Leiche des Fährmanns treibt in Ruhr – Lackum unter Verdacht

Wetter..  Im Mai 1590 wurde die vom Wasser angeschwemmte Leiche eines Hausierers entdeckt, der sich auch gelegentlich als Fährmann betätigte. Bei dem Toten handelte es sich um einen Menschen, den man Johann von der Ruhr nannte.

Als Verdächtiger kam zunächst jene Person in Frage, bei der Johann von der Ruhr seine Wohnung hatte: Ein gewisser Jasper von der Ruhr bediente zusammen mit seiner Mutter Lisa Voß die Fähre von Wetter. Da Jasper und Johann in Verdacht standen, regelmäßig gemeinsam krumme Geschäfte betrieben zu haben, vermutete man zunächst, Jasper habe Johann zum Schweigen bringen wollen, indem er ihn erstochen und in die Ruhr geworfen habe.

Streit ums Erbe

Nach einiger Zeit richtete sich der Verdacht jedoch auf angesehene Persönlichkeiten aus Wetter: den Kramer Georg Lackum (genannt Nilken) und seinen 24-Jährigen Sohn Anton, der zum katholischen Priester geweiht worden war. Als Motiv kamen Erbschaftsstreitigkeiten in Frage, da Johann von der Ruhr und die Familie Lackum verwandt waren. Der für die Ermittlungen zuständige Droste von Wetter setzte beide in Haft. Unter der Tortur, angeordnet durch die Regierungsräte des Landesherrn, gestanden die Gefangenen, den Mord begangen zu haben.

Dietrich Lackum und die anderen Mitglieder der Familie versuchten währenddessen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um eine Begnadigung und die Freilassung zu bewirken.

Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass Georg Lackum hingerichtet wurde. Anton Lackum starb einige Tage später unter ungeklärten Bedingungen in der Haft. Die Hinterbliebenen setzten eine nochmalige Untersuchung des Falles durch eine landesfürstliche Kommission durch, da sie von der Unschuld ihrer Verwandten überzeugt waren. Insbesondere wollten sie bewirken, dass der Leichnam des Georg Lackum, den man zur Abschreckung auf dem Richtplatz verwesen ließ, würdig begraben wurde.

Nachdem die Kommission nicht die erwünschten Resultate erzielt hatte, wandten sich Dietrich Lackum und seine Verwandten schließlich an das Reichskammergericht in Speyer.