Hommage an einen Pionier der Moderne

Herdecke/Witten..  Ein Klavierabend mit begleitenden Kommentaren wird in der Universität Witten/Herdecke (UW/H) an den 100. Todestag des Musikers und Mystikers Alexander Skrjabin erinnern.

Am Mittwoch, 21. Januar, 19.30 Uhr, spielt Dr. Alexander Jakobidze-Gitman Klavierwerke von Alexander Skrjabin. Dabei stellt er den russischen Komponisten, der von 1872 bis 1915 lebte, auch vor: Kaum jemand wurde gleichzeitig so vergöttlicht und verachtet in der musikalischen Moderne wie Skrjabin.

Vergöttert und geschmäht

Er wurde von mehreren seiner Zeitgenossen als ein neuer Messias verkündet, der die Menschheit durch seine göttliche Kunst zu erlösen hatte. Er mag aber auch als einer der größten „Missgriffe der Musikgeschichte“ erscheinen: Dieser an Weihnachten geborene Spinner in seinem Welterlösungswahn wollte einmal als Gott und zweiter Christus auf dem Wasser des Genfer See wandeln und konnte nur durch das Eingreifen befreundeter Fischer vor dem Ertrinken gerettet werden.

Und doch gilt dieser Schwärmer und Fantast bisher als einer der Väter der Neuen Musik, der in seinem kurzen Leben eine erstaunliche Evolution von brillanten chopinartigen Salonstücken zur Erschaffung des zuvor unerhörten Formenbaus und Tonsystems durchmachte. Dabei machte er durchbrechende Entdeckungen in Harmonik, Akustik und Synästhesie. Seine zehn Klaviersonaten leisteten den folgerichtigsten und bedeutendsten Beitrag zu dieser Gattung seit Beethoven.

Um seine Musik korrekt zu verstehen, so die These des Vortragenden, muss man auch seinen verrückten Visionen Achtung zollen.