Kabarettist blickt auf Dortmund und das ganze Land

Bruno Knust kommt als Gast der Lichtburg in den Stadtsaal in Wetter.
Bruno Knust kommt als Gast der Lichtburg in den Stadtsaal in Wetter.
Foto: Stadt Arnsberg
Was wir bereits wissen
Bruno „Günna“ Knust kommt für einen Auftritt nach Wetter. Er hat auch sonst ganz besondere Erinnerungen an die Stadt, schöne und schmerzhafte

Wetter..  Der Dortmunder Kabarettist Bruno „Günna“ Knust kommt am Donnerstag der nächsten Woche in den Stadtsaal. Die Redaktion hat vorab mit Knust gesprochen.

Auf der Webseite des Theaters Olpketal gibt es ganz viel Skyline von Dortmund mit Stadion, Flugplatz und großem U - haben Sie Nicht-Dortmundern überhaupt etwas zu sagen?

Bruno Knust: Unsere Website bietet ständig wechselnde Grafiken und Illustrationen; das reicht vom Märchenwald über Theatermotive bis zur Ruhrpott-Skyline und wird kräftig durchgewechselt. Natürlich habe ich Nicht-Dortmundern etwas zu sagen, denn selbst im Theater Olpketal liegt die durchschnittliche Anzahl der Nicht-Dortmunder pro Abend bei 50 bis 60 Prozent. Wir haben trotz einer Portion Lokalkolorit ein sehr großes Einzugsgebiet, denn „Günna“ ist nicht der „Ausrufer für Dorfbewohner“, sondern eher ein „Sprachrohr westfälischer Herkunft“. Und da ich meine kabarettistischen Anfänge schon lange vor der „Ära Olpketal“ auf Tourneen ausprobieren und entwickeln konnte, war es naheliegend, dass ich schon sehr früh über den Tellerrand der Stadt Dortmund hinaus auf die ganze Republik schielte. So wie es die Kollegen aus Bayern, Köln oder sonst wo auch machen – denn für unsere westfälisch-deftig-geradlinige Sprache brauchen wir uns nicht zu schämen.

Im Theater Olpketal treten auch andere Künstler auf wie etwa Karl Dall. Gehen Sie hin? Und wenn Ja, um etwas zu lernen? Oder ist das mehr Interesse an einem Kollegen?

Wenn ich Zeit habe und nicht gerade selber woanders spiele, gehe ich als Hausherr natürlich hin; das gehört sich schließlich und ist auch eine Form von Respekt dem Kollegen und auch unserem Publikum gegenüber. Ich kenne Karl Dall schon sehr viele Jahre, habe mit ihm schon mehrfach auf der Bühne gestanden, und wenn ich etwas von ihm lernen konnte, dann war das die Erkenntnis: Wir kochen alle nur mit Wasser. Der Eine mit Wasser aus der Ruhr, der Andere mit salzigem Nordseewasser. Jeder Kollege, auch Dall, hat so seine eigene Methode und Herangehensweise. Sein aktuelles Programm ist sehr erfolgreich, und Karl Dall selbst ist eine Bühnen-Legende, ein lebendiges Stück deutscher Kabarett- und Comedygeschichte, und ich freue mich, ihn im Olpketal begrüßen und präsentieren zu dürfen.

Wie wichtig ist es, den eigenen (Theater-)Bau zu verlassen?

Sehr wichtig. Es ist eine belebende Abwechslung für mich, ich lerne Neues kennen oder sehe beliebte Spielstätten und vertraute Gesichter wieder; auch habe ich viele Fans außerhalb des Großraums Ruhrgebiet, die sich sehr freuen, wenn ich mal in ihre Gegend oder sogar mal direkt zu ihnen raus ins Örtchen komme. Gastspiele außerhalb des Olpketals geben mir viele Impulse, in diesem Jahr mache ich zum Beispiel noch eine Bäder-Tour und fahre die Küste entlang: Norderney, St. Peter Ording, Wyk, Sylt, Malente, Fehmarn. Danach habe ich bestimmt mindestens einen neuen Sketch über Urlauber, Kurtaxe und Urlaubsverhalten auf der Bühne.

Gibt es von Ihnen „Anweisungen“ zum Fotografieren - für Reporter, aber auch für Handy-Halter unter den Zuschauern?

Nein. So lang sie mich auf der Bühne durch ihr Verhalten nicht stören, ist alles in Ordnung – da bin ich sehr schussfest. Notfalls gibt’s einen lustigen Spruch. Mitfilmen und die Ergebnisse dann auf Youtube oder Facebook stellen kann man ohnehin nicht vermeiden – wer das will, schafft das immer. Eine erfreuliche Entwicklung ist, dass das lästige Klingeln von Handys während der Vorstellung in den letzten ein bis zwei Jahren sehr stark nachgelassen hat.

Wie halten Sie es mit dem Spontanen – lauern Sie auf jede Gelegenheit oder muss es für eine unmittelbare Reaktion schon dick kommen?

Spontan ist immer gut, das ist wie das Salz in der Suppe. Das mag ich besonders, weil es meine Reaktionsschnelligkeit und Schlagfertigkeit prüft und fordert – das ist wie Sport. Ich lauere aber nicht unbedingt darauf, denn für den Spielfluss ist es besser, wenn sich sowas eher zufällig ergibt und dramaturgisch nicht unbedingt notwendig ist. Wie „dick oder dünn“ das dann kommt, ist fast schon egal; die Reaktion muss ein Volltreffer sein - man hat ja immer nur einen Schuss frei, wenn es funktionieren soll.

Ausländerhass und Flüchtlinge: Machen es diese Themen einem Kabarettisten leicht?

Eher nicht. Die kabarettistischen Werte, die bei uns im Westen hunderte Jahre Gültigkeit hatten, nämlich Satire, Lächerlichkeit, Witze, Lachen und Skepsis sowie die Bereitschaft, sich nicht vor jeder Macht oder Strömung auf den Boden zu werfen, verlieren durch das Mediengetöse, durch abstruse Statements aus der Politik, aber auch durch die nervöse Unsicherheit quer durch die Bevölkerung aus meiner Sicht an Kraft.

Waren Sie schon mal in Wetter, ohne dass ein Auftritt den Grund dafür geliefert hat?

Ja sicher. Ich komme oft mit dem Rad durch Wetter, einen meiner deftigsten Stürze mit dem Rennrad habe ich unten an der Ruhr hingelegt. OP und drei Wochen Gipsarm vergisst man nicht so schnell. Dann war ich mit den Kindern oft mit dem Boot auf dem Harkortsee, im Sommer auch schon mal im Freibad und ganz oft in der Eisdiele. Ich habe auch viele Bekannte, die in Wetter leben; da bleiben private Besuche nicht aus.