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Kreative teilen sich ehemaligen Steinbruch

09.07.2014 | 06:00 Uhr
Kreative teilen sich ehemaligen Steinbruch
Alle Mieter und Friederike Külpmann (vorne rechts)Foto: Ida Haltaufderheide

Esborn.   Erst Zeche, dann Steinbruch, heute offener Handwerkshof: Im „BergWerk“ auf dem ehemaligen Zechengelände Neuwülfingsburg arbeiten jetzt die verschiedensten Künstler neben- und miteinander.

Jedes Ende ist ein neuer Anfang. Das gilt auch für das Gelände der ehemaligen Zeche Neuwülfingsburg in Albringhausen. Wo von den 1940-ern bis in die späten 60-er Jahre rund 1,5 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert wurden und später die Familie Külpmann einen der größten Steinbrüche im Ruhrgebiet betrieb, entsteht nun ein völlig neues Projekt. Auf einem offenen Handwerkshof arbeiten Künstler und Kreative aus der Region neben- und miteinander in den unterschiedlichsten Disziplinen.

„Angefangen haben wir mit drei Bands aus dem Umkreis, inzwischen sind fast alle Flächen wieder vermietet“, erzählt Friederike Külpmann, die gemeinsam mit André De Col das Projekt „BergWerk“ leitet, voller Stolz.

Gerade in der Anfangsphase haben die beiden es mit ihrer Idee nicht leicht gehabt. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters Friedrich Wilhelm Külpmann vor vier Jahren, hatten die Geschwister die Geschäftsführung Ruhrsandsteinbrüche in Albringhausen übernommen. Doch das Unternehmen steuerte bereits auf eine Pleite zu, eineinhalb Jahre nach der Übernahme mussten Friederike Külpmann und André De Col Insolvenz anmelden. „Viele Leute denken, wir Kinder hätten das Unternehmen vor die Wand gefahren“, sagt Friederike Külpmann.

Möglichst kleine Einheiten

Aller Vorurteile zum Trotz wagten die Geschwister einen Neuanfang. „In dieser Zeit haben wir gelernt, als Familie zusammenzuhalten. Ich glaube, wenn man als „Steinbruchkind“ groß geworden ist, hat man die Kraft und die Stärke, über den Dingen zu stehen“, sagt André De Col. „Und alles einfach zu verkaufen kam für uns nicht in Frage, das hier ist ja unser Zuhause“.

Bei dem neuen Nutzungskonzept setzt Friederike Külpmann auf „Diversifikation“. Gemeint ist, die knapp 36 000 Quadratmeter Fläche in möglichst kleine Einheiten aufzuteilen und diese an verschiedene Unternehmen zu vermieten. „Wir teilen das Risiko sozusagen auf“, erklärt die studierte Architektin, „wenn ein Mieter Probleme bekommt, ist nicht gleich die ganze Fläche betroffen.“

Den Großteil des Geländes belegt auch heute wieder ein Natursteinhandel, das Naturstein Zentrum Ruhr (NZR). Ansonsten findet sich auf dem Gelände aber eine bunte Mischung an Leuten. Mehrere Bands haben Proberäume angemietet, es gibt ein Tonstudio und verschiedene „Schrauber“ basteln in kleinen Werkstätten an Autos und Motorrädern herum. Friederike Külpmann und ihre Mutter Brigitte Külpmann arbeiten jeweils unterschiedliche Möbel und Alltagsgegenstände auf, außerdem ist eine Gruppe von Graffitikünstlern mit einem Atelier auf dem Zechengelände heimisch geworden.

Alle Maschinen verkauft

Boxen und Außenflächen werden von Garten- und Landschaftsunternehmen zur Lagerung von Maschinen und Material genutzt und ein Unternehmen für Seilklettertechnik, fachgerechte Baumpflege und professionelle Baumfällung hat sich ebenfalls dort angesiedelt. „Wir setzen bei der Auswahl der Mieter darauf, dass wir uns gut ergänzen und keine Konkurrenz entsteht“, erklärt Friederike Külpmann. Außerdem sei es wichtig, Leute zu finden, die ihre gemieteten Flächen selbstständig aufbereiten können. Nach der Insolvenz und dem damit verbundenen Ausverkauf seien vor allem Müll und Chaos zurückgeblieben. Außerdem seien die Gebäude generell in einem schlechten Zustand gewesen. „Aufgeräumt werden musste alles von Hand, weil ja alle Maschinen verkauft wurden.“

Forschungserkenntnisse umgesetzt

Doch jeder kleine Fortschritt ist für Friederike Külpmann ein Gewinn und dient in ihren Augen der Aufwertung des alten Zechengeländes. An der EBZ Business School in Bochum macht sie gerade den Master of Science mit dem Schwerpunkt „Upcycling (industrial) heritage“. „Dabei befasse ich mich mit der Umnutzung und Entwicklung von industriellen Brach- und Leerstandsflächen am Beispiel des Opel-Werks 1“, erklärt sie. Ihr Heimprojekt „BergWerk“ sei sozusagen die praktische Umsetzung ihrer Erkenntnisse aus der Forschung.

Ziele hochgesteckt

Die Ziele für das Projekt „BergWerk“ sind hoch gesteckt: Wenn der Radweg „Von Ruhr zu Ruhr“ fertig wird, der direkt über das Gelände der ehemaligen Zeche Neuwülfingsburg führen wird, soll das Gelände als Raststätte für eine Pause entlang der Strecke sein.

Dort könnten Radler dann eine Industriekultur-Ausstellung vom Bergbauverein ansehen, bei einem Rundgang über das Gelände die verschiedenen Projekte besichtigen und in offenen Werkstätten aktiv mitmachen. Außerdem sucht das BergWerk für die Flächen entlang der Bahntrasse noch Hobby-Gärtner für „(sub)urban-gardening“. Es kann eigenes Gemüse gezüchtet oder ein bunter Blumengarten angelegt werden.

Auch Kunst- und Designmärkte, Konzerte und Graffiti-Contests sind für die Zukunft geplant. „Wir hoffen, das BergWerk in den nächsten Jahren zu einem besonderen, lebendigen und urbanen Ort für viele Menschen in Wetter und im Ruhrgebiet gestalten zu können“, erklären Friederike Külpmann und André De Col. Dass das viel Arbeit bedeute, sei ihnen bewusst, aber „wir sind hier eine gute Gemeinschaft und können einiges schaffen“, sagen sie.

Ida Haltaufderheide

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2014-07-09 06:00
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