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"Keine Fundamentalopposition"

05.03.2010 | 17:06 Uhr

Als Kandidatin für das Bürgermeisteramt war sie vor zwei Jahren in der Herdecker SPD nicht mehrheitsfähig, jetzt gilt sie als Hoffnungsträgerin nach einer verlorenen Wahl: Nadja Büteführ (43) ist seit über 120 Tagen als Fraktionsvorsitzende der Herdecker Genossen im Amt. Zeit genug, um eine erste Bi

Nein, alte Wunden will sie nicht aufreißen, nicht nachkarten, aber die Enttäuschung - nachdem Nadja Büteführ wegen mangelhafter Unterstützzung aus den eigenen Reihen ihre Kandidatur zurückzog - wirkt nach: „Vor allem die Art und Weise enttäuschte mich, dass da kein Gespräch unter vier Augen möglich war.”

Trotzdem oder gerade: vorbei und (fast) vergessen. Denn die herbe Wahlniederlage der SPD bei den Kommunalwahlen machte klar: Die SPD muss sich verändern, eine über Jahrzehnte vertraute und eingefahrene Rolle verlassen. In dieser Situation wurde Nadja Büteführ wieder angesprochen, verharrte nicht in einer beleidigten „Ohne-mich”-Pose, war nahe an Partei und Fraktion, stellte aber gleichwohl Bedingungen: „Ich übernehme den Fraktionsvorsitz, wenn wir gemeinsam anpacken und neue Wege einschlagen.” Die Wahl der Fraktion fiel dann einstimmig aus, wohl auch, weil man der 43-Jährigen fachlich und inhaltlich (endlich) einiges zutraute. Jedenfalls, so Nadja Büteführ, „war der Zuspruch schon deutlich nachhaltiger als vorher.”

Vielleicht auch, weil sie innerparteilich einen Aufbruch anstoßen und Mut machen konnte, zu kämpfen: „Es ist noch nicht alles verloren.” Wie auch: Dazu sind die Herdecker Sozialdemokraten viel zu tief in dieser Gemeinde verwurzelt, was andererseits nicht ungefährlich ist: Ein alter Baum ist unbeweglich, lässt sich nur schwer verpflanzen. Die Diagnose von Nadja Büteführ: „Wir müssen aktiver nach vorne gehen, stärker den Kontakt mit den Vereinen suchen, vor allen Dingen aber: transparenter werden.” Will sagen: Den Dialog suchen, die Arbeit in der Fraktion auf mehrere Schultern verteilen, zu einer effizienten Kompetenz-Verteilung kommen und zwei Pole der Partei - Jung und Alt - zusammenbringen.

Nadja Büteführ ist nicht jemand, der mit lautem Hurra Gefahr läuft, in offene Messer zu rennen. Ihre Worte klingen abgewogen, zuweilen vorsichtig, ein permanentes Lächeln gehört gewiss nicht zu ihren Markenzeichen. Dies insgesamt wird sich in ihrer politischen Arbeit niederschlagen: „Unser Blick ist nicht zuerst auf die Jamaika-Koalition gerichtet, unser Fokus liegt auf sachorientierter Politik.” Deswegen, versichert Nadja Büteführ, „ist mit mir auch keine Fundamentalopposition zu machen”.

„Nicht reflexartig alle

Leistungen streichen”

Die promovierte Kommunikationswissenschaftlerin („Lokale Alternativpresse zwischen Anspruch und Kommerz”) bereitet sich derzeit mit der Fraktion auf die Haushaltsdebatte vor. Mit konkreten Vorstellungen will sie noch nicht an die Öffentlichkeit, klar ist aber: „Wir müssen nach Einsparmöglichkeiten suchen, das Wasser steht uns bis zum Hals.” Auf der Grundlage solider Daten „müssen alle Bereiche ran”, aber: „Ich wehre mich dagegen, reflexartig alle freiwilligen Leistungen der Stadt zu streichen.” Denkbar ist jedoch viel: eine neue Trägerschaft für das Freibad, Streichung von Musikschul-Kursen, die nur mäßig besucht sind, Auslaufen von Zeitverträgen. Fragezeichen setzt die SPD-Fraktionsvorsitzende hinter Wünschen, zum Beispiel ein Kunstrasenplatz auf dem Ender Kalkheck: „Man kann prüfen, welche Eigenleistungen die Vereine bringen, welche Sponsoren helfen können - aber eine Finanzierung über den städtischen Haushalt sehe ich mittelfristig nicht.” In jedem Fall müsse „Herdecke lebenswert bleiben”, dazu gehöre soziale Gerechtigkeit, ein qualitativ verbesserter Kinder- und Jugendbereich und eine Schulpolitik mit Bildungschancen für alle.

Westfalia „kleinteiliger

erschließen”

Vorwärts, und das möglichst zügig, soll es nach Vorstellungen von Nadja Büteführ bei dem neuen Stadtquartier an der Ruhr gehen: „Kleinteiliger, Einzelbereiche erschließen, damit andere Investoren nachziehen.”

Ein Fazit nach vier Monaten im Amt spiegelt viele Facetten: die Zusammenarbeit mit ihrer Stellvertreterin Karin Striepen und der jungen Geschäftsführerin Kim Quermann „klappt gut”, mit der Entwicklung in der Partei und dem innerparteilichen Frieden ist die Fraktionsvorsitzende „zufrieden”, wenngleich es eben doch einige Zeit erfordere, sich auf die veränderte Situation einzustellen: „Wir suchen uns noch.”

Für Träume bleibt da wenig Platz: „Vielleicht einmal Ski laufen im Tiefschnee der Rocky Mountains.” Dann würde die SPD, zumindest ihre Fraktionsvorsitzende, wieder auf Wolke sieben schweben.

Roland Müller

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Kommentare
07.03.2010
13:45
Keine Fundamentalopposition
von Rotes Gesochse | #6

@ Krawatte: Etwas gefrustet von der Wahlniderlage.- Aber sehr...! Ich denke schon, dass Sicherheit und Ordnung politisch zu kurz gekommen ist. Daher ist es super, dass nun so ein Ausschuss existiert. Wer gut aufgepasst hat, konnte sehen, das nicht nur unwichtige Themen wie Hundekot besprochen wurden sondern auch wichtiges wie Ordnungsbehördliche Verordnung oder Brandschutzbedarfsplan.

07.03.2010
11:13
Keine Fundamentalopposition
von So_ne_Krawatte | #5

Ja was denn!? Jamaika wollte all die überflüssige Ausschüsse. Wenn man nicht argumentiert, dass diese nur gegründet wurden, damit jede schwarz-grün-gelbe Nase mal in einen Ausschussvorsitz bekommt (ein solches Vorgehen wäre allerdings unverantwortbar angesichts der Haushaltslage und ist daher abwegig), wird es ja wohl daran liegen, dass Jamaika der Meinung ist, dass essenziell wichtige Themenbereiche, wie Grundrechte, Sicherheit und Ordnung bislang zu kurz gekommen sind. Da ist es doch nett von der Opposition einige Blockwarte in den Ausschuss zu schicken, die sich auch um die bislang vernachlässigten Themen, wie Hundekot kümmern. Mit irgendwas muss die Dauer der Ausschüsse ja in die Länge gezogen werden. Wäre doch peinlich, wenn alle nach einer viertel Stunde wieder gehen müssten. Ups, hoffentlich verstehen hier alle Ironie.
Statt Zeit in derartigen Ausschüssen zu verschwenden, wäre eine Fokussierung der Arbeit auf die WIRKLICH dringenden Themen absolut wünschenswert. War da nicht irgendwo ein großes Loch im Haushalt?!?

07.03.2010
03:44
Keine Fundamentalopposition
von ender_fussballer | #4

herr müller! sie sollten lesen lernen, denn sie spd fordert mitnichten einen weiteren kunstrasenplatz, sondern nur gespräche über etwaige finanzierungsmöglichkeiten!!!

06.03.2010
21:23
Keine Fundamentalopposition
von Rotes Gesochse | #3

SPD

... und kümmern sich um Hundekot Probelamtiken ahahahaha Super Frau Quermann. Politisches Neublut hahahahaha

06.03.2010
21:15
Keine Fundamentalopposition
von Frank Müller | #2

Sehr amüsant...man möge sich mal die Anträge der SPD anschauen...jetzt fordern sie, trotz der Haushaltssituation, noch einen weiteren Kunstrasenplatz. Diesen Politikstil nenne ich mal unverantwortlich!

06.03.2010
18:57
Keine Fundamentalopposition
von aebtissin | #1

Ein Kompliment für die Fraktionsvorsitzende, die kein Problem mit der Formulierung Wir suchen uns noch hat. Klar ist die SPD als alter Baum nicht leicht zu verpflanzen. Aber sind die Zweige der Jamaika-Bäume alle so viel jünger und biegsamer? Sie mögen zwar unter dem charmanten Dauer-Lächeln ihrer gemeinsamen Bürgermeisterin sprießen, Frau Büteführ aber ist zu wünschen, dass sie mit ihrer authentischen Nachdenklichkeit und ihrer differenzierten sachorientierten Vorstellung von Oppositionsarbeit dauerhaft erfolgreich sein wird. Sympathiewerte werden nicht nur im Land des Lächelns erarbeitet, sondern sind auch hartes Tagesgeschäft

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