Kavalier
12.02.2012 | 17:04 Uhr 2012-02-12T17:04:00+0100Herdecke.Als tadelloser Kavalier hatte ein 50-jähriger Mann aus Herdecke seiner neuen Flamme einen Ausflug auf seinem Mofa geboten – mit reichlich Alkohol im Blut und ohne Führerschein. Jetzt stand der einschlägig Vorbestrafte vorm Amtsgericht in Wetter.
Eine feucht-fröhliche Grillparty, Bier und Sekt im Überfluss, eine neue Bekanntschaft – am 11. September hatte es das Leben mit dem Frührentner endlich einmal gut gemeint. Kurz nach Mitternacht waren er und die Dame aufgebrochen, um in seiner Wohnung weiter zu feiern. Dann war das Pärchen allerdings in der Hagener Straße in eine Polizeikontrolle geraten. Pech für den Herdecker: knapp zwei Promille Alkohol im Blut und der Umstand, dass er seine Sozia nur mit Führerschein hätte transportieren dürfen, hatten alle „romantischen“ Pläne mit einem Schlag zunichte gemacht. Und, nun hatte er ein handfestes Problem: er schleppte zwei laufende Bewährungen mit sich herum.
Jetzt saß der Mann mit der bewegten Vergangenheit zum 19. Mal auf der Anklagebank. Seinen Verteidiger kannte er bereits bestens – wenn auch aus anderer Perspektive. Denn, er wurde von einem pensionierten Richter des Amtsgerichts Witten vertreten, der ihn früher selbst wegen ähnlicher Delikte verurteilt hatte und der im Ruhestand „die Seiten gewechselt“ hat. So gestärkt, präsentierte sich der Herdecker durchaus einsichtig: „Ich bin wirklich geläutert. Das wird mit Sicherheit nicht mehr passieren. Ich sterbe Tag und Nacht tausend Tode wegen der offenen Bewährungen. Ich habe mich gebessert.“ Mittlerweile habe er sich etwas aufgebaut. Überhaupt könne er jetzt gar nicht mehr fahren, denn das Mofa habe einen Totalschaden.
„Kommen Sie endlich zur Vernunft“
Staatsanwaltschaft und Gericht gaben ihm eine allerletzte Chance: 750 Euro Geldstrafe, drei Monate Fahrverbot und zwei Jahre Sperrfrist zur Neuerteilung der Fahrerlaubnis. In der Urteilsbegründung wurde Richter Heinz-Dieter Beckmann ungewöhnlich deutlich: „Das muss ich ihnen ins Stammbuch schreiben: Noch mal so ein Scheiß und sie sind fällig. Kommen sie endlich zur Vernunft.“ Der Herdecker parierte prompt: „Ich weiß – oder auswandern.“ Und auch sein Verteidiger war sich der Milde des Urteils durchaus bewusst. Beim Verlassen des Gerichtssaals brachte er es auf den Punkt: „Mein Gott, haben sie eine Sahne.“
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