Geröll bremst Radwegebau in Wengern aus

Viel Natur: Der Radweg von Ruhr zu Ruhr führt über den Viadukt in Wengern. Davor und danach müssen nun Hänge gesichert werden.
Viel Natur: Der Radweg von Ruhr zu Ruhr führt über den Viadukt in Wengern. Davor und danach müssen nun Hänge gesichert werden.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Der Landesbetrieb Straßen NRW muss Hänge rechts und links der alten Bahntrasse sichern. Das verzögert den Radweg-Ausbau.

Wetter..  Die alte Bahntrasse zwischen Wengern und Silschede ist eine idyllische Strecke: Sie führt im Wald durch enge Schluchten und über das historische Viadukt in Wengern. Wo früher die Elbschetalbahn dampfend durch die Landschaft rollte, sollen bald Radfahrer unterwegs sein. Doch die Arbeiten am Lückenschluss zur Rundstrecke „Von Ruhr zu Ruhr“ verzögern sich noch weiter.

Hunderte Bäume gefällt

Über den Winter mussten auf 7000 Quadratmetern mehrere hundert Bäume gefällt werden. Eine Arbeit, die aufwendiger geriet, als geplant: „Es gab sehr viele morsche Bäume und einige Schwierigkeiten beim Abtransport des Holzeinschnitts“, erklärte Jürgen Heidenreich, Straßenplaner des Landesbetriebes Straßenbau. Das Ziel, noch in diesem Jahr erste Teile des Radwegs zu asphaltieren, sei damit wohl nicht mehr zu erfüllen. Denn zunächst muss die Strecke noch gegen eine andere Gefahr gesichert werden: Für die alte Bahntrasse wurden teilweise Schluchten in den Fels getrieben. Die Wände sind noch ungesichert, Felsen und Geröll könnten auf den Radweg fallen.

„Wir haben Anfang Mai damit begonnen, erste Geröll-Wälle aufzuschichten, die herunterrollende Steine aufhalten sollen“, so Heidenreich. In den kommenden Wochen sollen über 600 Felsnägel tief in den Berg getrieben werden, an denen hochfeste Drahtnetze befestigt werden. Außerdem werden rund 60 Fangschürzen installiert, die den Radweg ebenfalls vor losem Gestein schützen sollen. Auch so genannte Verwallungen können die Nutzer des künftigen Radweges vor herabkullernden Steinen und Ästen schützen. Vor Ort muss jeweils entschieden werden, welche Form des Schutzes an welcher Stelle sinnvoll ist.

Doch auch bei diesen Arbeiten könnte es noch Schwierigkeiten geben. Denn nach einer Vorschrift des Ennepe-Ruhr-Kreises muss es bei derartigen Arbeiten eine ökologische Baubegleitung geben. Das extra beauftragte Ingenieurbüro Ökoplan aus Essen kontrolliert vor Beginn der Felsarbeiten, ob in dem betreffenden Bereich Tiere nisten oder seltene Pflanzen gefährdet sind. „Notfalls müssen dann die Arbeiten an den einzelnen Stellen anders gestaltet werden“, sagt Heidenreich.

Ökologische Baubegleitung

Schon bei den Baumfällarbeiten war diese ökologische Baubegleitung vor Ort. Um zu verhindern, dass sich vor Beginn der Felsarbeiten Tiere neu ansiedeln, wurden kleinere Höhlen und Löcher, die eindeutig nicht bewohnt waren, mit Gestein aufgefüllt. Eine aufwändige Prozedur, musste doch jeder Baum von einem Baumkletterer bestiegen werden. Vor allem Fledermäuse überwintern in hohlen Baumstämmen. Diese Tiere können sich bei niedrigen Temperaturen nicht bewegen. „Ist ein Baum belegt, darf er nicht gefällt werden“, sagt Thomas Kordges von Ökoplan.

Der Diplom-Ökologe begleitet die Planung und den Bau der Trasse bereits seit längerem. Und weil immer wieder unvorhergesehene Arbeiten anstehen, muss Kordges sich immer wieder aufs Neue mit dem Leben rechts und links des geplanten Radweges auseinander setzen. „Es geht darum, so viel Natur wie möglich zu erhalten.“