Krankenhaus ermöglicht besonderen Blick auf Krebszellen

Am Tag der offenen Tür im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke konnten Besucher durch ein Mikroskop lebende Krebszellen erkennen.
Am Tag der offenen Tür im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke konnten Besucher durch ein Mikroskop lebende Krebszellen erkennen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Herdeckes Gemeinschaftskrankenhaus bot am Tag der offenen Tür viele Informationen zu medizinischen Themen an. Ein besonderer Hingucker waren Krebszellen.

Westende..  Zugegeben, in den meisten Fällen sind Krankenhausbesuche eher unangenehm. Doch an diesem Wochenende war das für Besucher des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke anders. Denn hier standen die Türen offen, um einmal hinter die Kulissen des Klinikalltags zu blicken.

Beim Tag der offenen Tür bot der Veranstalter viele Vorträgen und sowie medizinische und kulturelle Programmpunkte an, um so den Tag für die Gäste so vielfältig wie möglich zu gestalten. An vielen Informationsständen wurden die Besucher über Forschung, Medizin oder Pflege aufgeklärt. Bei kleineren Untersuchungen konnten die Besucher zum Beispiel einmal ihre Durchblutung der Halsschlagader messen lassen, um so einem möglichen Schlaganfall vorzubeugen und sich gleichzeitig über neue Techniken und Untersuchungsmöglichkeiten informieren zu lassen.

Tumor durch ein Mikroskop erkennen

Besonders interessant schien für die Besucher am Samstag der ungewöhnliche Blick auf lebende Krebszellen durch ein Mikroskop gewesen zu sein. Wie sehen diese aus, wie entsteht ein Tumor und was können solche Zellen anrichten? All diese Fragen konnten die Mitarbeiter des Krankenhauses beantworten. Und genau darauf kam es auch Dr. Tycho Zuzak an. Der Oberarzt in der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin forscht nämlich schon seit längerer Zeit mit pflanzlichen Medikamenten gegen die Bekämpfung von Krebszellen. „Wir machen Versuche mit den Zellen, um so neue Medikamente zu finden“, erklärte Zuzak. Diese sollen sich positiv bei der Behandlung von an Krebs erkrankten Kindern und Erwachsenen auswirken. Die lebenden Krebszellen stammten aus dem Labor des Westdeutschen Tumorzentrums in Essen und seien von dem Oberarzt extra zum Tag der offenen Tür nach Herdecke gebracht worden.

„Die meisten Leute wissen nicht, wie Krebszellen aussehen“, so Tycho. „Deshalb werfen heute auch viele Betroffene einen Blick durch das Mikroskop.“ So könnten viele die Krankheit einmal visualisieren. Dies sei oft auch sehr hilfreich im Alltag, so der Oberarzt weiter. Gezeigt wurden nicht nur die lebenden Krebszellen, sondern auch der Rückgang solcher Zellen durch den Einsatz pflanzlicher Medikamente. „Aktuell erforschen wir Mistelpräparate, Curcumin (aus Kurkuma), Thymoquinon (aus Schwarzkümmel), Taraxacum (Löwenzahn) und andere“, sagte der Mediziner. Der Gebrauch solcher Medikamente sei laut Zuzak eher ungewöhnlich.

Deutschlandweit einzigartig

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke sei deutschlandweit die einzige Klinik, die eine solche integrative Behandlung (eine Kombination aus herkömmlicher Medizin und Komplementärmedizin) anbietet. „Was durch das Mikroskop so unspektakulär aussieht, kann einen großen Schaden anrichten“, erläuterte Dr. Tycho Zuzak. Genau deshalb war es dem Arzt wichtig, dass sich die Gäste einmal selbst ein Bild von der Krankheit Krebs und ihren Ursachen machen konnten.

„Wenn ich im Labor sehe, wie Krebszellen mit gewissen pflanzlichen Medikamenten zusätzlich bekämpft werden können, motiviert es mich, diese Therapien auch krebskranken Kindern zugänglich zu machen. Dies sollte aber nur zusätzlich zur konventionellen Behandlung geschehen“, so Zuzak.

Somit konnte die Klinik in Westende einen etwas anderen Blickwinkel auf medizinische Themen anbieten, wobei es neben diesem ernsten Hintergrund am Tag der offenen Tür auch locker zuging.