Herdecker Ehepaar startet in ein Rekordjahr - Kronjuwelenhochzeit

Ada und Heinz-Günter Klunker aus Herdecke. Der Herdecker wird im Februar 101, seine Frau im Mai 102 Jahre alt, am 14. Februar feiern sie ihre Kronjuwelenhochzeit.
Ada und Heinz-Günter Klunker aus Herdecke. Der Herdecker wird im Februar 101, seine Frau im Mai 102 Jahre alt, am 14. Februar feiern sie ihre Kronjuwelenhochzeit.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ada (101) und Heinz-Günter (100) Klunker sind das wohl älteste Ehepaar Herdeckes. Im Februar feiern sie ihre Kronjuwelenhochzeit. Und haben das Fest zum 75. Hochzeitstag schon genau geplant.

Herdecke.. „Das Wichtigste ist, dass man voraus schaut und nicht zurück.“ Wenn Heinz-Günter Klunker das sagt, dann bekommen diese oft so leicht daher gesagten Worte ein ganz besonderes Gewicht. Denn der Herdecker wird am 22. Februar 101 Jahre alt, am 14. Februar feiert er mit seiner Frau Ada die Kronjuwelenhochzeit.

Und im Mai steht ein weiterer Festtag ins Haus – dann wird Ada Klunker 102. Wer nun glaubt, dass dem wahrscheinlich ältesten Ehepaar in Herdecke angesichts des bevorstehenden persönlichen Rekordjahres 2015 angst und bange wird, der irrt. „Das Programm steht schon lange“, sagt Heinz-Günter Klunker. Und lacht, als er mein verblüfftes Gesicht sieht.

Plaudern wir also an diesem Nachmittag des zu Ende gehenden Jahres zunächst über all die Pläne für 2015. „Zu unserem Hochzeitstag kommen unsere vier Töchter mit ihren Männern. Wir machen einen Tag der offenen Tür, und jeder ist willkommen. Auch das Bürgermeisteramt ist informiert, damit die Bescheid wissen, dass am Hochzeitstag gefeiert wird und bitte nicht an meinem Geburtstag eine Woche später“, sagt Heinz-Günter Klunker bestimmt.

Jubelpaar Zwei Mal so kurz hintereinander zu feiern, das werde für seine Frau zu anstrengend. Also gibt es am Tag der Jubelhochzeit bis 14 Uhr ein kaltes Buffet, anschließend Kaffee „für alle, die noch da sind“. Wer annimmt, der Senior würde etwas dem Zufall überlassen, der irrt schon wieder. Ihm fällt zwar – ebenso wie seiner holländischen Ehefrau Ada – das Laufen schwer, keineswegs aber das Denken.

Zu seinem 101. Geburtstag sind alle sechs Enkelkinder nach Herdecke eingeladen. „Mit denen werde ich abends bei Bonsmann gemeinsam essen. Die waren noch nie alle auf einmal bei Großvaters Geburtstag, wahrscheinlich wird es ja auch der letzte sein.“ Höre ich da etwa ein wenig Pessimismus? „Nein, ich lasse mich gerne vom Schicksal überraschen. Wenn es noch ein Jahr mehr sein darf, bitte. Wenn nicht, muss ich es auch akzeptieren“, antwortet der Herdecker.

Diamantene Hochzeit Weil der Ausblick aufs neue Jahr recht schnell erledigt ist, möchte Heinz-Günter Klunker nun doch ein bisschen aus der jüngsten Vergangenheit plaudern. Schweren Herzens habe er kurz vor seinem 99. Geburtstag sein Auto verkauft. Wo doch Autos und Autofahren immer seine große Leidenschaft waren. Nach der Pensionierung im Jahr 1976 hatte sich Klunker, der als technischer Leiter bei Daimler Benz gearbeitet hat, mit seiner Frau aufgemacht, die Welt zu erkunden. Zahllose Reisen unternahmen die beiden – fuhren bis hinauf zum Nordkap und in viele andere Länder, die man mit dem Auto erreichen kann.

Nur ein einziges Jahr hielt der Herdecker es ohne seinen fahrbaren Untersatz aus. „Aber dann, kurz nach meinem 100. Geburtstag, habe ich mir einen Smart gekauft“, erzählt er und lacht schelmisch. Immerhin, so versichert er, habe er sich vorher gründlich untersuchen lassen: „Mein Internist hat gesagt: Du darfst fahren. Der Homöopath auch. Und die Augenärztin sagte: Jawoll, freigegeben.“

Also setzte sich der Senior noch mal ein paar Monate ans Steuer. „Unverantwortlich“, kommentiert Ehefrau Ada kopfschüttelnd. „Ja, ja“, wiegelt Klunker ab. Ein halbes Jahr später verkaufte er den Wagen wieder: „Ich hatte festgestellt, dass es doch nicht so gut geht. Obwohl – ohne Auto, das ist kein Leben.“

Noch im eigenen Zuhause

Apropos Leben: Trotz mancher Handicaps leben die Klunkers noch in ihrem eigenen Zuhause am Semberg. Möglich machen das zwei Betreuerinnen und ein ambulanter Pflegedienst. Als „Gnade Gottes“ empfinden es die beiden, „dass alle Kinder, Enkel und Urenkel gesund sind“. Und ganz selbstbewusst meint der 100-Jährige: „Wir sehen ja beide noch ganz manierlich aus, nur mit dem Laufen, das ist eine Katastrophe.“ Am Ende unseres Gesprächs gibt mir Heinz-Günter Klunker noch einen Spruch mit auf den Weg: „Alles, was mit ,zu’ beginnt, ist schlecht: zu groß, zu dick, zu mager. Aber zuhause und zufrieden – das ist gut.“ Ehefrau Ada dagegen macht’s kurz, schüttelt meine Hand und sagt: „Bis die Tage.“