Hilfe suchen auf einem langen, traurigen Weg

Waltraud Sjamken und Claudia Kellermann von der Alzheimer-Gesellschaft Witten-Wetter-Herdecke referierten in der Begegnungsstätte Frühlingstraße in Herdecke
Waltraud Sjamken und Claudia Kellermann von der Alzheimer-Gesellschaft Witten-Wetter-Herdecke referierten in der Begegnungsstätte Frühlingstraße in Herdecke
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wie kann man mit Demenzkranken kommunizieren? Referentinnen der Alzheimer-Gesellschaft Witten-Wetter-Herdecke kamen nach Herdecke, um aufzuklären und Tipps zu geben.

Herdecke..  Das Gedächtnis funktioniert nicht mehr, die Orientierung auch nicht. Und immer öfter fehlen die Worte. Das sind die wesentlichen Symptome einer Krankheit, die für viele Menschen ein Schreckgespenst ist: Alzheimer. Dabei ist es wichtig, informiert und aufgeklärt mit der Krankheit umzugehen - für Betroffene und Angehörige gleichermaßen. Das machte jetzt Waltraud Sjamken von der Alzheimer-Gesellschaft Witten-Wetter-Herdecke bei ihrem Vortrag in der Begegnungsstätte Frühlingstraße deutlich.

Diagnose frühzeitig anstreben

„Da wird man doch verrückt“ war der Vortrag über die Verständigung und den Umgang mit demenzkranken Menschen überschrieben, zu dem jetzt die Stadt Herdecke in der Reihe ihrer Seniorenveranstaltungen eingeladen hatte. Die Referentinnen Waltraud Sjamken und Claudia Kellermann von der Alzheimergesellschaft stellten gleich zu Beginn des Vortrags klar, dass die Aussage „Da wird man doch verrückt“ sich keineswegs auf die Betroffenen beziehe, sondern auf die Angehörigen. Denn gerade ihnen stehe bei der Begleitung eines erkrankten Partners oder Elternteils ein „langer, mühsamer und trauriger Weg“ bevor.

Deswegen sei es umso wichtiger, möglichst früh eine Diagnostik anzustreben; denn inzwischen gebe es Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verlangsamen. Nur dann könne man sich als Angehöriger frühzeitig über die Krankheit informieren und zugleich auch den Freundeskreis einbeziehen. „Dazu rate ich ganz dringend: Verstecken Sie sich nicht, gehen Sie offen mit der Krankheit um. Freunde sind zwar manchmal betroffen und hilflos, aber man kann lernen, damit umzugehen“, so Waltraud Sjamken. Und Claudia Kellermann ergänzte: „Es ist auch viel Unbeholfenheit dabei; denn Demenz wird sehr dunkel deklariert.“

Geduld und Respekt bewahren

Um den Nachmittag zu strukturieren, hatten die Referentinnen ihren Vortrag aufgeteilt in Informationen über das Wertschätzen und Verstehen von Demenz, das Begleiten eines Demenzkranken und über die Kommunikation mit ihnen. So erklärte Waltraud Sjamken etwa, warum Demenzkranke nicht mehr gerne viele Menschen um sich haben oder keine Freude mehr an großen (Geburtstags-)Feiern haben: „Die Betroffenen verlieren im Gespräch den roten Faden, brechen ihre eigenen Sätze ab, vergessen, was sie gerade gesagt haben.“ Deswegen fallen ihnen Gespräche schwer, erst recht, wenn viele Menschen daran beteiligt seien. Wichtig seien klare Sätze und Fragen, auf die Ja oder Nein geantwortet werden könne.

Beim Begleiten eines Demenzkranken seien Geduld und Wertschätzung ebenso wichtig wie Respekt und Einfühlungsvermögen: Zurechtweisungen und Korrekturen etwa sind kränkend für den Betroffenen, auch wenn dieser nicht mehr den gesellschaftlichen Anforderungen entspricht. Angehörige sollten eine Lotsenfunktion übernehmen, sprich: Gespräche beginnen, wichtige Stichworte wiederholen, den roten Faden behalten und die Gespräche dann auch wieder beenden.

Zwischendurch beantworteten die Referentinnen immer wieder Fragen der interessierten Zuhörer und gaben Anregungen und Tipps. Einige Zuhörer äußerten zudem den Wunsch nach einem regelmäßigen Treffpunkt für Angehörige, den Sylvia Lindtner von der Pflegerberatungsstelle der Stadt Herdecke mitgenommen hat. Derzeit wird geprüft, ob, wann und wo es solche Treffen in Zukunft in Herdecke geben kann.