Junge Mütter hoffen auf Asyl – Söhne in Herdecke geboren

Desmond wurde im Herbst im Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus geboren. Seine Mutter ist aus Nigeria nach Deutschland geflüchtet.
Desmond wurde im Herbst im Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus geboren. Seine Mutter ist aus Nigeria nach Deutschland geflüchtet.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Gladis aus Eritrea und Mona aus Nigeria haben ihre Söhne in Herdecke zur Welt gebracht. Jetzt hoffen die Mütter auf den glücklichen Ausgang ihres Asylverfahrens.

Herdecke.. Geborgen liegt Desmond im Arm seiner Mutter Gladis. Auch Mona hat ein Baby. In einer Wiege schlummert es vor sich in. „Große Augen“, sagt Mona, und lacht. Ja, Desmond hat große Kulleraugen. „Große Augen“ hat sie auf Deutsch gesagt. Für die 22-jährige Frau aus Eritrea keine Selbstverständlichkeit. Gladis, die 26-jährige Friseuse aus Nigeria, hat sie verstanden, auch wenn ihr deutscher Wortschatz noch begrenzt ist. Das soll sich ändern. Beide Frauen würden gerne in Deutschland bleiben.

Im Flüchtlingsheim an der Berliner Straße wohnen sie Tür an Tür. Beide haben ihre Kinder im Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus zur Welt gebracht, beide leben sie mit ihren Söhnen allein. Und so sehr sie die Hoffnung auf eine Anerkennung als Asylbewerber teilen und froh sind, in Herdecke Aufnahme gefunden zu haben, liegen doch ganz unterschiedliche Lebenswege hinter ihnen.

Zum Militärdienst gezwungen

Vor zehn Jahren schon ist Gladis aus Nigeria geflohen. Den Vater hatte sie früh verloren, die Mutter starb bei einem Unfall. „Niemand war da, der sich um mich gekümmert hat“, blickt sie zurück. Ein Teenager war sie, ohne Perspektive im eigenen Land. Mehr zu den Motiven ihrer Flucht ist von ihr in dem Sprachgemisch aus Englisch und Deutsch nicht zu erfahren.

Integration Manchmal gibt es auch nicht mehr Gründe, weiß Barbara Degenhardt-Schumacher. Sie ist beschäftigt beim Verein für christliche Sozialarbeit (VCS) und betreut unter anderem Flüchtlinge. Gerade Frauen hätten aber oftmals schlimme Erfahrungen gemacht, über die sie nicht so einfach reden könnten. Über viele Stationen hat Gladis es in die Schweiz geschafft, wo sie Desmonds Vater kennen gelernt hat. Er hat mittlerweile in Frankfurt Zuflucht gefunden.

Mona ist erst 22. In ihrer Heimat Eritrea ist sie von der Schule weg vom Militär eingezogen worden. Demonstrativ geht ihr Arm mit, wie sie vom Gleichschritt und dem Drill erzählt. Über Monate war sie von der Familie weggerissen. Als sie ins Nachbarland flüchtete, wurde sie als Deserteur zurück geschickt. Gefängnis folgte. Über Libyen ist sie nach Italien gekommen. Libyen war schrecklich: „Geschlagen werden die Flüchtlinge dort und von den Schleusern ausgepresst.“ Die Fahrt übers Mittelmeer war gefährlich. Sie hat überlebt.

Asylantrag beim Bundesamt für Anerkennung von Flüchtlingen läuft

Ihr Asylantrag beim Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge läuft. Seit Monaten wartet die junge Frau aus Eritrea auf ihren Interviewtermin. „Ohne Entscheidung hängt sie in der Luft“, sagt Barbara Degenhardt-Schumacher. Die Entscheidung kann Abschiebung bedeuten, aber auch eine Anerkennung als Flüchtling oder wenigstens die weitere Duldung in Deutschland.

Flüchtlinge In der gleichen Ungewissheit lebt Gladis. Während sie davon träumt, im erlernten Beruf als Friseuse arbeiten zu dürfen, würde Mona gerne noch einmal zur Schule gehen. Das spornt sie an beim Besuch der Sprachkurse, die es zweimal in der Woche von der Caritas in Herdecke gibt. Noch sind die beiden Mütter aber auf die Hilfe von Barbara Degenhardt-Schumacher angewiesen.

Gladis sucht Kontakt zum Ortspfarrer. Sie möchte den kleinen Desmond taufen lassen. Und Mona nimmt einen Leitz-Ordner vom Regal. Es geht nicht um Akten von der Anerkennungsbehörde. Sie soll mit Yobeale zum Facharzt kommen. Hörscreening für Neugeborene steht auch Flüchtlingskindern zu. Große Augen, gesunde Ohren.