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Im VW-Bulli um die halbe Welt gefahren

24.01.2015 | 07:00 Uhr
Im VW-Bulli um die halbe Welt gefahren
Georg Grauer aus Wetter erkundete mit seinem VW Bullli die Welt, mittlerweile hat das Fahrzeug etwa eine Million Kilometer auf dem BuckelFoto: Steffen Gerber

Wetter.  Auch mit etwa einer Million Kilometer auf dem Tacho ist der VW Bus von Weltenbummler Georg Grauer (83) noch immer sein treuer Gefährte auf Reisen.

Richtig schön ist der alte VW Bulli nicht mehr. Bei einer Laufleistung von etwa einer Million Kilometer auch kein Wunder. Doch könnte das Fahrzeug sprechen, würde es viele spannende Geschichten erzählen können. Das übernimmt sein Besitzer Georg Grauer, der von Wetter aus um die halbe Welt gefahren ist. „Wenn ich mir Bilder von meinen vielen Reisen anschaue, fange ich immer an zu träumen.“

Im Februar wird Schorsch Grauer 84 Jahre alt. Was der Rentner in den vergangenen 20 Jahren seit seiner Pensionierung erlebt hat, füllt Bücher. Wortwörtlich, hat er doch während seiner mehrmonatigen Reisen bis 2009 stets Tagebuch geführt. Darin steht, wie in seinem Kleinbus Kinder geboren wurden, wie er darin mit „O du fröhliche“ und einer Kassette von Hans Albers Weihnachten feierte, wie er sechs Wochen lang alleine auf dem Yukon gepaddelt ist, wie er sechs Wochen mit dem Containerschiff von Hamburg nach Buenos Aires brauchte, wie er eineinhalb Jahre in den USA unterwegs war, wie er Wale aus nächster Nähe beobachtete, und vieles mehr.

Hawaii hat nicht gefallen

„Jede Reise war besonders, wobei mir etwa Hawaii nicht so gefallen hat. Ein besonderes Abenteuer war schon die Fahrt nach Feuerland, als ich insgesamt ein Jahr lang durch Argentinien, Chile, Peru, Bolivien, Kolumbien und Brasilien gefahren bin.“

Als meist treuer Gefährte war sein VW Bulli dabei, den er 1989 gekauft hat. Sein nunmehr viertes Modell, das Grauer „Karre“ nennt, steht draußen vor der Wohnungstür und fährt trotz mancher sichtbarer Alters- und Verschleißerscheinung immer noch. Aus seinem VW-Vorgänger hatte Grauer das Mobiliar ausgebaut, damit er und seine Frau auf ihren geplanten Reisen überall und unabhängig von Campingplätzen schlafen können. Als diese 1990 starb, machte sich der Wetteraner alleine auf, um oft in der Wildnis zu übernachten. „Ich habe mal in einem Sheraton-Hotel übernachtet, da habe ich mich gefühlt wie ein Außerirdischer.“

Grauer ist ein Freigeist. Er schloss sich auch mal einer Reisegruppe an - es sollte ein einziger Versuch bleiben. „Viele Leute, die ich während meiner Fahrten kennen gelernt habe, kannste in der Pfeife rauchen“, sagt der Rentner mit dem Berliner Dialekt. Gleichwohl habe der Abenteurer aus Wetter, der kaum Englisch oder Spanisch spricht („Das geht mit Händen und Füßen, und irgendeiner versteht immer ein paar Brocken Deutsch“), auch nette Menschen getroffen. Mit Sauer- und Münsterländern sei er stets gut klar gekommen. In den USA habe er auch mal jemanden aus Volmar­stein getroffen, als er an Indianerkinder Bonbons verteilte. „Es hat sich schon die eine oder andere Freundschaft entwickelt, ich habe aber auch Ehen kaputt gehen sehen.“

Und überhaupt hat der 83-Jährige einen Tipp für alle Reisewilligen: „Man sollte kein Quengelkopf sein und stets ein paar Dollar in der Tasche haben.“ Geduld war etwa gefragt, als ein defekter Zylinderkopf die Weiterfahrt in Feuerland unmöglich machte. Da musste er bei einem ausgewanderten Deutschen den Motor ausbauen und knapp fünf Wochen auf Ersatzteile aus Deutschland von seiner Tochter Heidemarie warten. „Da hat der olle Schorsch ganz schön rumgeschraubt“, berichtet er selbstironisch. Und in den USA habe er mit seinem Bulli mehr als 20 Platten gehabt, obwohl dort die Straßen weitaus besser seien als auf der Panamericana in Lateinamerika.

Zeichensprache mit Chinesen

Humorvoll berichtet er von weiteren Erlebnissen, als er etwa schwer bewaffnete Soldaten in Lateinamerika zärtlich in den Arm nahm. „Die haben inmitten eines Bürgerkriegs ganz schön blöd geguckt.“ Wie er Ärger mit Zöllnern hatte, als er Bambus auf dem Dach des Bulli transportierte. „Die Triebe waren das Problem, die habe ich dann einfach abgeschlagen.“ Wie er am Chiemsee jemanden wieder traf, den er Jahre zuvor mit seiner Frau in Ägypten kennen gelernt hatte. Wie er sich in Panama per Zeichensprache mit einem Chinesen unterhielt. Wie er auf einen Gletscher ohne Steigeisen stieg, indem er sich Nägel in seine Schuhe schlug. Oder wie er, dem sein Doktor ein Leben bis zum Alter von 120 prophezeit, eine Gürtelrose in Mittelamerika verschleppte und diese Wochen später in Deutschland behandeln ließ.

Natürlich wird auch ein Schorsch Grauer nicht jünger und gesundheitlich anfälliger („Mit 80 nehmen die Arztbesuche zu“), dementsprechend wählt er seine Reiseziele aus. „Im Frühjahr haue ich wieder ab. Ich fahre dahin, wo ich meine Ruhe habe.“ Frankreich mag er nach wie vor. Auch wenn sich das Land leider etwas verändert habe, schätzt er nach wie vor die Weite, die ihn wiederum an Nordamerika erinnert. Polen oder Tschechen reizen ihn noch, ebenso eine Segeltour. Ein zweiter Aufenthalt in Asien scheint aber ebenso unrealistisch wie weitere Fahrten durch Amerika. „Dort habe ich durch mein Nummernschild ja quasi auch immer Werbung für den Ennepe-Ruhr-Kreis gemacht.“ Was denn mit dem Bulli passiert, wenn er mal nicht mehr da sein sollte? Grauer prompt: „Vererbt wird der nicht, da ließ ich ohnehin nur meine Frau oder Tochter ran. Das ist bzw. war dann mein Leben.“

Steffen Gerber

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2015-01-24 07:00
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