Kaum Hochzeiten bei Katholiken in Wetter und Herdecke

Doppelhochzeit zweier Schwestern:  (von links) Sarah Maria mit Franz-Josef Otto sowie Patrick und Katharina Skasa ließen sich nach ihrer standesamtlichen Trauung 2014 im Park der Villa Gustav Vorsteher fotografieren. Kirchlich feiern die beiden Paare aber getrennt.
Doppelhochzeit zweier Schwestern: (von links) Sarah Maria mit Franz-Josef Otto sowie Patrick und Katharina Skasa ließen sich nach ihrer standesamtlichen Trauung 2014 im Park der Villa Gustav Vorsteher fotografieren. Kirchlich feiern die beiden Paare aber getrennt.
Foto: Licht & Moment/Jakob Krakowka
Was wir bereits wissen
Während die Zahl der Eheschließungen im Standesamt Wetter 2014 sogar anstieg und in Herdecke konstant blieb, ließen sich nur wenige katholisch trauen.

Wetter/Herdecke..  Für manche ist es der wichtigste und schönste Tag im Leben. Doch immer mehr Eheleute brauchen dafür die Kirche nicht. Stichprobenartig ergab eine Umfrage zur Hochzeits-Statistik in Wetter und Herdecke, dass im Vergleich zu den Daten aus den beiden Standesämtern die Zahlen speziell in zwei katholischen Gemeinden signifikant niedrig ausfallen.

In St. Peter und Paul in Wetter sowie St. Philippus und Jakobus in Herdecke gab es nach einer bzw. vier Eheschließungen in 2013 auch im letzten Jahr nur drei bzw. zwei Trauungen. „Das Durchschnittsalter in den beiden Gemeinden ist jeweils recht hoch. Zu St. Urban in Ende gehören dagegen viele jüngere Gemeindemitglieder“, erklärt Pfarrer Dr. Tadeusz Solski mit Blick auf 13 Hochzeiten dort in 2014 (Vorjahr: 17). Für die kommenden Monate habe es im Pastoralverbund an den Ruhrseen 15 terminliche Anfragen gegeben. „Für diejenigen, die sich kirchlich trauen lassen, ist das schon eine ernste Sache. Sie tun das aus voller Überzeugung, ihnen ist etwa die Gemeinschaft wichtig.“

Pfarrer Ulrich Mörchen aus der evangelischen Gemeinde in Wengern (dort gab es nach neun Trauungen in 2013 eine weniger) hat diesbezüglich ein „normales Jahr“ hinter sich, kann den abnehmenden Trend bei kirchlichen Eheschließungen aber bestätigen. „Über die Gründe kann ich nur spekulieren: Es liegt vielleicht an den Kosten oder dem abnehmenden Bezug zur Kirche. Wer aber kirchlich heiratet, zelebriert das meist umso mehr.“

Pfarrer Solski kann aber auch Amüsantes berichten. Im letzten Jahr etwa wartete eine Hochzeitsgesellschaft eine halbe Stunde auf die Braut. „Ihr Mann wurde zunehmend nervös, bis sie dann doch noch kam.“

45 Minuten warteten die Standesbeamten in Wetter bei einem Termin 2014 auf eine Braut, deren langer Friseurtermin alle auf die Folter spannte. Während dies dann aber noch gut ausging, gab es im Januar vor einem Jahr kein Happy-end. Eine kleine Gruppe hielt vergeblich nach dem Bräutigam Ausschau, der der angesetzten Trauung fern blieb. Auch ein Nachholtermin wurde nicht angefragt. „So etwas passiert äußerst selten, zumal der Frau auch frühzeitig leichte Zweifel anzusehen waren“, teilte Wetters Stadtsprecher Jens Holsteg mit. Hervor stach die Doppelhochzeit zweier Schwestern am 12. September, die um 11 und 11.30 Uhr ihre Männer nacheinander heirateten. „Das war der Wunsch der Beiden, kirchlich feiern wir bald getrennt“, so Patrick Skasa, einer der Ehemänner.

Anstieg in Wetter

Standesamtlich ließen sich im vergangenen Jahr 114 Paare trauen, davor waren es 91 (eingetragene Lebenspartnerschaften: eine mit zwei Männern, 2013 eine mit zwei Frauen). Im benachbarten Herdecke gab es nach 175 dokumentierten Ja-Worten in 2013 nun 170, darunter drei Lebenspartnerschaften.

In beiden Städten habe es keine besonderen „Boom-Tage“ gegeben. Am vermeintlich speziellen Termin 14.4.2014 (Holsteg: „Die Hochzeit dieser Datums-Trauungen war Mitte/Ende der 1990er-Jahre“) gab es in Wetter nur zwei Trauungen. Während hier auch für den 15.5.2015 noch nichts angefragt sei, ist das Herdecker Standesamt laut Stadtsprecher Dennis Osberg an dem Tag bereits ausgebucht. „Dieser Freitag ist nach Christi Himmelfahrt ein Brückentag. Für uns ist das etwas problematisch, da dann ja die Maiwoche stattfindet und etwa das Trauzimmer am Stiftsplatz nur eingeschränkt zur Verfügung steht.“

Anstieg in

Hochzeitsfeiern bieten ja häufig besondere Geschichten. Eine schöne Episode können Standesbeamte aus Herdecke erzählen: 2012 war eine Norwegerin, deren Schwangerschaft zu jenem Zeitpunkt recht weit fortgeschritten war, zu Besuch in Deutschland. Eine Station war Herdecke. Nach dem Ende der Reise wollte sie ihr Kind dann in ihrer Heimat zur Welt bringen.

Doch dann setzten in der Ruhrstadt frühzeitig die Wehen ein. Die Norwegerin wollte ins Gemeinschaftskrankenhaus nach Ende, das sie durch ein voriges Praktikum bereits kannte.

Zur Geburt des Kindes reiste auch der Vater an. Das Herdecker Standesamt dokumentierte ordnungsgemäß die Geburt. „Weil es den Beiden in unserer Stadt aber so gut gefiel“, berichtet Sprecher Dennis Osberg, „entschloss sich das Paar, einen Tag vor ihrer Abreise nach Norwegen auch noch in Herdecke standesamtlich zu heiraten.“ Seither trudeln in regelmäßigen Abständen Grußkarten des Paares aus Norwegen in der Verwaltung ein.

Auch Pfarrer Tadeusz Solski erinnert sich an eine spezielle Trauung in Dortmund: Dort vermählte er mal eine 80-Jährige mit einem fünf Jahre älteren Bräutigam. „Da habe ich aber den Teil, in dem es um das Kinderkriegen geht, weg gelassen.