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Leichte Sprache auf Bestellung

13.02.2012 | 12:49 Uhr

Wetter.Amtssprache ist manchmal schwer zu verstehen. Deshalb lernen bald Mitarbeiter der Stadtverwaltung, wie sich Dinge leichter sagen lassen. Helfen soll ihnen dabei das „Büro für leichte Sprache“. Noch gibt es das Büro nicht. Wenn aber das nötige Geld da ist, soll das Büro noch in diesem Jahr in Wetter eröffnet werden.

Vier Einrichtungen in der Stadt haben sich bereits zusammengeschlossen, damit es das Büro geben kann: Die Stadtverwaltung, die Sparkasse, das Frauenheim in Wengern und die Evangelische Stiftung Volmarstein. Die Mitarbeiter all dieser Einrichtungen sollen lernen, wie sich Hürden im Schriftverkehr abbauen lassen.

Eine „leichte Sprache“ muss nicht erst erfunden werden. Seit Jahren schon gibt es den Versuch, auch schwierige Zusammenhänge einfach darzustellen. Die Liste der Regeln für eine leichte Sprache ist überschaubar und einleuchtend. Die benutzten Worte sollen verständlich sein, die Sätze kurz, die Buchstaben ausreichend groß. Das sind natürlich nicht alle Regeln. Aber diese Regeln bilden den Kern.

Vor zwei Jahren gab es in Wetter einen ganz besonderen Tag. An diesem Tag hatte die ESV zu Vorträgen und Veranstaltungen eingeladen. In vielen Vorträgen ging es um den Abbau von Barrieren. Eines der Themen war die „leichte Sprache“. Seit diesem Tag ist Annika Nietzio ganz besonders interessiert am Thema leichte Sprache. Jetzt hoffen alle Beteiligten auf finanzielle Hilfe von der Landesregierung. Kommt diese Hilfe, soll Annika Nietzio im „Büro für leichte Sprache“ arbeiten.

Das Büro wird eine Art Übersetzungsbüro werden, sagt Annika Nietzio. Texte in schwieriger Sprache sollen übersetzt werden in eine für alle verständliche Sprache. Das Büro soll Öffnungszeiten haben, in denen man einfach vorbeischauen und um eine Übersetzung bitten kann. Das Büro soll aber auch großen Einrichtungen in der Stadt dabei helfen, wenn die Mitarbeiter „leichte Sprache“ lernen.

Annika Nietzio wird dann deutsche Texte in ein leicht verständliches Deutsch übertragen. Studiert hat sie das nicht. Die ESV hat sie eingestellt, weil sie Mathematik studiert hat. Um Zahlen und ums Rechnen geht es, wenn ein Computer programmiert wird.

„Alle Menschen haben Menschenrechte“

An der Hochschule hat Annika Nietzio sich schon mit der Frage beschäftigt, wie sich Sprache in Computern verarbeiten lässt. Eine solche Verarbeitung kann ein Programm sein, das aus Mikrofon-Aufnahmen geschriebene Texte macht. So etwas kann Menschen mit einer körperlichen Behinderung eine Hilfe sein.

Viele Fragen zum „Büro für leichte Sprache“ sind noch nicht beantwortet. Antworten wird es erst geben, wenn alles Geld für eine Eröffnung beisammen ist. Aber schon jetzt kennt Annika Nietzio ihre Grenzen. Den Gebührenbescheid für den Müll wird sie sicher übertragen können. Bei der Steuererklärung dagegen gibt es den Tipp, doch besser zum Finanzamt zu gehen.

Aber auch dort wird sich in Zukunft einiges ändern. Alle Behörden müssen sich Gedanken machen, wie sie Barrieren abbauen. Dazu zählen auch die Barrieren in der Sprache. Das ist die Folge einer weltweiten Vereinbarung. Sie soll dazu führen, dass Menschen mit Behinderungen von nichts ausgeschlossen sind. Diese Vereinbarung heißt „UN-Behindertenrechtskonvention“. Wer will, kann sie nachlesen. Auch in leichter Sprache. Die ersten Sätze lauten: Alle Menschen haben Menschen-Rechte. Menschen mit Behinderungen haben die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen. Überall auf dieser Welt.

Klaus Görzel

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