Klinikmitarbeiter und Patienten demonstrieren in Herdecke

Verdi hatte den Protest gegen den Personalnotstand an Krankenhäusern organisiert.
Verdi hatte den Protest gegen den Personalnotstand an Krankenhäusern organisiert.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Für eine bessere Personalausstattung der Krankenhäuser haben auch in Herdecke zahlreiche Mitarbeiter und Patienten des Gemeinschaftskrankenhauses demonstriert. Zehn Minuten, mehr Zeit blieb nicht.

Herdecke..  Sie war kurz, die Demonstration vor dem Gemeinschaftskrankenhaus. Ein paar Minuten nur, dann waren die meisten Demonstranten wieder verschwunden. Kein Wunder, denn wenn es um Personalnotstand an deutschen Kliniken geht, hat keiner Zeit für lange Aktionen.

„Wir wollen ein Zeichen setzten, dass diese Situation sich ändern muss“, rief die Betriebsratsvorsitzende des Gemeinschaftskrankenhauses, Pia Wolf, ihren Kollegen zu. Bundesweit würden 162 000 Stellen in den Kliniken fehlen. Zu wenig Pflegekräfte, zu wenig Ärzte, zu wenig Verwaltungsmitarbeiter. Die Folge: „Alle leiden unter der Mehrbelastung“, erklärt Wolf und verweist auf eine Untersuchung der Gewerkschaft Verdi, die Krankenhausmitarbeiter und ihre Arbeitssituation in den Blick genommen hat. Dabei sei eine deutliche Überforderung der Mitarbeiter zu Lasten der Patienten festgestellt worden.

„Aber auch die Kollegen leiden, scheiden oft früh aus dem Beruf wieder aus und damit verschärft sich die Personalnot der Krankenhäuser noch weiter“, sieht Pia Wolf einen Grund dafür, dass es auf dem Arbeitsmarkt kaum noch freie Kräfte gibt.

Nicole Schoppe sitzt im Rollstuhl in der ersten Reihe und hält einen Zettel mit der Nummer 72 146 hoch. Die Frau aus Itzehoe ist Patientin im GKH und erlebt täglich, unter welchem Druck die Mitarbeiter des Hauses ihren Job machen müssen. „Wenn da jemand ausfällt, geht gar nichts mehr“, sagt sie, gibt aber dennoch ein dickes Lob an die Schwestern und Ärzte weiter: „Auch wenn sie sehr unter Stress stehen, sie versuchen immer, sich die nötige Zeit für einen Patienten zu nehmen.“

Appell an Gesundheitsminister

162 000 Zettel mit Nummern wurden um 13 Uhr in Deutschland hochgehalten. Eine so breit getragene Aktion hat es bisher im Gesundheitswesen in Deutschland noch nicht gegeben, sagt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die ihren Protest zeitgleich zur Gesundheitsministerkonferenz in Bad Dürkheim organisiert hatte. Verdi fordert ein Gesetz zur Personalbemessung in Krankenhäusern und dessen Finanzierung sowie ausreichende Krankenhausinvestitionen durch die Bundesländer. „Die Zahl der Mitarbeiter darf dabei nicht pauschal bemessen werden, sondern muss dem Pflege- und Behandlungsaufwand gerecht werden“, sagt Wolf.Mit der Nummer 72 158 hatte sich Bürgermeister-Kandidat Jan Schaberick (SPD) eingereiht, die amtierende Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster musste sich mit einer anderen Demonstrantin eine Nummer teilen. „Wir haben viele mobilisieren können“, ist die Betriebsratsvorsitzende mit der Resonanz auf die Aktion zufrieden. Sie schätzt die Unterstützung der lokalen Politik, weiß aber wie der Ärztliche Direktor Dr. Alfred Längler, dass „über die Reformen in Berlin entschieden wird“. Längler hat auch demonstriert. „Wir brauchen mehr Ressourcen für Personal“, sagt er. GKH-Geschäftsführer Christian Klodwig versicherte aus der Ferne seine Solidarität. „Wir würden liebend gerne mehr Pflegende einstellen, die Frage ist nur: Wo sollen wir sie her bekommen, und wie sollen wir sie angemessen vergüten?“