Grundschul-Diskussion wird wegen Inklusion neu entfacht

Ausgerechnet die Grundschule Volmarstein in direkter Nähe zur Evangelischen Stiftung ist nicht barrierefrei zu erreichen.
Ausgerechnet die Grundschule Volmarstein in direkter Nähe zur Evangelischen Stiftung ist nicht barrierefrei zu erreichen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ausgehend von einer Anfrage zur Grundschule Volmarstein, soll die Stadtverwaltung Inklusionsbedingungen an allen Primar-Standorten in Wetter untersuchen.

Wetter..  Die Prüfung eines Einzelfalls könnte die große Diskussion um die Grundschul-Standorte in Wetter neu entfachen: Die Stadtverwaltung erhielt eine Inklusions-Anfrage, ob ein Kind mit Beeinträchtigung die Grundschule Volmarstein besuchen kann. Aufgrund der topographischen Lage und angesichts vieler Treppen dort sei das kaum möglich, erklärte nun Schulfachbereichsleiter Dietrich Thier den Fraktionen im zuständigen Ausschuss. Der folgte einstimmig dem Antrag, dass die Stadt nun alle Grundschulen auf Barrierefreiheit hin untersuchen soll.

„Wir haben bei diesem Thema viel Zeit verloren, nun ist es höchste Zeit“, sagte Rosi Wolf-Laberenz (SPD). Wie viele andere auch forderte Regina Lensing als beratendes Ausschuss-Mitglied und Leiterin des Grundschulverbunds Esborn-Wengern, dass alle Primar-Einrichtungen auf Inklusions-Bedingungen hin überprüft werden sollen, wobei dies auch Fragen zur Pflege und zu sanitären Möglichkeiten beinhalte. „Genau darüber soll nun ein Diskurs mit der Bevölkerung und der Politik beginnen“, meinte Thier. Er wies auf eine Untersuchung der Uni Dortmund hin, wonach kein Schulstandort absolut barrierefrei zu gestalten sei.

Karen Haltaufderheide von den Grünen forderte, dass für den Einzelfall ebenso eine Lösung her müsse wie auch Klarheit über die Zukunft der Grundschulstandorte herrschen sollte, ehe es Investitionen für einzelne Gebäude gibt und diese dann womöglich nach kurzer Zeit mangels Anmeldungen geschlossen werden müssen. Es sei utopisch, alle Grundschulen inklusiv auszustatten. „Wir sollten uns in ganz Wetter angucken, wo mit eventuell geringem Aufwand die größtmögliche Teilhabe hergestellt werden kann“, meinte Barbara Porepp (FDP). „Wir sollten prüfen, was in Volmarstein angesichts der Nähe zur Evangelischen Stiftung möglich ist oder ob andere Schulstandorte im Stadtgebiet einfacher den Inklusions-Anforderungen entsprechen könnten“, ergänzte Christiane Müller von der CDU.

Treppensteiger nicht zielführend

Ein vorläufiges Ergebnis stellte Thier nach ersten Analysen in Volmarstein vor. Die Schule dort sei nur über Treppen erreichbar, auch der Zugang von der Arndtstraße sei nicht rollstuhlgerecht. Mit dem Forschungsinstitut Technologie und Behinderung der Evangelischen Stiftung habe die Verwaltung geprüft, ob ein recht kostengünstiger Treppensteiger für ca. 60 000 Euro im Gebäude sinnvoll wäre. Das sei wenig zielführend, „und die angegebene Summe würde auch nicht ausreichen“, so Bürgermeister Frank Hasenberg. „Das Land NRW lässt uns bei dem schwierigen Thema Inklusion etwas im Stich.“ 38 000 Euro jährlich dafür seien zwar besser als nichts, aber auch nicht ausreichend.

Wie lange die Standort-Prüfung dauern werde, ist laut Verwaltung schwer abzuschätzen. Zumal auch ein Blick auf die Zahl der motorisch beeinträchtigen Kinder in Wetter (Thier: „Viele sind es wohl nicht“) sinnvoll sei. Wolf-Laberenz schlug vor, für ein Gesamtkonzept einen Arbeitskreis zu gründen, da der Ausschuss mit der Inklusion überfordert sei. Haltaufderheide hält das Fachforum Bildung für das passende Beratungs-Gremium, um u.a. Anmeldezahlen zu erfahren.