Grünes Licht für Herdecker Narren

Die Groheka feierte im Zweibrücker Hof.
Die Groheka feierte im Zweibrücker Hof.
Foto: Sarah Müller
Bei der traditionellen Prunksitzung der Groheka gab es reichlich Show auf der Bühne und viel Spaß im Saal. Wer ein echter Narr ist, muss im Ruhrfestsaal mitschunkeln.

Herdecke..  Die Ampel an der Bühne springt auf grün. Das Publikum bekommt davon fast nichts mit. Wenn Wolfgang Kohlstedt die kleine Fernbedienung in seiner Hosentasche drückt, ist das das Zeichen für die Tanzgruppen, Büttenredner und alle anderen geladenen Gäste. Nun dürfen sie sich bereit machen für ihren Einmarsch in den mit Luftschlangen aufgehübschten Ruhrfestsaal im Zweibrücker Hof.

Das Hagener Prinzenpaar macht den Anfang. Schaut man Prinzessin Melanie I. und Prinz Thorsten I. genau ins Gesicht, zeichnen sich unleugbar zart bläuliche Schatten unter ihren Augen ab. Kein Wunder, in der Hochphase der fünften Jahreszeit häufen sich die Auftritte. Um halb neun morgens hatten sie ihren ersten an diesem Freitag. Wenn sie im Zweibrücker Hof von der Bühne gehen, steigt die Entourage wieder in den Kleinbus und fährt zur nächsten Station. Doch in Herdecke erwartet sie eine Art Heimspiel, auf das sich besonders Kinderprinz Fabio I., ein Herdecker Jung, freut. Er bekommt besonders viel Applaus, als er seine Prinzessin Sarah III. auf der Bühne zum Tanz auffordert.

Entertainment aus dem Rheinland

Der Abend ist stramm getaktet. Nach 20 Minuten Programm greift schon der nächste Künstler zum Mikrofon. „Habt ihr Lust zu feiern?“, grölt Sänger Guido Westermann in den Saal. Und der jecke Kern der Stadt hat große Lust. Viele stehen auf, Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster klatscht im Takt. Textsicher klinken sich Vogelscheuchen, aufreizende Krankenschwestern und Hippies in den Refrain der beliebten Karnevalskracher ein. Guido Westermann versteht es, sein Publikum zum Tanzen zu bringen. Er hat Frontmann-Qualitäten wie die Großen, lässt die Hüften kreisen, reißt die Arme in die Luft, wirbelt an der richtigen Stelle mit seinen Fans in der ersten Reihe um die Wette, wie die Höhner oder Brings es vormachen. Die Kölner Band um Frontmann Peter Brings hat der Vize-Geschäftsführer der Ersten Großen Herdecker Karnevalsgesellschaft, Klaus Runge, einige Tage vorher noch live gesehen, bei einer Prunksitzung im Kölner Stadtteil Mülheim. Ob sie nicht auch nach Herdecke kommen könnten, habe er gefragt, im Spaß 10 000 Euro Gage geboten. Da sei nichts zu machen, sagte man ihm. An Karneval schafft es die Band wohl kaum bis auf die rechte Rheinseite, so voll ist der Zeitplan.

Beim kölschen „Vingströsche“ alias Sabine Matscheroth hat es geklappt. Was sich westfälisch als Pfingströschen übersetzen lässt, ist der Liebe wegen nach Herdecke gefahren, verrät sie im Programm: „Einen neuen Mann findest du in Köln, aber für ´nen echten Kerl musst du schon nach Herdecke fahren.“ Ein Mann mit glitzerndem Hut im Publikum hat es ihr besonders angetan. Doch den interessiert in diesem Moment vor allem ein Sportergebnis. „Drei zu zwei“, schallt es mitten in Pfingströschens Pointe. Gemeint ist das Fußballspiel Dortmund gegen Mainz, das dann 4:2 zu Ende ging.

„Wir sind echte Karnevalsfans“, sagt Wolfgang Stodt, aber ein bisschen Fußball schade ja nicht. Als das Spiel gelaufen ist, genießt er besonders den Auftritt der Stimmungsmacher „Die Landeier“ aus Harsewinkel. Sie haben für ihre Gesangs-Show auf Hoch- und Plattdeutsch schon einige Auszeichnungen abgeräumt, zuletzt machten sie den 4. Platz im „WDR 4-Jeckduell 2013“ und sind zweifacher Gesamtsieger der „Närrischen Hitparade“ im WDR.

Imitatoren und Bauchredner

Und auch der Tanzkorps „Rheinflotte“ aus Köln-Ehrenfeld oder die Tanzgruppe „Rote Husaren Manheim“ aus Kerpen bringen den Saal zum Staunen. Die Tanzmariechen fliegen mit gespreizten Beinen von einer Bühnenecke in die andere und sind nach ihrem Auftritt mindestens genauso verschwitzt wie das Team von Jürgen Klopp nach 90 Minuten auf dem Platz.

Sänger und Bauchredner Marcus Magnus schmettert seine Version von Helene Fischers „Atemlos“ ähnlich humorvoll wie Partykracher von Udo Jürgens und Mickie Krause. Er ist eben ein echter Alrounder, genau so wie die Parodiekünstler rund um Angela Rosenbaum. Sie imitieren Künstler wie Tina Turner, Michael Jackson, Shakira, Milli Vanilli und die Wildecker Herzbuben gleichermaßen überzogen, mit viel Witz und Charme. Die Tanzmariechen des Elseyer TV Thea Voegele und Alicia Kreienbrink dehnen und drehen sich mit Spagat und Pirouette um die Wette. Und schließlich trommeln die „Drommelköppe“ zur großen After-Show-Party.

Ein Jahr Vorbereitung

Ein Jahr Arbeit steckt jedes Mal in der großen Prunksitzung. Ein Job, den Klaus Runge fast allein übernimmt. „Das hat er wieder super gemacht“, lobt ihn der Moderator des Abends, Thomas Piwarski, der auf der Bühne die Ruhe bewahrt, auch wenn der Zeitplan mal wieder hinterherhinkt. Kein Wunder, denn ohne Zugabe geht an diesem Abend kaum einer von der Bühne.