Herdecker hat keine Erinnerung an Taten im Vollrausch

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Ein 52-jähriger Mann aus Herdecke verliert immer wieder die Kontrolle über sich. Der Amtsrichter gibt ihm jetzt die letzte Chance

Herdecke..  Alkoholsucht machte einen 52-Jährigen aus Herdecke unberechenbar und ließ ihn reihenweise Straftaten begehen. Jetzt stand er erneut vor Gericht. Diesmal ging es um Diebstahl, Schwarzfahrten, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Taten, die er im nüchternen Zustand bitter bereute.

„Wenn ich trocken bin, bin ich eigentlich der netteste Mensch der Welt“, brachte es der Herdecker selbst auf den Punkt. Nicht umsonst befinden sich in seinem Strafregister 50 Eintragungen. Als der 52-Jährige begann, die Justiz zu beschäftigen, war Helmut Schmidt Kanzler, und die RAF überzog Deutschland mit Terroranschlägen. Die Sucht war stets stärker als die Vernunft – und daran konnten auch Gefängnisaufenthalte nichts ändern.

2014 schlug der Herdecker gleich mehrfach zu und hinterließ in einigen Fällen bleibenden Eindruck - nicht zuletzt wegen seiner starken Alkoholisierung. Anfang August steckte er in einem Herdecker Supermarkt eine Packung Putenschnitzel in die eine Hosentasche und in die andere ein Stück Käse. Wieder einmal wurde er auf frischer Tat ertappt. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, im Büro, wo er seine Personalien nennen sollte, den geklauten Käse aus der Tasche zu ziehen und in aller Gemütsruhe zu verspeisen.

In der Linie 554, in der er nach fremdenfeindlichen Parolen ohnehin „Busverbot“ hatte, sorgte er Mitte Dezember für Aufsehen. Den leidgeprüften Busfahrer „erfreute“ er mit rassistischen Beschimpfungen, den Bus wollte er trotz Aufforderung der gerufenen Polizei nicht verlassen, und zum Schluss gönnte er sich einen gewalttätigen Angriff gegen einen Beamten. Darüber hinaus wurde er im Sommer 2014 drei Mal in norddeutschen Zügen ohne Ticket erwischt.

In jeder Hinsicht ernüchtert saß der Herdecker jetzt in Wetter auf der Anklagebank. Zu hören, was er sich im sprichwörtlichen Suff leistete, ging ihm an die Nieren. Zwar fehlte ihm bei einigen Taten die Erinnerung, bestreiten wollte er jedoch keinen der Vorfälle. Vielmehr entschuldigte er sich sogar bei dem Busfahrer, den er so rüde beleidigte.

Der zeigte Größe, klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und erklärte: „Wird schon.“ Tatsächlich scheint sich im Leben des 52-Jährigen eine Wende zum Guten anzubahnen. Nachdem er im März mit 4,8 Promille auf der Intensivstation landete, wurde ihm der Ernst seine Lage offenbar endlich bewusst. Er machte eine Entgiftung, verabschiedete sich für immer von der Herdecker Szene, lebt nun in einer Einrichtung in Gevelsberg, macht eine Therapie und hofft auf eine gemeinsame Zukunft mit seiner neuen Freundin, die ihn nur nüchtern haben will.

Diese Bemühungen, sein Leben vielleicht doch noch in den Griff zu bekommen, wusste das Gericht zu würdigen und gab dem Herdecker eine letzte Chance, obgleich er zum Zeitpunkt seiner Taten unter laufender Bewährung stand. Er erhielt acht Monate mit Bewährung.

Eindrücklich appellierte Richter Heinz-Dieter Beckmann an den Angeklagten, die Wende nun auch tatsächlich durchzuziehen. „Sauber bleiben“ hieße die Devise. Ansonsten drohe der Widerruf beider Bewährungen.