Klingende Kunst am Koepchenwerk
16.08.2010 | 16:47 Uhr 2010-08-16T16:47:00+0200
Herdecke.„Bitte wenden, bitte wenden“, erklingt unvermittelt die sanfte, aber monotone Frauenstimme aus einem alten, mit Laub und Geäst verhangenem Schieberhäuschen nahe dem RWE-Koepchenwerk am Hengsteysee.
Wer sich über den Steg entlang des Kraftwerks bewegt, kommt, kurz bevor es in den Wald geht, zwangsläufig an einem kleinen Bewegungssensor vorbei. Dieser schaltet den in dem Schieberhäuschen installierten Computer ein – und der gibt dann mittels Lautsprecher seine Botschaft an die Passanten ab. Zum Beispiel an Radfahrer gerichtet, tönt es da unvermittelt: „Hey, Alter, Du hast ’nen Platten!“ oder „Du hast ja’n Rad ab!“. Und das in einer gut verständlichen Lautstärke. Als einzige Warnung vor dem akustischen Streich haben die Initiatoren ein großes gelbes Quadrat mit stilisiertem Lautsprecher auf den Boden gemalt.
Die Initiatoren, das sind sechs junge Künstlerinnen und Künstler der Universität Folkwang in Essen, die unter Leitung von Professor Rolf Lieberknecht das Kunstobjekt „AnMachWerk“ an den Hengsteysee gebracht haben. Im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 fördert das RWE in Zusammenarbeit mit der Agentur „Ko2B“ einen Wettbewerb für Studierende von Kunst- und Designstudiengängen des Folkwanginstitutes. „Als Hommage an die Schönheit der heimischen Region wurden 17 Kunstwerke entlang des Ruhrtalradwanderweges installiert. Überall dort, wo der Radweg über RWE-Gelände führt, gibt es Kunst zum Anfassen, zum Bestaunen oder auch, wie in Herdecke, zum Horchen“, erläutert Daniela Berglehn von der RWE-Kulturförderung.
„Alter, isch mach’
disch platt, Alter.“
„Die freundliche Stimme aus dem Häuschen mag ja noch ganz amüsant sein“, so Klaus Wittemeier von der RWE Bautechnik und Gebäudeunterhaltung. Wenn dann aber in feinstem Dönerdeutsch gedroht wird: „Alter, isch mach’ disch platt, Alter“, dann hat er doch so seine Bedenken.
Wesentlich stringenter sieht Franz-Josef Imming vom Herdecker Ordnungsamt die Sache: „So was geht gar nicht. Für Jugendliche ist das vielleicht lustig, aber hier gehen auch ältere Menschen spazieren. Und die darf man nicht einfach auf diese Weise erschrecken.“ Kurzerhand legte Imming die Anlage still und schrieb den aufstrebenden Künstlern erst einmal ein paar Punkte in ihr Aufgabenbuch: erstens muss die Lautstärke abgesenkt werden, zweitens sollen die Texte überprüft werden und drittens müssen die Studentinnen und Studenten entsprechende Warnschilder aufstellen, damit Spaziergänger und Radfahrer frühzeitig auf die akustische Überraschung hingewiesen werden. Ferner muss dafür gesorgt werden, dass die Anlage nur bei Tageslicht betrieben wird.
In Kürze werden die Auflagen erfüllt sein und dann wird die Kunst-Klanginstallation in freundlichem Ton Passanten dazu animieren, anzuhalten und das historische Koepchenwerk näher in Augenschein zu nehmen.
09:05
Wenn junge Leute eine solche Installation als Spass dort eingerichtet (Genehmigung des Eigentümers vorausgesetzt) und selbst bezahlt hätten, könnte man ja darüber lachen. Das ganze aber als Kunst zu verkaufen grenzt schon an Geschmacksverirrung.
Nun gut, den Künstlern wird diese Installation gestattet, gegen die jungen Leute wäre wohl eine Anzeige erstattet worden.
07:40
Es ist erschreckend mit welchem geistigen Dünnpfiff die Bevölkerung unter dem Deckmantel der Kultur gequält wird. Ich empfehle diesen Pseudokünstlern einen abendlichen Spaziergang durch die Dortmunder Nordstadt. Dort können sie ihre Sprüche am eigenen Leib in der Realität erleben und werden danach hoffentlich ein anderes Bild von Kultur haben. Falls sie es denn heil überstanden haben.
20:51
Unglaublich diese Gerontokratie in Herdecke.
Wenn dann sollte die Stadt auch konsequent sein und die laute, nerivge Melodie der Schrottsammler ebenfalls senken.
19:05
ich schreib einfach ma n Kommentar. Wär doch schade ohne.