Knöllchen-App der Stadt Herdecke überführt Parksünder

Das Ordnungsamt in Herdecke schreibt Knöllchen mit modernster Technik: Eine App hält den Ventilstand parkender Autos fest - zum besseren Nachweis von Falschparkern.
Das Ordnungsamt in Herdecke schreibt Knöllchen mit modernster Technik: Eine App hält den Ventilstand parkender Autos fest - zum besseren Nachweis von Falschparkern.
Foto: Klaus Görzel
Was wir bereits wissen
Das Ordnungsamt der Stadt Herdecke schreibt Knöllchen mit modernster Technik: Eine App hält den Ventilstand parkender Autos fest, und zwar zum besseren Nachweis.

Herdecke.. Dieses Smartphone könnte jeder haben, das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Diese App aber gibt es nur für Ordnungsämter. Sie erleichtert es ungemein, Falschparker zu erfassen und ihnen nachher wasserfest ein Verwarnungsgeld abzuverlangen. Vier dieser Handys hat die Stadt Herdecke angeschafft. Mit einem davon ist Beate Allefeld unterwegs.

Ordnungsamt setzt neueste Technik ein

Im Verkehrsausschuss kam jetzt die Rede auf die Parkscheibenzonen in der Stadt und die Möglichkeiten, die Kontrolleure auszutricksen. Gisbert Holthey, Ratsherr der CDU, berichtete von einem Ärztehaus, in dem jeden Morgen jemand alle Schlüssel einkassiert und alle zwei Stunden nach draußen geht, um die Parkscheiben für weitere zwei Stunden vorzudrehen. Das allein reicht nicht, kam von der Verwaltung zurück. Es hat früher schon nicht gereicht, um ein Knöllchen zu vermeiden, es reicht aber erst recht nicht mehr, seit das Ordnungsamt mit neuester Technik auf Parksündersuche geht.

Parken Beim Ortstermin in der Sally-Grünewaldstraße bleibt Beate Allefeld vor einem VW-Bulli stehen. Den hat sie Stunden vorher schon hier parken gesehen, glaubt sie – und schaut in ihrem Smartphone nach. Kennzeichen eingeben, und tatsächlich, da ist das Auto mit allem vermerkt: Hersteller, Typ, Farbe, Standort, Uhrzeit der ersten Erfassung, vor allem aber: Stand der Ventile.

Zulässige Parkzeit überschritten

Schon morgens um 8.11 Uhr hat die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes schon über die Bildschirmfläche ihres Smartphones gewischt und die beiden seitlichen Räder so gedreht, dass die Ventile so stehen wie bei dem geparkten Auto. Und so stehen sie jetzt, gut drei Stunden später, immer noch. Ein klarer Fall. Zulässige Parkzeit von zwei Stunden überschritten – obwohl die Parkscheibe hinter der Windschutzscheibe zwischendurch noch einmal zwei Stunden vorgedreht wurde. Umsonst.

Mit Zauber-Handy werden Fotos vom Auto gemacht

Beate Allefeld hat mit ihrem Zauber-Handy Bilder von dem Auto gemacht, die zeigen, wo es steht. Sie kann belegen, dass nur die Parkscheibe, nicht aber das Fahrzeug bewegt worden ist. Jetzt muss sie nur noch den genauen Tatbestand benennen, und schon ist dieser Fall sendebereit. Einmal tippen noch, und der Vorgang ist ins Rathaus gesendet und damit die Aufforderung an den Autofahrer, 20 Euro an die Stadtkasse zu überweisen. So teuer kommt es, wenn die zweite Stunde Falschparken angebrochen ist. Der Bußgeldkatalog, ebenfalls im Handy hinterlegt, lässt keinen Spielraum.

Verkehr Das ist neu, dass Autofahrer schon gleich bei der Stadt Auskunft bekommen können, wenn sie einen kleinen blauen Zettel hinter dem Scheibenwischer gefunden haben. Und es gibt Autofahrer, die das eigene Handy dann schnell am Ohr haben: „Manche wollen halt handeln“, sagt Ilka Biegota, Leiterin des Ordnungsamtes.

Bleibt die Geschichte von Gisbert Holthey. Ist es ein Trick von gestern mit dem Rumgehen und Vordrehen der Kollegen-Parkscheiben, oder funktioniert er auch noch im Zeitalter von Knöllchen-Apps? Wer den Schlüssel zum Vordrehen der Parkscheibe hat, kann das Auto ja auch gleich ein bisschen vor oder zurück setzen. Damit ändert sich dann auch der Ventilstand. „Und dann sind wir machtlos“, sagt Beate Allefeld.

Wenn ihr Dienst-Tag vorbei ist, weiß ihr Smartphone genau, wie viele Knöllchen sie geschrieben hat. Aber zumindest diese Funktion bleibt ungenutzt. „Die Mühe mache ich mir mittags nicht.“