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In Wengern fallen auf alter Bahntrasse Bäume für die Radler

13.02.2014 | 11:00 Uhr
In Wengern fallen auf alter Bahntrasse Bäume für die Radler
In Wengern haben an der Wittener Straße die Arbeiten für den Radweg „Von Ruhr zu Ruhr“ begonnen.Foto: Steffen Gerber

Wengern.   Nach langer Vorplanung haben die Arbeiten für den Lückenschluss des Radwegs „Von Ruhr zu Ruhr“ in Wengern begonnen. Auf der alten Bahntrasse über den Viadukt nach Silschede fallen nun nach 30 Jahren Stillstand die Bäume. Zur Freude vieler.

Helga Zerbe wohnt seit Jahrzehnten in Wengern. Sie hat noch miterlebt, wie Züge über die alte Bahntrasse und den imposanten Viadukt fuhren. Seit 1979 gibt es keinen Gleisverkehr mehr zwischen der Ruhr und Albringhausen. Dafür soll an dieser Stelle nach langem Vorlauf der Radweg „Von Ruhr zu Ruhr“ entlang führen. Straßen-NRW rechnet mit der Fertigstellung frühestens Ende 2015. „Wir freuen uns, dass da endlich was gemacht wird“, sagt Helga Zerbe.

Wer einen Blick auf die alte Trasse der Elbschetalbahn wirft, versteht die Aussage. Dass dort in mehr als drei Jahrzehnten vieles zuwucherte und einige dort Kompostier-Anlagen errichteten, sei nicht das Problem. „Manche werfen aber einfach ihren Müll wie etwa Gelbe Säcke dort hin“, beklagt Zerbe. Nun aber markieren Vermesser im Auftrag des Landestraßen-Betriebs Wegpunkte, während der Forstservice Heite mit den Rodungsarbeiten begonnen hat. „Vielleicht können sie auch an der Grenze zu unserem Grundstück Bäume abtragen, wenn sie eh schon daneben den Hang bearbeiten“, hofft die Anwohnerin auf optimalen Sichtschutz mit genügend Licht für ihren Garten.

Hans-Jürgen Heidenreich reagiert darauf zurückhaltend. Der Planer von Straßen-NRW teilt ihr zwar mit, dass die Forstleute nun die Trasse und die Hänge freiräumen. Da dies teilweise auch eine Serviceleistung für die Stadt sei, könnten hier und da vielleicht zusätzlich Äste weggeschnitten werden. Ihm geht es aber zuvorderst um die Verkehrssicherheit. Auf den künftigen Fuß- und Radweg, den wahrscheinlich auch Inliner nutzen können, soll nichts herunterfallen. Ansonsten gilt: „Es sollen so viele Bäume wie möglich stehen bleiben.“ Was auf der Brücke über der Wittener Straße nicht mehr der Fall ist.

Erster Abschnitt bis Ratelbecke

Mit einem so genannten Rückezug kämpfen sich die Forstleute durch das Dickicht. Das Monstrum kann sägen, greifen und wegräumen. Im ersten Bauabschnitt soll auf 3,8 Kilometern von der Ruhr bis zur Ratelbecke die Strecke freigelegt werden. Vermesser schauen sich derweil auch die Einstiegspunkte vom alten Ortskern (Straße Auf der Klippe), an der Wengerner Mühle, vom Naturfreundehaus und auch am alten Bahnhof Albringhausen an, wo der zweite Bauabschnitt auf 1,8 Kilometern beginnen wird. Teil drei umfasst 3,1 Kilometer bis zum S-Bahn-Halt Gevelsberg-West mit Anschluss zur Kohlenbahntrasse.

Der Zeitplan: 2014 Strecke vorbereiten, 2015 asphaltieren, Freigabe spätestens 2016. Während es am Tunnel in Silschede noch Naturschutz- sowie mancherorts Grundstücksfragen zu klären gibt, geht der Blick auf wetterscher Seite bereits zu den Bauwerken. An vier Brücken und am denkmalgeschützten Viadukt ist Feuchtigkeit über Kalkablagerungen sichtbar. „Zur Bauwerkabdichtung müssen wir die Fugen überprüfen, den Boden der Trasse aufbereiten und dann später das Regenwasser entlang des Weges abführen“, so Heidenreich. Von Vorteil sei dabei etwa das Regenrückhaltebecken der Elbsche unterhalb des oben abgesperrten Viadukts. Auch Geländer werden an einigen Stellen überarbeitet oder neu aufgestellt.

1000. Bahntrassen-Kilometer

Das Besondere an dem insgesamt 11,5 Kilometer langen Alleenradweg zwischen Wetter und Gevelsberg: Hier befindet sich laut Heidenreich der 1000. Kilometerpunkt ehemaliger Bahntrassen in Nordrhein-Westfalen, über den Radler rollen können. Der liegt noch verdeckt unter Moos und Laub von den dort gewachsenen Birken, Weiden, Buchen oder Eichen. „Weil schon einige Wengeraner fragten: Das gerodete Holz vermarktet der Forstservice aus Schmallenberg“, sagt Heidenreich.

Ersatzpflanzungen seien kaum nötig, da es sich um einen alten Verkehrsweg handele. Das werde etwa an der Wengerner Mühle deutlich, wo der alte Bahnsteig auf knapp 200 Metern stehen bleibe und eine asphaltierte Spur etwas höher als die andere liegen werde.

Hintergrund

Der 53 Kilometer lange Radweg „Von Ruhr zu Ruhr“ verbindet die Städte Hattingen, Sprockhövel, Gevelsberg, Wetter sowie Witten und verläuft zum großen Teil auf ehemaligen Bahntrassen. Zudem ist er mit dem beliebten Ruhrtal-Radweg verbunden.

Das Teilstück Wengern-Silschede führt derzeit steigungsreich über eine temporär ausgeschilderte Nebenstrecke von der Ruhr nach Gevelsberg. Eine Passage geht entlang einer vielbefahrenen Landstraße ohne Randstreifen. Der Lückenschluss des siebten (und letzten) Teilabschnitts auf der alten Bahntrasse soll 2015/16 erfolgen, womit der Rundkurs fertig gestellt wäre.

Das Land NRW kaufte daher Ende 2013 der Bahnentwicklungsgesellschaft etwa neun Kilometer der Strecke für ca. 900 000 Euro ab. Darin bereits eingerechnet seien die Kosten für Bauwerksanierung bzw. Verkehrssicherheit, die laut Straßen-NRW als ausführendem Betrieb etwa die Hälfte des Betrags ausmachen.

Im Hause Zerbe freuen sich übrigens Sohn und Enkel über die Umsetzung. „Die wollen dann viele Bekannte zu Touren einladen“, frohlockt Helga Zerbe. Klingt ja auch nicht schlecht: ein Radweg, der vor der eigenen Haustür beginnt...

Steffen Gerber

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2014-02-13 11:00
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