Gemeinde in Wetter spürt Sparzwang der Kirche

Was wir bereits wissen
Die Kirche spart, auch an den Seelsorgern. Das bekommt nun, nach dem Weggang von Pfarrer Martin Treichel, die evangelische Kirchengemeinde in Wengern zu spüren.

Wengern..  Es ist eine Entwicklung, die auch in Wengern nicht unerwartet kommt: weniger Pfarrer versorgen mehr Gläubige. Und das, weil immer weniger Menschen Mitglied der evangelischen Kirche sind. Ein Widerspruch? Nein, denn die Kirche spart, auch an den Seelsorgern, wenn die Einnahmen zurückgehen.

Mehr Zeit für Organisatorisches

Bislang war Wengern von den Veränderungen, die anderswo längst greifen, nicht betroffen. „Wir hatten zwei Pfarrer, wenn auch nicht mit zwei vollen Stellen“, sagt Uli Mörchen.

Seit dem Weggang von Martin Treichel zur Evangelischen Männerarbeit in Schwerte ist der 51-Jährige allein in Wengern und hätte 3600 Menschen in Wengern und Esborn seelsorgerisch betreuen müssen. Das ist zu viel, ein „Viertel“ Pfarrer stünde der Gemeinde noch zu. Doch eine solche Stelle lässt sich kaum besetzen, zumal anderswo im Kirchenkreis Kapazitäten frei waren. Seit 1. April ist darum Pfarrer Jürgen Krüger für einen neu gebildeten Seelsorgebezirk zuständig. Er übernimmt in den Bereichen Trienendorf, Jageplatz und Höltken Beerdigungen, Taufen, Trauungen und Besuche für 900 Gemeindeglieder und hält ab 2016 einmal im Monat einen Gottesdienst in der Dorfkirche.

Damit ist aber nicht wieder alles beim Alten, denn die komplette Geschäftsführung der Gemeinde liegt nun in den Händen von Uli Mörchen. Für den engagierten Pfarrer bedeutet das, dass er mehr Zeit mit Organisatorischem verbringen muss und so „weniger Zeit für die Menschen“ hat. Ein Umstand, der ihm nicht behagt. Geht es ihm doch in seinem Beruf weniger ums Geschäft als um die Menschen und ihre Sorgen und Nöte. Seelsorge, das ist es, was der Pfarrer betreiben will. „Doch dafür bleibt weniger Raum.“

Offensichtlich wird das, wenn es zum Beispiel um die Beerdigung eines langjährigen Gemeindegliedes geht. Zieht ein ältererer Mensch in ein Seniorenheim in einer anderen Gemeinde um und stirbt dort, ist der Wengeraner Pfarrer nicht mehr zuständig. Bislang wurde auf diese Formalien nicht so sehr geschaut, man hat Ausnahmen gemacht. „Das ist nun nicht mehr möglich“, bedauert Mörchen. Sein Bedauern hat er auch im Gemeindebrief öffentlich gemacht mit dem Hinweis, dass solche Absagen nicht durch „Böswilligkeit, Faulheit oder Gefühllosigkeiten der Pfarrer“ motiviert seien. „Viele Menschen erwarten von uns, dass es so weiter geht wie zuvor“, sagt Mörchen. Doch das sei nicht mehr zu leisten.

Für die Zukunft müssen also nun auch die evangelischen Gemeinden zusammenrücken und mit weniger Pfarrern auskommen. Für Katholiken ist das bereits geübte Praxis, dort werden die Gemeindebezirke demnächst noch weiter gefasst.

In Wengern macht man den ersten Schritt bei den Konfirmanden, für die eine gemeinsame Freizeit geplant ist. „Weitere Zusammenarbeit wird sich ergeben“, ist sich Pfarrer Uli Mörchen sicher. Doch sieht er auch Probleme. Denn anders als vielleicht im Ruhrgebiet liegen die zum Pfarrbezirk gehörenden Ortschaften Wengern, Bommern und Herbede weit von einander entfernt.

Kontakt zur Kirche gefährdet

Pfarrer Ulrich Mörchen will mit Zuversicht in die Zukunft seiner Gemeinde blicken, die grundsätzlichen Entscheidungen, auch bei der Seelsorge Stellen einzusparen, sieht er allerdings kritisch. So gehe der Kontakt zu den Menschen verloren. Und die Menschen verlieren den Kontakt zur Kirche. Eine Spirale, die möglicherweise weiter abwärts führe.