Kein Statt-Auto mehr am Herdecker Bahnhof

2013 präsentierte Statt-Auto seinen Standort am Bahnhof. Nun gibt es dort keinen Wagen mehr. Es soll aber Ersatz in der City gefunden werden.
2013 präsentierte Statt-Auto seinen Standort am Bahnhof. Nun gibt es dort keinen Wagen mehr. Es soll aber Ersatz in der City gefunden werden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine Familie hatte ihr Auto bislang mit dem Car-Sharing Verein Herdecke geteilt und am Bahnhof stationiert. Der Vertrag ist ausgelaufen. Nun sucht der Verein Alternativen.

Herdecke..  Einsteigen, Schlüssel umdrehen, losfahren – wer ein Auto hat, muss sich keine Gedanken machen, wie er von A nach B kommt. Doch wer – vielleicht auch ganz bewusst – auf einen Wagen verzichtet, muss planen und umsteigen. Auf Bus und Bahn, das Fahrrad oder ein Taxi. Für Frank Boberg gab es bis vor kurzem noch eine weitere Alternative: das Statt-Auto.

Der Herdecker Car-Sharing-Verein hatte einen Wagen an der Bahnhofstraße stationiert und Boberg nutzte als Mitglied des Vereins das Angebot regelmäßig. Nun geht das nicht mehr. Der Verein bietet nur noch am Herdecker Krankenhaus Fahrzeuge an. Dort allerdings gleich vier Stück.

„Am Bahnhof hatte eine Familie ihr Auto für das Car Sharing zur Verfügung gestellt“, erklärt Michael Ronnefeldt, Vorsitzender des Statt-Auto-Vereins. Der Vertrag sei nun ausgelaufen. Und einen eigenen Wagen könne der Verein an diesem Standort nicht finanzieren. „Die Variante, einen Privatwagen zu teilen, war für uns eine gute Alternative, das Car-Sharing-Modell in der Herdecker Innenstadt auszuprobieren“, sagt Ronnefeldt.

Allerdings hätten sich die Nutzerzahlen nicht so entwickelt, wie es sich der Verein und auch die Besitzer des Autos vorgestellt hatten. „Vielleicht haben wir auch zu wenig Werbung für diese alternative Form der Mobilität gemacht“, gibt der Vereinsvorsitzende selbstkritisch zu.

Verwaltung fährt elektrisch

Vor einem Jahr hatte man die Hoffnung für den Wagen, der seit Anfang 2013 an der Bahnhofstraße stationiert war, eine prominente Nutzerin zu gewinnen. „Die Vertreter der Lokalen Agenda in der Stadtverwaltung hatten überlegt, Mitglied im Verein zu werden und wir hätten so die Bürgermeisterin als Nutzerin gewinnen können“, sagt Ronnefeldt. Eine schöne Idee, die sicher auch die nötige Werbung gebracht hätte.

Doch die Herdecker Verwaltung entschied sich letztlich für den Einstieg in die E-Mobilität und ließ sich von DEW21 zwei Fahrzeuge sponsern. Diese Wagen werden von der Stadtkasse, der Bürgermeisterin und anderen Verwaltungsmitgliedern genutzt. „Einzig für längere Fahrten können wir diese Wagen, die in der Reichweite beschränkt sind, nicht nutzen“, sagt Stadtsprecher Dennis Osberg. Ein knappes Dutzend Touren käme da im Jahr zusammen.

Hier setzt nun Michael Ronnefeldt mit seinem Statt-Auto wieder an. Er hat der Verwaltung vorgeschlagen, dass die beiden E-Mobile doch am Abend und an den Wochenenden als Statt-Auto für Vereinsmitglieder zur Verfügung stehen könnten. „Dazu müsste die Versicherung vom Verein übernommen werden, weil die kommunale Versicherung so etwas nicht gestattet“, sagt Ronnefeldt. Doch könne man sich da sicher einigen, was die Kosten angeht. „Wenn unsere Versicherung teurer ist, würden wir die Differenz übernehmen können.“ Und wenn das Thema Car-Sharing in der City erst einmal in Schwung gekommen ist, kann sich der Vereinsvorsitzende auch vorstellen, einen weiteren Wagen am Rathaus zu stationieren. „Und mit dem könnte die Bürgermeisterin dann auch ihre längeren Fahrten unternehmen.“

Mit dem Bus zum Auto

Für Frank Boberg wäre eine solche Lösung gut, denn dann könnte er als Vereinsmitglied auch wieder einen Wagen in der Nähe seines Wohnortes nutzen. Zurzeit muss sich der Herdecker, der in der City wohnt, nach Ende aufmachen, um ein Auto auszuleihen. Mit dem Fahrrad oder mit dem Bus. Boberg wartet ab, andere haben die Konsequenzen gezogen und den Verein verlassen. „Aber mit einem guten Angebot in der City könnten wir sie vielleicht wieder gewinnen“, hofft Michael Ronnefeldt.