Kratzer oder nicht? Gutachter soll entscheiden

Vor Gericht wird nach der Wahrheit gesucht. Manchmal braucht es dazu einen Gutachter.
Vor Gericht wird nach der Wahrheit gesucht. Manchmal braucht es dazu einen Gutachter.
Foto: Kurt Michelis
Was wir bereits wissen
Im Streit über einer Kratzer an einer Autotür soll nun ein Gutachter entscheidende Hinweise bringen. Eine Herdeckerin wird beschuldigt, mit einer Autotür einen anderen Wagen beschädigt zu haben.

Herdecke.. Eine eher ungewöhnliche Unfallflucht in Herdecke gibt dem Amtsgericht Wetter derzeit Rätsel auf. Beim Einsteigen soll eine Beifahrerin die Autotür gegen einen anderen Wagen gestoßen und dabei einen Lackschaden verursacht haben. Während sich die 66-Jährige aus Herdecke keiner Schuld bewusst ist, sieht das die Geschädigte „etwas“ anders.

Auf einem Supermarktparkplatz an der Stiftsstraße stieg die Rentnerin am späten Nachmittag des 22. August in das Auto ihrer Freundin, um gemeinsam zu Bekannten zu fahren. Dabei, so zumindest der Vorwurf, soll die Beifahrertür gegen das Nachbarauto geschlagen sein. An dem Mercedes entstand ein Schaden von etwa 600 Euro.

Die Fahrerin saß laut Anklage währenddessen in dem Auto, beobachtete den Zwischenfall und hatte sich gerade von ihrer Überraschung erholt, als die Unfallverursacherin schon weg war.

Schaden im Lack war frisch

Immer noch fassungslos saß die 66-jährige Herdeckerin, die sich in ihrem Leben nie etwas hatte zu Schulden kommen lassen, auf der Anklagebank. Den Vorwurf, ein fremdes Auto beschädigt und sich dann einfach entfernt zu haben, wollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Das habe sie gewiss nicht getan, versicherte die Rentnerin und fügte erklärend hinzu, dass ihre Freundin generell aus einer Parklücke fahre und sie dann erst einsteigen lasse, wenn es eng sei. Besagte Freundin konnte sich an den Augusttag gar nicht explizit erinnern. Ihr, so versicherte sie im Zeugenstand, sei in dem Kontext bestimmt nichts Ungewöhnliches aufgefallen.

Die Fahrerin des beschädigten Autos konnte sich sehr gut an die Ereignisse erinnern. Sie habe im Auto gesessen und habe sich mit ihrem Handy befasst, als sie plötzlich den Anstoß registriert habe. Daraufhin habe sie hochgeguckt und die Angeklagte angesehen. Die sei eingestiegen und der Wagen sei weggefahren. Sie selbst sei ausgestiegen, habe sich den Schaden angesehen und das andere Kennzeichen notiert. Sie sei sich sicher, dass es sich bei der Herdeckerin um die Frau handle. Allerdings, das gab sie auch an, wisse sie nicht, ob die Frau den Anstoß tatsächlich bemerkt habe. Alt, das gab sie auf Nachfrage an, könne der Kratzer nicht gewesen sein. Sie habe mit dem Finger drüber gestrichen. Er habe sich frisch und staubig angefühlt.

Gutachter ist bestellt

Ob dieser Pattsituation blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als einen Kfz-Sachverständigen zu beauftragen. Sein Gutachten soll Aufschluss darüber bringen, ob das Auto der Bekannten der Herdeckerin die Schäden an dem anderen Fahrzeug verursacht hat.

Das Verfahren wird Ende Februar mit den neuen Erkenntnissen fortgesetzt.