Kleine Alleswisser bleiben meist im Schulranzen

Kristine Schmidt unterrichtet an der Friedrich-Harkort-Schule Erdkunde. Apps fürs Smartphone helfen dabei.
Kristine Schmidt unterrichtet an der Friedrich-Harkort-Schule Erdkunde. Apps fürs Smartphone helfen dabei.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Smartphones sind an der Friedrich-Harkort-Schule in den Pausen erlaubt, im Unterricht dürfen sie aber nur selten angehen.

Herdecke..  Was müssen sich die Schüler immer noch mit kiloschweren Tornistern plagen, wo doch fast jeder ein Smartphone bei sich hat? Bücher lassen sich da rein packen, für Recherchen sind sie der kürzeste Weg ins Internet, und auch Notizen lassen sich mit Leichtigkeit in die Tastenfelder hauen. Also, was spricht gegen die leichte Lösung? Gewichtige pädagogische Gründe, wie an der Friedrich-Harkort-Schule zu erfahren ist.

Dabei steht Kristine Schmidt den digitalen Alleskönnern nicht einmal skeptisch gegenüber. Gerade erst hat sie eine neue App auf ihrem Smartphone geladen und ist noch ganz begeistert: Zu den gedruckten Erdkundebüchern kann sie nun mit dem kleinen Programm das Glossar im Smartphone aufrufen und Hintergrundwissen dazu. Ja, hier könnte sie sich durchaus vorstellen, dass die Schüler ihr Smartphone im Unterricht aus der Tasche kramen und selbst schnell mal nachschauen, was „Freihandel“ bedeutet und welche Karten das veranschaulichen. Aber dann würden die Computer für die Handfläche wohl wieder unter der Bank verschwinden müssen.

Hauptgrund ist ein Kontrollproblem. Denn so flott der Taschenrechner im Smartphone auch ein Ergebnis ausspucken würde, wenn im Unterricht gerade der Umgang mit Taschenrechnern gelernt wird – wer garantiert, dass bei Arbeiten nicht gleich die kompletten Lösungen im Internet nachgeschlagen würden? Oder die Schüler das tun, was sie den ganzen Tag am liebsten tun würden: Hier eine Nachricht beantworten, da ein Herzchen „posten“, dort über einen Mitschüler tratschen?

Ein Koffer voller Tablets wäre schön

Beim Taschenrechner ist die Friedrich-Harkort-Schule konsequent einen anderen Weg gegangen. Weil klar ist, dass spätestens bei Klausuren oder der Abi-Prüfung ein Smartphone nicht gezückt werden darf, setzt die Schule ganz auf die neuen, grafikfähigen Taschenrechner. In der Oberstufe müssen sie neuerdings angeschafft werden. Die FHS hat das in die siebte Klasse vor verlegt. So reicht der Taschenrechner für ein ganzes Schülerleben, und das Handy bleibt in der Tonne oder Tasche.

Wie viel Smartphone darf es sein? Wo machen Tablet-PCs Sinn? Braucht noch jemand Computer-Räume mit teuren, unbeweglichen Rechner, die allein zum Hochfahren viel Unterrichtszeit fressen? Die neuen Medien und Möglichkeiten werfen viele Fragen auf. Die Antworten müssen zu der jeweiligen Schule passen.

Als Lehrerin in Brandenburg hat Kristine Schmidt quasi die Zukunft gesehen. Ihre alte Schule war bestens ausgestattet. Jede Klasse hatte einen Beamer unter der Decke, drei Räume waren mit Computern im Klassensatz ausgestattet. Da ist die Friedrich-Harkort-Schule längst noch nicht. Aber sie ist auf dem Weg, und das mit flottem Tempo. Das ganze Untergeschoss ist bereits mit interaktiven Whiteboards, also modernen „Tafeln“, ausgestattet. Auch Sponsoren haben geholfen, dass die Schule für 50 000 Euro bestellen konnte.

Ihr Traum wären Koffer mit einem Klassensatz Tablets auf jeder Etage. Wer die Geräte für seinen Unterricht braucht, nimmt sie mit in die Klasse und bringt sie dann wieder zurück. Richtig Sinn machen würde das, wenn es auch noch eine „Lernplattform“ für die Schule gäbe. Auf Lernplattformen können sich Lehrer mit Lehrern und der Schule und wiederum die Schüler untereinander und mit den Lehrern und der Schule vernetzen. Dann gäbe es viele Probleme mit Sicherheitslücken im Netz nicht mehr und Lehrer könnten auch ganz offiziell über einen kleinen Nachrichtendienst Meldungen schicken, wenn sich beispielsweise was am Stundenplan kurzfristig ändert.

Lernplattformen bieten noch ganz andere Möglichkeiten, haben Vertreter der Schule beim Besuch der letzten Didacta sehen können. Seitdem wird noch intensiver diskutiert, wohin sich die Schule und der Unterricht entwickeln sollen.

Gerade wird an einem Konzept für Medienkompetenz gefeilt. Die Kinder sollen lernen, welche Möglichkeiten ihre diversen Gerätschaften bieten und wo Gefahren lauern. Sie sollen aber auch lernen, wie eine Präsentation angelegt und so gestaltet wird, dass ihnen die Mitschüler auch gerne bei einem Referat folgen.

Wie wichtig Medienerziehung ist, zeigt eine erste Lockerung, die in diesem Schuljahr ausprobiert wird. In den Pausen dürfen neuerdings die Smartphones ungeniert gezückt, angeblickt und bearbeitet werden. Die ersten Erfahrungen mit neuen Handyordnung sind gut. Aber gerade in den Eingangsklassen wird von den Jungen und Mädchen wild gedaddelt. „Problem erkannt“, sagt Kristine Schmidt. Jetzt wird wohl nachjustiert. Vielleicht hilft ein „Handyführerschein“ zu einem sinnvolleren Smartphone-Einsatz. Damit die Alleskönner nicht doch wieder auch in den Pausen zwischen all den schweren Büchern und Heftern und Mäppchen verschwinden müssen, die sie nicht ersetzen dürfen.