Gymnasium und Realschule in Herdecke kooperieren

Schüler der Realschule Herdecke können das Medienzentrum des Gymnasiums nutzen. Schulleiter Andreas Joksch hält eine kurze Einführung.
Schüler der Realschule Herdecke können das Medienzentrum des Gymnasiums nutzen. Schulleiter Andreas Joksch hält eine kurze Einführung.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Friedrich-Harkort-Schule und die Herdecker Realschule wollen enger zusammenarbeiten. Ihr Ziel ist dabei, die Bildungslandschaft in der Stadt attraktiver zu machen.

Herdecke..  Realschule und Gymnasium liegen in Herdecke vis-à-vis – sehr viel Kooperation gab es bislang aber nicht. Das soll sich nun ändern, ein Kooperationsvertrag liegt als Entwurf derzeit den entsprechenden Gremien vor. „Wir setzen damit schulpolitisch ein Signal“, sagt der Leiter der Friedrich-Harkort-Schule, Andreas Joksch. „Herdecke bietet alle Abschlüsse und auch die Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9.“

Spanisch-Schnupperkursus

Auch wenn die Papierform der Kooperation noch nicht besiegelt ist, in der Praxis funktioniert die neue Zusammenarbeit bereits. Schüler der Klassen 9 und 10 der Realschule können das Medien und Arbeitszentrum (MAZ) des Gymnasiums mit nutzen, und 20 der 60 Zehntklässler aus der Realschule nehmen an einem Spanisch-Schnupperkursus teil. „Hier können sie ganz konkret erfahren, was sie bei einem Wechsel in die gymnasiale Oberstufe im Fremdsprachenbereich erwartet“, sagt Realschulleiter Hubertus Schmalor.

Die Durchlässigkeit der Systeme ist in der Theorie schon lange gegeben. Realschüler wechseln aufs Gymnasium, Gymnasiasten, die mit den Anforderungen dort nicht zurecht kommen, können in der Realschule weiter lernen. „Es gab aber dennoch hohe Hürden“, sagt Schmalor. Vor allem in den Köpfen der Eltern und Schüler. Dem will man nun mit mehr Begegnung begegnen. Das heißt: Durch Zusammenarbeit in Arbeitsgemeinschaften, im Selbstlernzentrum und auch Info-Veranstaltungen für die Schüler sollen Hemmschwellen abgebaut werden. Und noch während die beiden Schulleiter die ersten Bausteine der Kooperation vorstellen, kommen neue Ideen dazu. „Die Realschule hat Technikräume, die auch Gymnasiasten nutzen könnten“, schlägt Schmalor vor. Für Andreas Joksch ein Angebot, das er angesichts der kommenden Inklusions-Schüler gerne annimmt. „Wir sind gerade bei der Berufsvorbereitung mehr auf den akademischen Sektor ausgerichtet“, sagt Joksch, „da können wir die Erfahrungen aus dem handwerklich-technischen Bereich, den die Realschule bietet, gut nutzen.“

Während sich die ersten Realschüler am Dienstag in die Recherchemöglichkeiten des MAZ einführen lassen, denken die Schulleiter bereits weiter. Der Oberstufenkoordinator der FHS soll ein Beratungskonzept erarbeiten, mit dem Realschülern nach der 10. Klasse der Wechsel auf die andere Straßenseite erleichtert werden soll. „Gut die Hälfte schließt mit einer Qualifikation ab“, sagt Hubertus Schmalor. Geht die Schullaufbahn dann weiter, geschieht dies meist an einem Berufskolleg. Das soll sich nach Meinung von Joksch ändern. „Warum nicht bei uns? Schließlich steht am Ende ein Zentralabitur, die Anforderungen sind also gleich.“

Wechsel in beide Richtungen

Doch nicht nur für die oberen Klassen soll die Kooperation Vorteile bieten. Für leistungsstarke Realschüler aus den unteren Klassen soll es Schnupperwochen an der FHS geben. Und man wolle auch der vermeintlichen Ausweglosigkeit, die manche Eltern schwächerer Schüler sehen, begegnen. Vor allem mit dem gemeinsamen Signal: „Herdecke bietet gute Bildungschancen – für alle.“