Geschäftsmann aus Wetter zeigt Flagge im Schaufenster

Bekenntnis im Schaufenster seiner Tinten-Toner-Station: Joachim Raidt hat das Plakat ausgedruckt.
Bekenntnis im Schaufenster seiner Tinten-Toner-Station: Joachim Raidt hat das Plakat ausgedruckt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Joachim Raidt setzt in Wetter ein Zeichen der Verbundenheit mit „Charlie Hebdo“. Und skypt mit seiner Freundin in Paris.

Wetter..  Normalerweise ist sein Schaufenster eher besonderen Angeboten vorbehalten. Seit ein paar Tagen hängt auch ein politisches Bekenntnis hinter Glas im Tinten-Toner-Laden an der Kaiserstraße. Drei Worte sind es nur, und doch machen sie Joachim Raidt zum Mitglied einer weltweiten Gemeinschaft. „Je suis Charlie“, hat sein Drucker in großen Lettern auf einen weißen Bogen geschrieben.

Braucht es Mut, diesen Protest gegen den Anschlag auf die Pariser Satire-Zeitschrift so offen zur Schau zu stellen? Nein, sagt Joachim Raidt. Ihn wundert eher, dass nicht mehr Geschäftsleute und Dienstleister mit einem einfachen Aufkleber zeigen, wie sehr sie das Attentat entsetzt hat.

Auf Suche nach dem jüngsten Heft

Joachim Raidt hat schon nach Paris geblickt, als die Bilder der verwüsteten Redaktion von „Charlie Hebdo“ noch nicht über die Monitore flimmerten. „Ich bin mit einer Französin liiert“, sagt Raidt erklärend. Bis in den späten Abend musste er sich am Tag des Anschlags gedulden, bis er über den Bildschirmtelefondienst Skype mit seiner Freundin über das Unfassbare reden konnte. Gar nicht einmal so weit weg von ihrer Arbeitsstätte war das Attentat verübt worden. Die Arbeitsstätte ist die Uni, und so kamen die Studenten wegen der Polizeisperren nur noch verspätet, wenn überhaupt zu den Vorlesungen der Dozentin. Bei den Kundgebungen gegen die Gewalttat war sie selbstverständlich dabei. Joachim Raidt musste in seinem Laden bleiben.

„Die Zeitschrift Charlie Hebdo ist in Frankreich ein Begriff“, weiß Raidt aus eigener Lektüre. „Ich kannte sie vorher schon.“ In Wetter hat er sich bislang noch nicht nach einer Ausgabe erkundigt. Das lag trotz der relativen Bekanntheit des Satire-Blattes ja auch nicht nahe. Das ist nun, nach dem Anschlag von voriger Woche, etwas Anderes. „Ich werde nachfragen“, kündigt Joachim Raidt für das Wochenende an. Dann sollen auch in Deutschland Exemplare der jüngsten Ausgabe von „Charlie Hebdo“ in den Handel gelangen. Kommt er in Wetter nicht zum Zuge, weil andere vielleicht schneller waren oder Wetter gar nicht auf dem Verteiler der Lieferanten steht, wird er in Hagen schauen. Größere Kioske wie der Bahnhofskiosk in der Nachbarstadt sollen beliefert werden, hat er gehört.

Ein freundliches Angebot

Vielleicht ist Joachim Raidt am Ende ja erfolgreicher als seine Freundin Martine. In Paris jedenfalls waren trotz der auf fünf Millionen angehobenen Auflage alle Exemplare vergriffen.

Nachdrucken geht nicht so einfach. Jedenfalls nicht so einfach wie bei einem weiteren Mini-Plakat mit der Aufschrift „Je suis Charlie“. Wer einen Ausdruck haben möchte für seine Schaufenster oder die Autoscheibe, kann zu Raidt in den Laden kommen. „Ich mache das gerne.“