Das aktuelle Wetter Wetter 19°C
Gastronomie

Kneipen-Krach in der Fußgängerzone von Herdecke

02.02.2016 | 06:00 Uhr
Kneipen-Krach in der Fußgängerzone von Herdecke
Im Blue Jay in Herdecke wird schon mal gefeiert: Doch laut Ordnungsamt der Stadt Herdecke und Inhaberin Verena Zehnhaben sich die Anwohner-Beschwerden wegen Lärmbelästigung nach einigen Maßnahmen deutlich verringertFoto: Steffen Gerber

Herdecke.   Während sich in Herdecke die Lärmbeschwerden rund um das Blue Jay verringert haben, beklagen sich nun Anwohner über den Pub The Shakespeare.

Es gibt Herdecker, die sich über zu wenige Ausgeh-Angebote in ihrem Städtchen beschweren. Es gibt mit The Shakespeare und dem Blue Jay zwei gut gehende Gaststätten im Zentrum, in denen auch spät abends noch etwas los ist. Und es gibt Anwohner in der Fußgängerzone, die mehrfach nächtliche Ruhestörungen beklagt haben. Ein klassischer Konflikt. Lösungen oder Linderung könnten in Kompromissen liegen.

Ein Blick auf die Fakten: In den vergangenen sieben Monaten rückte die Polizei laut Pressestelle zu vier Einsätzen wegen Ruhestörung in die Herdecker Hauptstraße aus. Zweimal gab es demnach zu später Stunde Ermahnungen am Blue Jay, einmal am Bistro Sonne und nun kürzlich im Shakespeare, wie Betreiber Nathaniel Stott bestätigt und von einem Bußgeldbescheid berichtet. Nachbarn hatten die Beamten alarmiert, da Kneipen-Gäste beim Start ins Wochenende zu laut gewesen seien, was Dezibel-Messungen bestätigten. „Nach einem guten Gespräch und verständnisvollen Reaktionen hatte sich die Lage draußen vor dem Pub schnell beruhigt“, sagt Stott.

Der Engländer, so sein Spitzname in Herdecke, hatte die frühere Kneipe Tante Alma im vergangenen September eröffnet. „Von Beginn an gab es vereinzelt Beschwerden aus der Nachbarschaft. Andere hatten mehr Verständnis, aber das nimmt immer mehr ab.“ Das liege einerseits an Musikabenden, andererseits an Rauchern, die mit einem Glas Bier vor die Tür gehen und deren Gespräche durch einen gewissen Hall-Effekt in der Fußgängerzone weithin hörbar seien.

Die Stadt Herdecke bestätigt den anhaltenden Ärger mit der ­Shakespeare-Gaststätte. Mehrfach habe es dort Messungen gegeben, das Ordnungsamt erfuhr auch von Ruhestörungen an Wochentagen. „Das lag an zu lauten Bands, an Menschenansammlungen vor der Tür und am Lieferverkehr, wenn nachts bei laufendem Motor Musikequipment in einen Lkw eingeräumt wurde“, erklärt der städtische Sprecher Dennis Osberg.

Bei allem Verständnis für die Bereicherung des Veranstaltungsangebots: „Die Nachtruhe ab 22 Uhr ist aus unserer Sicht auch in diesem Wohn-Gewerbe-Mischgebiet ein hohes Gut, weswegen wir einschreiten mussten“, so Osberg, der auf einige Gespräche mit dem Wirt verweist, da etwa die Feier „Blau unterm Baum“ am 23. Dezember eine verunstaltete Fußgängerzone nach sich zog. Daher habe das Ordnungsamt dem Gaststättenbetrieb viele Vorschläge zur Lärmeindämmung unterbreitet: Fenster zu, Glas-Mitnahmeverbot bei Verlassen der Kneipe, Raucherzone im Hinterhof statt inmitten der Fußgängerzone. „Es geht um Kompromisse, mit denen Kneipen-Betreiber und Anwohner leben können“, meint der Stadt-Sprecher.

Stott signalisiert Bereitschaft, etwas zu ändern. Er will die Musik zeitig um 22 Uhr herunterdrehen und verstärkt mit seinem Pub-Team auf richtiges Verhalten der Gäste vor der Tür achten. Er hat Postkarten mit Bierglas-Motiven und der Aufschrift „Wir müssen drinnen bleiben“ ausgelegt, für Raucher soll es auf der Rückseite am Parkplatz bald eine Aufenthaltszone geben. Zudem will er sich mit Nachbarn und Ordnungsamt an einen runden Tisch setzen, um zwecks gütlicher Einigung die Lage zu besprechen; die Einladung dazu soll in Kürze erfolgen.

Maßnahmen zur Eindämmung

All das hat Verena Zehn, die seit 2007 das Blue Jay führt, schon hinter sich. In der Anfangszeit sprach sie mit verärgerten Nachbarn im Bürgermeister-Zimmer über Ruhestörung, die so gut wie nie vom Biergarten, sondern aus dem Inneren des Gastraums ausgehe. Mit Folgen: Zehn hat bei den monatlichen Cocktail-Nächten das Sicherheitspersonal aufgestockt, für ihren Betrieb ein Messgerät zur Lärmüberprüfung gekauft, eine Plexiglas-Wand am Eingang zur Lärmdämmung aufgebaut und abschließbare Fenster installiert, wodurch Veranstaltungen im Sommer der Vergangenheit angehören. „Das war natürlich mit Kosten verbunden, seitdem läuft es aber gut bzw. deutlich besser“, erzählt die Gastronomin, die Nachbarn in der Weihnachtszeit zum Glühwein einlädt und ihnen ihre Handynummer gegeben hat. „Ich kann die Anwohner ja auch verstehen. Man muss aufeinander zugehen, um auf einen grünen Zweig zu kommen.“ Die Stadt bestätigte, dass sich die Situation am Blue Jay nach vielen Gesprächen deutlich verbessert habe.

Steffen Gerber

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
17. Kleine Kunstreihe
Bildgalerie
Kleinkunst
Viadukt wird saniert
Bildgalerie
Radweg
Schwimmen in der Ruhr
Bildgalerie
Leben am Fluss
Spiel- und Sportfest
Bildgalerie
Sport
article
11517624
Kneipen-Krach in der Fußgängerzone von Herdecke
Kneipen-Krach in der Fußgängerzone von Herdecke
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-wetter-und-herdecke/kneipen-krach-in-der-fussgaengerzone-von-herdecke-id11517624.html
2016-02-02 06:00
Nachrichten aus Wetter und Herdecke