Gutes Türkisch Daheim macht Deutschlernen leichter

Elternbegleiterin Kiymet Agpolat (vorne links) hat Poca mitgebracht, ein Gebäck mit Petersilie, Käse und Joghurt. „Schön fluffig", freut sich Annette Bußmann vom Kommunalen Integrationszentrum des EN-Kreises. Rechts im Bild Ines Ureidat, Leiterin der Kita Gravemannhaus in Wetter.
Elternbegleiterin Kiymet Agpolat (vorne links) hat Poca mitgebracht, ein Gebäck mit Petersilie, Käse und Joghurt. „Schön fluffig", freut sich Annette Bußmann vom Kommunalen Integrationszentrum des EN-Kreises. Rechts im Bild Ines Ureidat, Leiterin der Kita Gravemannhaus in Wetter.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In der Kita Gravemannhaus in Wetter lernen Mütter, wie wichtig die Sprache ihrer Herkunft für die Entwicklung ihrer Kinder ist.

Wetter..  Um den Frühstückstisch im Gravemannhaus sitzt ein halbes Dutzend Mütter. Sie heißen mit Vornamen Kiymet, Sanella oder auch Fatma. Was sie eint: Alles sprechen lupenreines Hochdeutsch oder bestenfalls mit einem kleinen Akzent. Und doch nehmen sie einmal in der Woche an einem Sprachförderprogramm teil. Das ist kein Widerspruch. In der Kindertagesstätte des TSE lernen sie, mit ihren Kindern daheim wieder mehr in der Muttersprache zu sprechen. Also Bosnisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch oder auch Englisch.

Auf dem Tisch stehen Käse und Wurst, ein Schälchen mit Oliven und ein Teller mit Poca. Das ist ein Gebäck mit Petersilie, Käse und Joghurt. Kiymet Agpolat hat es mitgebracht. Ihr vierjähriger Sohn Mert geht ins Gravemannhaus. Und: Sie ist Elternbegleiterin, seit wenigen Tagen sogar vom Kreis ausdrücklich zertifiziert. Sie sagt: „Ich bin die Brücke zwischen den Eltern und der Kindertagesstätte beim Rucksack-Programm“, einem Sprachförderprojekt an Kindergärten.

Kreis fördert „Rucksack-Projekt“

Der Rucksack passt gleich doppelt als Bild. Die Mütter (im Gravemannhaus ist meist auch ein Vater dabei) bringen mit in die Kindertagesstätte, was an ihrer Esskultur besonders lecker ist. Und auf dem Weg nach Hause schultern sie Bildungsbögen und Bastelmaterial, damit etwa die dreijährige Tochter von Sanella Özdemir lernen kann, dass kurz auf bosnisch „kratko“ und lang „dugacko“ heißt.

Das Land fördert das Rucksack-Projekt. Der Kreis sponsert jede der 20 Gruppen im Ennepe-Ruhr-Kreis noch einmal mit 500 Euro. Warum so viel Förderung für Eltern, die doch offensichtlich schon gut die deutsche Sprache beherrschen? Die Antwort von Ines Ureidat, Leiterin des Gravemannhauses, beruht auf Erfahrung: „Erst wenn die Kinder ihre Muttersprache beherrschen, lernen sie richtig Deutsch.“

Das Wort Muttersprache wird mittlerweile gar nicht mehr so gerne genommen. Familiensprache soll es als Begriff ersetzen. Dahinter können sich dann aber durchaus mehrere Sprachen verstecken. Sanella Özdemir ist mit einem Türken verheiratet. Die Kinder verstehen sein Türkisch und ihr Bosnisch. „Untereinander aber reden wir auf Deutsch.“ Wenn diese Mehrsprachigkeit frühzeitig gefördert wird, können die Kinder gleich mehrfach davon profitieren. Sie können dank einer Familiensprache bei den Abi-Fächer freier wählen, und sie finden leichter ins Deutsche hinein.

Ein Rucksack hat aber meist auch Seitentaschen. Und in die lassen sich zusätzliche Schätze des Förderprogramms stecken. Bei den Gruppentreffs im Kindergarten wird über Erziehungsfragen geredet. Die Bastelaufgaben, die die Mütter mit nach Hause nehmen, machen den Kindern Spaß, und die Eltern beschäftigen sich gleich noch intensiver mit ihrem Nachwuchs. Und nebenbei wird ihnen bewusst, was im Kindergarten für die Kinder gemacht wird.

Das Gravemannhaus liegt im Schöntal in Alt-Wetter. Die Menschen, die hier leben, haben Wurzlen in vielen verschiedenen Ländern. Bedarf für das Rucksack-Programm war also keine Frage. Aber auch andere KiTas können sich noch melden. Annette Bußmann hebt unter der Nummer 02336/93-2082 gerne ab.