Gott hat gut lachen

Helau und Alaaf! Kamelle! Wolle mer se reinlasse? In diesen Tagen ist sie auf dem Höhepunkt, die fünfte Jahreszeit. Die Narren sind los, und niemand kommt an den Jecken mit den Pappnasen und den bunten Kostümen, den Büttenreden und den Tanzmariechen vorbei.


In diesem Jahr stehen die Karnevalsfeiern unter dem Eindruck der Anschläge auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Denn die Pariser Karikaturisten und die rheinischen Karnevalisten haben einiges gemeinsam: Ihnen ist nichts heilig. Sie nehmen alles aufs Korn, sie lästern, sie ätzen. Sie treiben Spott – auch gerne mal mit Gott. Dürfen die das, wird nun gefragt. Darf man sich denn wirklich über alles und jedes lustig machen? Und ist das nicht blasphemisch, wird denn da nicht Gott beleidigt?


Meine Antwort: Gott, so wie ich ihn kenne, ist lange nicht so beleidigt wie die meisten Menschen, die über seine Erde laufen. Er verfügt über einen schier grenzenlosen Humor und findet zwar manches, was über ihn gedacht und gesagt wird, nicht sonderlich niveauvoll. Aber da steht er drüber in seiner Allmacht und seiner außerordentlichen Barmherzigkeit. Mit seiner grundlosen Güte begegnet er gelassen allen Moralaposteln und Fundamentalisten jedweder Religion und Weltanschauung. Er ist viel zu groß, als dass er sich von einem Mottowagen beim Karneval oder von einer Karikatur mit spitzer Feder beleidigen ließe. Insofern, ihr Karnevalisten: Bindet euch die Pappnase, aber nicht den Maulkorb um. Provoziert, spitzt zu, treibt eure Späße. Gott hat seinen Spaß daran, bestimmt. Gerüchteweise soll er neulich über folgenden Witz sehr gelacht haben:


Kommt ein evangelischer Pfarrer in den Himmel. Petrus übergibt ihm, weil er sein Lebtag das Evangelium treu verkündet hat, einen VW Käfer. Er freut sich und fährt auf der Milchstraße spazieren. Plötzlich überholt ihn ein Mercedes, den ein katholischer Priester lenkt. Er kehrt sofort um und fragt Petrus, wieso der katholische Pfarrer einen so viel teureren Wagen hat. Petrus weist ihn darauf hin, dass sein Kollege nicht heiraten durfte und die himmlische Gerechtigkeit das eben ausgleiche. Das sieht er ein. Kurz danach zischt zu seiner Verblüffung ein Rabbiner mit wehendem Bart im chromglitzernden Straßenkreuzer mit offenem Verdeck an ihm vorbei. Entrüstet spricht er Petrus darauf an, da der jüdische Geistliche doch auch heiraten durfte, doch dieser erwidert nur: „Da kann ich nichts machen, das ist Verwandtschaft vom Chef!“