Kinder sollen weiter gemeinsam frühstücken

Gemeinsames Frühstücken ist in vielen Kindertageseinrichtungen ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit. In Wetter und Herdecke wollen die Kitas daran festhalten.
Gemeinsames Frühstücken ist in vielen Kindertageseinrichtungen ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit. In Wetter und Herdecke wollen die Kitas daran festhalten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
EU-Recht treibt manches Mal seltene Blüten in der Praxis. Die Kennzeichnungsverordnung, die vor allem Allergiker vor bösen Überraschungen schützen soll, macht das Kita-Frühstück zum bürokratischen Aufwand.

Herdecke/Wetter..  Kevin darf keine Nüsse essen, Sarah verträgt Kuhmilch nicht und Imre isst kein Schweinefleisch. Wenn sich die Kinder in ihrer Kindergartengruppe zum gemeinsamen Frühstück treffen, haben Erzieherinnen all diese Besonderheiten im Blick. Und das nicht erst, seit es eine europaweite Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel gibt. Seit dem 13. Dezember 2014 müssen Verbraucher umfassend über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln und damit mögliche Allergene informiert werden. Ab kommenden Jahr müssen auch die Nährwerte der Lebensmittel dokumentiert werden.

Liegt im Kindergarten nun auch eine Liste der Zusatzstoffe aus, wenn Wurst, Käse und Körnerbrot auf den Frühstückstisch der Zwei- bis Sechsjährigen gelegt werden?

„Nein“, sagt Ewa Kohut, Geschäftsführerin des Gemeinnützigen Vereins für Sozialeinrichtungen (GVS) in Herdecke, der Träger von sechs Kindertageseinrichtungen ist. Vielleicht müsste man auch sagen, dass noch keine Liste ausliegt, denn das Thema Kennzeichnungsverordnung ist gerade erst in den Kitas angekommen. In Dortmund hat der stadteigene Kindergartenbetreiber Fabido schon jetzt reagiert und die täglichen Frühstücksbüfetts, bei denen der Förderverein die Lebensmittel stiftet, ab dem kommenden Kindergartenjahr, der im August beginnt, untersagt. Der Aufwand, der seitens der Einrichtungen betrieben werden müsste, um der Kennzeichnungspflicht nachzukommen, sei zu groß.

Butterbrotdose

In Herdecke und Wetter bringen die Kinder ihr zweites Frühstück in der Regeln in der eigenen Butterbrotdose mit. Gemeinsames Frühstück mit Büfett ist je nach Einrichtung einmal in der Woche oder sogar nur einmal monatlich angesagt. Dazu kaufen meist die Erzieherinnen die Lebensmittel ein und bereiten gemeinsam mit den Kindern das Frühstücksbüfett zu. Schon das ist Teil der pädagogischen Arbeit. Lebensmittel auf einem Tisch ansprechend zu präsentieren, Tomaten und Gurken sowie frisches Obst zu waschen und schneiden – die Kinder lernen viel, wenn sie bei diesen Arbeiten mit Hand anlegen dürfen. „Die Büfetts sind für unsere pädagogische Arbeit sehr wertvoll“, sagt Ulrike Lettermann, Geschäftsführerin des Trägervereins Soziale Einrichtungen (TSE), der in Wetter die meisten Tageseinrichtungen für Kinder anbietet. Ihre Herdecker Kollegin Ewa Kohut pflichtet dem bei. „Wir wollen dieses Angebot auf jeden Fall aufrecht erhalten.“

Info-Veranstaltung

Ewa Kohut hat die Leiterinnen der Einrichtungen nach den Ferien zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Dann geht es vordringlich um die Kennzeichnungspflicht. Leitfaden für die Arbeit wird dabei eine Liste der Verbraucherzentrale NRW sein, die die wichtigsten Fragen beantwortet. Zudem hat der Kreis als zuständige Aufsichtsbehörde angekündigt, einen Workshop für die Kita-Leitungen anzubieten, in dem die Pflichten der Einrichtungen nochmals ausführlich erläutert werden und Fragen zur Praxis beantwortet werden können.

Speisepläne mit Zutaten

Für die Großküchen, die die Kitas mit Mittagessen versorgen, ist die Kennzeichnungspflicht schon lange geübte Praxis. „Für unsere Speisepläne weisen wir Zutaten und Allergene entsprechend den Vorschriften aus“, sagt Andrea Weber, bei EN-Culina, einem AWO-Tochterunternehmen, für Einkauf und Verpackung zuständig. Damit genüge man der Kennzeichnungspflicht schon seit längerem. Zurzeit sei man dabei, auch die Nährwerte für die einzelnen Gerichte auszuarbeiten. Die müssen ab dem kommenden Jahr ausgewiesen werden. „Das ist natürlich Aufwand, aber er ist einmalig“, sagt Andrea Weber.

Für die Kitas, die regelmäßig eigenes Essen zum Beispiel als Frühstücksbüffet anbieten, lässt sich der Aufwand auch begrenzen, so die Verbraucherberatung. Eine Kladde reiche, Listen könnten auch handschriftliche angelegt werden. Noch einfacher sei es aber, die Kennzeichnungen der verpackten Lebensmittel zu nutzen. Die könne man reinigen und aufkleben. Allerdings müsse deutlich sichtbar sein, zu welchem Lebensmittel diese Liste gehöre. Ans Schwarze Brett gehört dann ein Hinweis, wo eine solche Zutatenliste zu finden ist.

Geburtstagskuchen ohne Liste

Und was ist mit dem Geburtstagskuchen, den Eltern mit in die Einrichtung bringen? Der darf auch gegessen werden, ganz ohne Zutatenliste. Und dann sind es die Erzieherinnen, die darauf achten, dass Kinder mit Allergien beim Nusskuchen nicht zugreifen. „Das funktioniert seit Jahren“, sagt Ulrike Lettermann. Und selbst die Kinder mit Unverträglichkeiten wüssten ab einem bestimmten Alter, wann sie besser nach dem Keks fragen, der für eine Geburtstagsfeier in der Regel für sie reserviert ist.