Kinder aus der Fremde büffeln fleißig Deutsch

Sparkasse, Kinderschutzbund und Bürgerstiftung helfen, um den Sprachunterricht für (Flüchtlings-)Kinder an der Realschule Herdecke
Sparkasse, Kinderschutzbund und Bürgerstiftung helfen, um den Sprachunterricht für (Flüchtlings-)Kinder an der Realschule Herdecke
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Naham, Denis und Viktoria kamen aus Syrien, Frankreich oder Polen nach Herdecke - und müssen jetzt Deutsch lernen, um am Schulunterricht teilnehmen zu können.

Herdecke..  „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, acht, neun. . .“ Olga Novikova lächelt ihren Schüler an und korrigiert: „Sieben. Nach sechs kommt sieben.“ Mohammed nickt und zählt weiter.

Der 16-Jährige und seine Schwester Ghalia (14) sind mit ihren Eltern vor dem Krieg in Syrien nach Herdecke geflohen. Eine Schule haben sie in den letzten zwei Jahren nicht von innen gesehen. Jetzt müssen sie lernen: Schreiben, Lesen und Deutsch, damit sie in der Realschule am Bleichstein den Unterricht verfolgen können. Schulleiter Hubertus Schmalor ist froh, dass Kinderschutzbund, Bürgerstiftung und Sparkasse immer wieder bei der Finanzierung helfen.

Grammatik ist schwer

Nicht nur Flüchtlingskinder aus Kriegsgebieten, auch Kinder von Ausländern aus EU-Staaten, die in Deutschland arbeiten oder Arbeit suchen, brauchen dringend und zu allererst einmal Sprachunterricht. „Ziel ist es, dass die Kinder dann irgendwann am normalen Unterricht teilnehmen können, ihn verstehen und dann auch benotet werden können“, sagt Hubertus Schmalor. Eine Lehrerstelle gibt es dafür nicht. „Nur in größeren Städten gibt es Auffangklassen ab 15 Schülern“, so der Pädagoge. Trotzdem bekommen Mohammed und Ghalia zwei Mal in der Woche Sprachunterricht. Genau so wie Naham (14) aus Syrien, Viktoria (12) aus Polen, Denis (15 ) aus Frankreich und Moussa (11) aus Spanien. Die vier sind bereits seit einigen Monaten in Herdecke und pauken mit Lehramtsstudentin Julia Grote sogar schon Grammatik. „Das ist für alle neu und schwer, aber wir haben inzwischen einen guten Level gefunden. Bei der Pluralbildung merkt man auch selber, wie kompliziert die deutsche Grammatik ist“, sagt die angehende Lehrerin, die sich über die Fortschritte ihrer Schüler freut. „Naham ist seit September in unserer Gruppe und hat schon viel gelernt. Sogar so viel, dass ich sie schon als Übersetzerin einsetzen konnte, um mich mit Mohammed und Ghalia zu verständigen, die noch so gut wie gar nichts verstehen“, sagt Julia Grote. „Aber immerhin können auch sie inzwischen auf Deutsch sagen, wie sie heißen, wie alt sie sind, wo sie wohnen und wo sie herkommen. Sie sind fleißig und lernen auch sehr gerne“, ergänzt Olga Novikova.

Außerschulische Honorarkräfte

Ab der nächsten Woche, so erklärt Schulleiter Schmalor, werden Mohammed und Ghalia auch noch gemeinsam mit der Sprachfördergruppe aus der Grundschule im Dorf lernen. Denn Ghalia kann weder schreiben noch lesen - auch nicht in ihrer Muttersprache. Die Zwölfjährige muss also zunächst einmal Buchstaben lernen, bevor es ans Schreiben und Lesen geht.

Die außerschulischen Honorarkräfte wie Julia Grote und Olga Novikova werden wie bereits erwähnt von Kinderschutzbund, Bürgerstiftung und Sparkasse finanziert. „Der Staat macht hier wenig. Lediglich Frau Grote wird teilweise übers Teilhabe-Paket finanziert. Das läuft aber aus, so dass die Sparkasse einspringt. Und die Stadt hat Barbara Degenhard-Schumacher beauftragt, bei Behördengängen zu helfen“, so Hubertus Schmalor. Bis Ostern jedenfalls seien die Sprachkurse für die sechs Kinder gesichert. „Danach brauchen wir wieder Unterstützung“, sagt der Schulleiter, „vor allem vor dem Hintergrund, dass wahrscheinlich weitere Kinder kommen werden.“