Grundkurs in Wald- und Naturkunde

Bei der 2. Sommertour der Redaktion führte Andreas Schmalenbeck durch Wald und Wiesen.
Bei der 2. Sommertour der Redaktion führte Andreas Schmalenbeck durch Wald und Wiesen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Bei der 2. Sommertour der Redaktion hat Jäger Andreas Schmalenbeck den Teilnehmern die Augen geöffnet: Für die Natur vor der Haustür. Zu sehen gab es Dachslöcher, Stollen und ein Skelett. Und dann hatte der Jäger noch einen Tipp für den nächsten Weihnachtsbaum-Kauf parat. „Fichte sticht, Tanne nicht. So kann ihnen niemand etwas Falsches verkaufen.“

Wetter.. Andreas Schmalenbeck blickt auf die Sandalen und Dreiviertelhosen der Dame und zieht die Augenbrauen hoch. Wiesen und Wald waren für die 2. Sommertour der Redaktion angekündigt. Doch die Wärme hat die Teilnehmerin verführt. „Brennnesseln sind gut gegen Rheuma. Und die Zecken finden wir dann schon“, sagt Schmalenbeck und lacht. Einen „kleinen Einblick“ in die Natur will der Jäger und Jagdaufseher an diesem Abend bieten. „Für eine umfassende Tour bräuchten wir ein Jahr!“

Es werden dann gut anderthalb Stunden, die die Gruppe aus Erwachsenen und Kindern durch Wald und Flur stapft. Anderthalb Stunden, in denen sie den Lebensraum des Dachses kennenlernen, auf vom Sturm zerzausten Kyrillflächen die Versuche der Waldbauern sehen, neue Pflanzen zu ziehen oder erfahren, dass man leckere Beeren am Waldrand lieber nicht pflücken sollte. „Der Fuchsbandwurm ist tödlich“, erklärt Andreas Schmalenbeck. Die Bandwurmeier fliegen mit dem Wind auf die Beeren. Isst man sie mit, kann sich der Parasit in der Leber einnisten. „Wenn man das feststellt, ist es zu spät“, so die eindringliche Warnung des Jägers.

Für die Natur die Augen öffnen

Doch Schmalenbeck will den Sommertour-Gästen keine Angst machen. Er will ihnen in der Natur die Augen öffnen für Dinge, die der normale Spaziergänger sonst nicht sieht. Dafür werden an einem Hang oberhalb seines Hofes kurzerhand ein paar Holunderzweige abgebrochen und die hoch wachsenden Brennnesseln niedergetreten. Durch die entstandene Lücke können die Wanderer die vom Dachs durchlöcherte Böschung sehen. „Das sieht darunter aus wie ein Schweizer Käse“, sagt Schmalenbeck und erzählt, dass der Bauer im vergangenen Jahr zwei Anhänger voll Erde aufschütten musste, damit seine Maschinen auf dem Feld nicht in die Dachslöcher einbrechen. „Und diese Erde ist schon wieder weg.“ Schmalenbeck hat also einen guten Grund, dem Dachs nachzustellen. Und er ist sich sicher. „Ich kriege ihn!“ Auf einem Feld gegenüber will er das Tier anfüttern. Mit Frolic und getrocknetem Obst, das mag der Allesfresser. „Und in einer Vollmondnacht bin ich dann auch da“, prophezeit der Jäger das Ende der gefährlichen Buddelei. „Warum denn bei Vollmond“, will einer wissen und vermutet, dass die Tiere dann vielleicht besonders gerne aus ihrem Bau kriechen. Doch Schmalenbeck lacht nur. „Weil es auch für einen Jäger nachts dunkel ist.“

Der Dachs ärgert den Jagdaufseher. Doch begegnet er dem Tier auch mit Respekt. Erzählt von den „Schaufeln“, mit denen der nachtaktive Dachs die Erde wegschiebt. Und von „20 Kilo reiner Muskelmasse“, aus denen das Tier bestehe. Der Ärger, den dieser scheue Geselle macht, steht aber in keinen Verhältnis zu dem, den menschliche Besucher in seinem Revier verursachen. „Tonnen von Müll hole ich aus dem Wald“, sagt Schmalenbeck. Ganze Lastwagenladungen mit giftigen Asbestplatten hätte sie ihm schon ins Revier gekippt. „Und keiner sieht es“, sagt der Jäger. „Doch wenn ich den Mist an die Straße lege, damit er abgeholt werden kann, wollen mich zehn Leute anzeigen.“

Quartier für Fledermäuse

So sehr sich Schmalenbeck über die Müllfrevler aufregen kann, so sehr kann er sich auch begeistern, wenn er zum Beispiel einen toten Baum zwischen ein paar Buchen entdeckt. „Den muss man unbedingt stehen lassen“, erklärt er und beschreibt die „Mieter“, die das Gehölz nach und nach nutzen. „Erst kommt der Specht, dann kleinere Vögel oder vielleicht eine Hohltaube, die bei uns sehr selten geworden ist“, sagt der Jäger. „Und zum Schluss nutzen Fledermäuse einen solchen Baum als Quartier.“ Obdach finden diese nachtaktiven Tiere auch in einem alten Stollen, dessen Eingang Schmalenbeck extra für die Sommertour freigelegt hat. „Sonst ist hier so viel Gebüsch, dass den Zugang niemand findet.“ Der Schlehbuscher Erbstollen zeugt von der Bergbauvergangenheit der Region, führt von Wengern bis nach Silschede. „Da kam man aus der Kneipe ungesehen von Esborn nach Wengern“, nennt Schmalenbeck einen „Nutzen“ des alten Stollens. Doch auch Schmuggeler und Wilddiebe hätten die Gänge genutzt. Letztere kommen heute eher mit dem allradgetriebenen Auto in den Wald. „Da muss man sehr vorsichtig sein, wenn einem nachts plötzlich ein Wagen begegnet.“ Geschossen würde aber längst nicht mehr aus der Notwendigkeit heraus, eine Familie zu ernähren. Sondern aus „Trophäensucht“.

Ob geschossen oder nicht, das lässt sich bei dem Tier, das die voraus laufenden Kinder auf einer Wiesen finden, nicht mehr beurteilen. Nur noch Knochen liegen dort. „Ein Reh“, identifiziert Schmalenbeck. „Da haben Fuchs und Co. ganze Arbeit geleistet, die Knochen abzunagen.“ Der Kadaver wird von den Sommertour-Teilnehmern staunend begutachtet und im Kopf von Andreas Schmalenbeck auf die Abschussliste gesetzt. Geschossen hat er zwar nicht, doch das Tier fehlt im Revier.

Dass es dennoch genügend gibt, zeigt der Jagdaufseher an den jungen Bäumen rechts und links. „Die Triebe werden abgefressen und die Rehböcke scheuern sich den Bast vom Geweih.“ Übrig bleibt ein Krüppel, der für die Holzwirtschaft verloren ist. „Das ist ein Grund, warum Jäger Rehe schießen müssen“, erklärt Schmalenbeck. Doch für den das Jäger ist das „kein Hobby “. „Ich schieße nicht aus Spaß Tiere tot, die Jagd ist vielmehr eine Verpflichtung der Natur gegenüber.“