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Gericht macht kurzen Prozess

30.05.2012 | 15:54 Uhr
Gericht macht kurzen Prozess
Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit. Diese Bronzefigur steht in der Kanzlei Arden Voß bei dem Rechtsanwalt Frank Engel in Kleve. Foto: Kurt Michelis WAZ / FotoPool

Wetter . Eine mysteriöse Auseinandersetzung zwischen zwei Männern in Wengern gab dem Amtsgericht jetzt Rätsel auf. Ein 32-jähriger Mann aus Wetter sollte sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Doch, er war sich keiner Schuld bewusst und das vermeintliche Opfer verblüffte mit widersprüchlichen Angaben. Die Wahrheit blieb im Dunkeln.

Am Abend des 23. März sollte der bis dato völlig unbescholtene Wetteraner einen Rentner, der ihm auf der Fabriciusstraße entgegenkam, mit mehreren Faustschlägen ins Gesicht traktiert und auf den dann am Boden liegenden Mann eingetreten haben. Fakt ist, dass sich der Rentner unter anderem einen Bruch des Handgelenks zugezogen hatte.

Die Version des Angeklagten klang vor Gericht „etwas“ anders: Der Mann sei ihm tatsächlich entgegen gekommen und, obwohl er bereits an den Rand des Gehsteigs ausgewichen sei, habe der ihm einen Eimer vor sein Bein geschlagen – und zwar mit Absicht. Also habe er eine Entschuldigung gefordert. Doch anstelle dessen habe ihm der Fremde auch noch eine „geschmiert“. Daraufhin habe er zurückgeschlagen. Bei der ganzen Aktion habe er seine Brille verloren, habe sich Hilfe holen müssen, um sie wieder zu finden. Ob der Gegner gestürzt sei, das wisse er nicht. Auch sei ihm nicht bekannt, ob sich der Rentner die Hand gebrochen habe. Fest stehe, dass er ihn keinesfalls getreten habe. Das aggressive Verhalten des Anderen könne er ohnehin nicht nachvollziehen. Und: Mittlerweile könne er dem Gericht mindestens zehn Zeugen dafür nennen, dass sich der Rentner dort für den „Sheriff“ halte.

Eine Zeugin, die selbst bereits schlechte Erfahrungen mit dem älteren Mann gemacht haben will, bestätigte im Zeugenstand, den absichtlichen Schlag mit dem Eimer gesehen zu haben. Während beide Männer danach aufeinander losgegangen seien, sei sie in eine Gaststätte gegangen und habe die anderen Gäste darüber informiert, dass draußen gerade eine Klopperei beginne. Ein weiterer Zeuge – ebenfalls Besucher des Lokals - erinnerte sich, dem Angeklagten bei der Suche nach der Brille geholfen zu haben. Die habe neun bis zehn Meter entfernt gelegen.

Der Rentner indes beharrte darauf, Opfer eines brutalen Angriffs geworden zu sein. Nur versehentlich habe er den Angeklagten mit dem Eimer getroffen. Der habe ihn geschlagen und getreten „wie einen Hund“. Noch heute schmerze seine Hand. Er selbst habe den Angreifer nicht attackiert. Merkwürdig allerdings, dass der 73-Jährige bei der polizeilichen Vernehmung eine ganz andere Version der Ereignisse geschildert hatte.

Letztendlich stand es Aussage gegen Aussage. Was tatsächlich geschehen war, ließ sich nicht aufklären. Das Gericht machte deswegen im wahrsten Sinne des Wortes kurzen Prozess und stellte das Verfahren gegen den 32-jährigen Wetteraner ein – ohne Auflagen und auf Kosten der Landeskasse.

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