte bei allen deutschen Bürgerstiftungen im Mittelpunkt stehen, begrüßt der Kriminologe, der sich seit Jahren mit dem Thema Gewalt und Medienkonsum beschäftigt. „Die Leistungskrise junger Männer ist erschreckend”, so Pfeiffer. Erhellende Zahlen belegten den Zusammenhang von Medienkonsum und schwachen Leistungen. „Der Bildungsgrad bestimmt das Kinderzimmer”, sagte Pfeiffer. Hätten beide Eltern Abitur, hätten nur elf Prozent der Kin-der einen Fernseher im Zimmer. Bei Eltern mit Haupt-
schulabschluss seien es 43 %.
Nicht warten, bis
die Politik etwas tut
Pfeiffer plädierte mit Vehemenz für die Ganztagsschule, die indes mehr sein müsse als nur Wissensvermittler. Rugby, Theater, Musik, Schach: Ganztagsschulen könnten Lust auf Leben wecken - Leben in der realen, nicht in der virtuellen Welt von „World of Warcraft”, dem „größten Suchtmacher aller Zeiten”.
Vor allem Jugendliche, die in der Pubertät einen Durchhänger hätten, verbrächten rund vier Stunden am Tag mit PC-Spielen. „Wir müssen Leidenschaft für das Leben entzünden und dürfen nicht warten, bis die Politik etwas tut”, so der 65-Jährige. Bürgerstiftungen könnten attraktive Angebote machen, „damit das Leben der Jugendlichen andere Inhalte bekommt.”
Nach Pfeiffers temperamentvollem Plädoyer für ein Leben voller leidenschaftlicher Hobbys und erfüllter Arbeit, befragte Klaus Görzel, Leiter der Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau, Mitglieder der Bürgerstiftung.
„Jeder von uns
hat ein Helfer-Gen”
„Wir vernetzen, schieben an. Jeder von uns hat ein Helfer-Gen”, so Rechtsanwalt Lothar Gerber über die ihn erfüllende Aufgabe im Vorstand. Auch Heidemarie Sellmann, die im Kuratorium wirkt, ist überzeugt. „Es macht Spaß, und man bewirkt etwas Gutes", sagte sie, die nach dem Ausscheiden aus dem Beruf der Stiftung beigetreten war.
Von anregenden Besuchen im Altenheim erzählten die Schülerinnen Natalie Krischevski und Lara Klasvogt. „Spannender als jeder Geschichtsunterricht” seien die Gespräche mit den Senioren, mit denen die Gymnasiastinnen spielen, plaudern und spazieren gehen. Burkhard Küstermann von der bundesweiten Initiative Bürgerstiftungen betonte, welch positive Anstöße Stiftungen geben könnten. Selbst eine Stadt mit intakter Infrastruktur brauche das bürgerschaftliche Engagement.
12:14
Wo ist denn auf dem Foto in der Zeitung der Herr Küstermann geblieben? Vergessen?