Herdecker organisieren Hilfe für Flüchtlinge

„Ganz wichtig ist für uns die Sprache“, sagt die junge Frau, die aus Afghanistan nach Herdecke gekommen ist (zweite von rechts).
„Ganz wichtig ist für uns die Sprache“, sagt die junge Frau, die aus Afghanistan nach Herdecke gekommen ist (zweite von rechts).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Rund 80 Männer und Frauen kamen zu einem Workshop der Stadt in Martin-Luther-Haus. Die Bereitschaft zur Unterstützung ist ungebrochen.

Herdecke..  So viel Hilfsbedürftigkeit, und so viel Hilfe: Rund 80 Hilfswillige kamen im Martin-Luther-Haus zusammen, um Flüchtlingen unter die Arme greifen zu können - fast so viele wie es derzeit Menschen aus unsicheren Ländern gibt, die in Herdecke untergekommen sind.

Auf einer Informationsveranstaltung der Stadt über die geplante Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Jugendzentrum Mittendrin Ende letzten Jahres war es zu spüren: Es gibt unter den Herdeckern eine große Bereitschaft, Flüchtlinge in ihrer Stadt aufzunehmen. Sozialdezernent Dieter Joachimi hat nun seine Ankündigung von damals wahr gemacht und zu einem Workshop eingeladen, um die Hilfsangebote in geordnete Bahnen zu lenken.

Wie soll das alles geschehen, wenn viele Flüchtlinge kein Wort Deutsch können, wenn sie am Ende ihrer Reise in Herdecke vor einer Notunterkunft stehen? Danach wurde in großer Runde gleich mehrfach gefragt. Muss nicht vor allem anderen die Sprachförderung stehen? Man könne doch das Eine – die konkrete Hilfe – anbieten, ohne das Andere – die Hilfe beim Erwerb der Sprache – zu lassen, meinte Manfred Spaude von der Ehrenamtsstelle der Stadt Herdecke. Und auch Dieter Joachimi war dafür, „jetzt erst einmal anzufangen“ mit den konkreten Hilfen.

Gleich mehrfach wurde dazu Mut gemacht, trotz der Sprachbarriere. Barbara Degenhardt-Schumacher, Sozialarbeiterin beim VCS und als solche auch mit ein paar Stunden in Diensten der Stadt, berichtete von einer Familie aus Syrien. Ihre Mitglieder hatten zu Stift und Papier gegriffen, wenn sie etwas sagen wollten, und gemalt. „Dann wurde eben zurück gemalt“, konnte sie über die anfänglichen Hürden beim Umgang miteinander berichten. Auch Harald Müller ist gut mit Flüchtlingen ins Gespräch gekommen, „anfangs vielleicht mit Händen und Füßen.“

Auf vier Themenfeldern sollten sich die Besucher beim Workshop ihren künftigen Aufgaben widmen. Im großen Saal des Martin-Luther-Hauses ging es um unmittelbare Patenschaften, im Kellergeschoss verteilten sich die Teilnehmer auf die Themen „Alltagsbegleitung“, „Freizeit/Kultur“ und „Handwerkliche Unterstützung“.

Gemeinsame Unternehmungen

Die Begegnung mit anderen Kulturen ist nicht immer einfach, wie Manfred Spaude zu berichten wusste. In Syrien beispielsweise sei Strom spottbillig, dafür fiele er immer mal wieder aus. Geräte blieben an, alleine schon um zu sehen, ob die Versorgung wieder sicher gestellt sei. In Deutschland müssten die Flüchtlinge ihren Strom selbst bezahlen und erst einmal lernen, dass nicht alle Lampen leuchten müssen, nur um zu sehen, ob tatsächlich Strom in der Leitung ist.

Sie selbst habe eine kleine Tochter, erklärte eine Mutter, und fragte, ob sie nicht eine Flüchtlingsfamilie ebenfalls mit Kindern finden könne, um mal gemeinsam auf den Spielplatz zu gehen oder etwas anderes gemeinsam zu unternehmen? Klar, gab Barbara Degenhardt-Schumacher zurück. Und auch sonst ist vieles nicht nur denkbar, sondern machbar: eine Fahrt mit dem Bürgerbus etwa als Sight-Seeingtour für die Gäste aus der Fremde durch Herdecke, ein Gang zum Fußballplatz oder ein gemeinsamer Konzertbesuch.

Ganz praktische Fragen tauchen dabei immer auf. Sind die Helfer auch versichert? Ja, sagt Dieter Joachimi, bei ehrenamtlichem Engagement ist das so.

Die Stadt möchte aber auch, dass ein erweitertes Führungszeugnis beigebracht wird. Etwas heikel vielleicht, wusste Dieter Joachimi, aber für den Schutz von Kindern Standard und auch in den Vereinen üblich.

80 Hilfswillige waren viel. Weil aber damit gerechnet wird, dass es noch mehr helfende Hände für Flüchtlinge in der Stadt gibt, wurden zum Ausklang des Workshops Ansprechpartner klar benannt: Das Sozialamt, der VCS, und wer will, kann auch aufs Internet zurück greifen.