Land fördert Kunst unterm Stern der Inklusion

Eine Szene aus dem  Jugendfilm „Das geheime Zimmer“; er war das erfolgreichste Projekt aus dem KTM3-Konzept, für das die Lichtburg von 2009 bis 2011 Fördergelder bekam. Nun gibt es erneut eine Förderung – für Kunstprojekte unter dem Stern der Inklusion..
Eine Szene aus dem Jugendfilm „Das geheime Zimmer“; er war das erfolgreichste Projekt aus dem KTM3-Konzept, für das die Lichtburg von 2009 bis 2011 Fördergelder bekam. Nun gibt es erneut eine Förderung – für Kunstprojekte unter dem Stern der Inklusion..
Foto: Dietmar Wäsche
Was wir bereits wissen
Der Kulturverein Lichtburg in Wetter gehört zum Kreis der acht Auserwählten in NRW, die sich über Fördergelder für ein Kunstkonzept freuen dürfen.

Wetter..  Kamera, Theater, Musik: Das sind die drei künstlerischen Aktionsfelder, in denen das Kulturzentrum Lichtburg unterwegs ist. KTM3 hieß daher auch ein Konzept, für das der heimische Kulturverein von 2009 bis 2011 Fördergeld vom Land bekommen hat. Erfolgreichstes Projekt aus KTM3 war der Jugendfilm „Das geheime Zimmer“.

Jetzt können die kreativen Köpfe der Lichtburg KTM3 fortsetzen, da das NRW-Kultusministerium das Projekt für weitere vier Jahre mit insgesamt 120 000 Euro fördert. Diesmal allerdings, so das Ziel des Kulturvereins, sollen die Aktionsfelder unter dem besonderen Gesichtspunkt der Inklusion weiterentwickelt werden. Die Kunstprojekte sollen junge Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen.

Lichtburg-Geschäftsführer Christian Müller-Espey kann (und will) seine Freude über die Förderzusage nicht verbergen. „Das Geld verschafft uns Luft, neue Handlungsformate zu erproben. Genau das zeichnet Kultur auch aus, dass sie sich weiterentwickeln kann. Daher bin ich dankbar für die Förderung.“

Aktionsplan im Blick

Die Entstehung des neuen Konzepts, das unter dem Motto „Ich bin wie du“ steht, ist eng verknüpft mit der Mitarbeit der Lichtburg am Aktionsplan „Menschenrechte Stadt Wetter“. Müller-Espey erinnert daran, dass sich die Kulturmacher schon seit drei Jahren in der Arbeitsgruppe „Kultur, Sport und Freizeit“ des Aktionsplans für den Abbau von Barrieren, Vorbehalten und Berührungsängsten engagieren. „Parallel dazu haben wir uns in Kooperation mit der Evangelischen Stiftung auf den Weg gemacht, inklusive Formate zu erarbeiten und zu erproben“, so Müller-Espey. Beispielhaft dafür seien das Kino im Kulturcafé sowie Konzerte in der Martinskirche.

Das erste neue Projekt „Bang!“ startet im September. Die Idee: Junge Menschen muszieren mit Instrumenten und Alltagsgegenständen. „Das können etwa Werkzeuge aus der Holzwerkstatt des Berufsbildungswerks oder Löffel aus der Küche sein, in denen sie gerade ihre Ausbildung machen. Daraus sollen Instrumente entstehen, mit denen sie Musik performen. Am Ende steht eine Aufführung, und ein Video soll vom Entstehungsprozess bis zur Aufführung das ganze Projekt dokumentieren. Dabei vermischen sich die Kunstbereiche Musik und Kamera“, erklärt Christian Müller-Espey. Schlagzeuglehrer Kai Warszus wird das Projekt leiten.

Für „Bang!“ werden ab sofort junge Leute mit und ohne Behinderung ab 15 Jahren aufwärts gesucht. Für eine Gruppe müssen es mindestens acht Jugendliche sein; bei großem Interesse werden auch zwei Gruppen eingerichtet. Die Teilnehmer treffen sich ab September regelmäßig einmal wöchentlich zur Probe.

Ein integratives Theaterprojekt, Kurzfilme und Freiluft-Kino auf öffentlichen Plätzen in Wetter – das sind weitere Ideen, die der Kulturverein in den nächsten drei Jahren umsetzen möchte. Bei allem, was im Zusammenhang mit diesen Projekten geschieht, wird die Frage nach der Barrierefreiheit an erster Stelle stehen. So etwa würde sich das Café Mittendrin auf dem Stiftungsgelände als barrierefrei erreichbarer Probe- und Spielort für ein Theaterstück eignen. Die Musikperformance „Bang!“ wird in den Räumen des BBW stattfinden. „Das ist auch für uns als Veranstalter ein Lernprozess“, sagt Müller-Espey. „Wir müssen vorab klären, wie der Zugang ist oder ob es behindertengerechte Toiletten gibt. Wir müssen Lösungen finden, um Barrieren abzubauen. Das wollen wir ausprobieren, und dafür ist das Fördergeld gedacht.“

20 000 Euro für zweites Halbjahr

20 000 Euro bekommt die Lichtburg bereits für das zweite Halbjahr 2015, danach fließt das Geld im jährlichen Rhythmus. Christian Müller-Espey hält kurz inne. Dann sagt er: „Das Geld weckt vielleicht den Eindruck, die Lichtburg sei nun über dem Berg. Das ist nicht so, denn das Fördergeld ist zweckgebunden. Es dient nicht dazu, andere Defizite auszugleichen. Diese Baustellen habe ich nach wie vor.“