Gemeinde Grundschöttel geht neue Wege

Singen in der Kirche – im klassischen Chor funktioniert das nicht mehr überall. Die Gemeinde Grundschöttel reagiert und gründet einen Projektchor.
Singen in der Kirche – im klassischen Chor funktioniert das nicht mehr überall. Die Gemeinde Grundschöttel reagiert und gründet einen Projektchor.
Foto: WR
Leere Kirchen, weniger Mitglieder - die Ev. Kirche debattiert über die Verschiebung der Gottesdienste. In Grundschöttel reagiert man schon auf neue Lebensgewohnheiten und sucht nun den Superchor.

Grundschöttel..  „WSDS, Wir suchen den Superchor“ heißt es auf dem kleinen Handzettel. Sänger und Sängerinnen im Alter von „4 bis 94“ sind gesucht. Nicht für immer, sondern für einen begrenzten Zeitraum. Die Evangelische Gemeinde in Grundschöttel will zum Sommerfest stimmstarke Unterstützung haben und möchte den kleinen Kinderchor darum ein wenig ausbauen. „Wir machen die Erfahrung, dass Menschen immer weniger Zeit für langfristiges Engagement haben“, sagt Pfarrer Thorsten Christian Hansen. Also reagiert die Gemeinde und lädt zum Singen auf Zeit ein.

Von Anfang Juni bis Ende August treffen sich die Sänger immer montags im Gemeindezentrum an der Steinkampstraße, um unter der Leitung von Anne Heibing Lieder einzustudieren. Als Thema ist dabei das Motto des Gemeindefestes – Afrika – vorgegeben. „Notenkenntnisse sind nicht erforderlich, Englischkenntnisse auch nicht“, macht Pfarrer Hansen auch denen Mut mitzusingen, die bislang noch keine Chorerfahrung haben.

Grundsätzlich macht der Seelsorger die Erfahrung, dass die geänderten Lebensgewohnheiten auch das Gemeindeleben beeinflussen. „Wir schaffen es eigentlich nur noch mit zeitlich begrenzten Projekten, Menschen zu binden“, so Hansen. Und das gelte auch schon für Kinder und Jugendliche. Der Offene Ganztag in der Grundschule oder Nachmittagsunterricht in der weiterführenden Schule würde schon bei den Jüngsten Zeit binden. Dazu kämen Sport oder auch Musikunterricht, „und da bleibt für die Gemeinde immer weniger“.

Auch das Heilige wird gewünscht

Dass sich sowohl Gemeindearbeit als auch Kirche in ihren Ritualen ändern muss, davon ist Pfarrer Hansen überzeugt. „Ich weiß nicht, wie unsere Arbeit in zehn Jahren aussieht“, sagt er. Dass mit dem bisherigen Ansatz der Nachwuchs in der Gemeinde nicht zu halten ist, davon ist er aber überzeugt. „Vielleicht können uns solche Projekte helfen, die Menschen wieder in den Raum Kirche zu holen“, hofft Hansen. Dann könnten sie erkennen, dass schon jetzt vieles moderner und offener präsentiert wird. „Es gibt tatsächlich so etwas wie eine Schwelle, die überschritten werden muss“, sagt Hansen. Menschen stellten sich Kirche oft als einen ausschließlich sakralen und heiligen Raum vor, in dem das Leben nur wenig Platz hat.

Dass andere Gemeinden, die sich weit mehr in Gruppenarbeit und Projekten organisieren, mehr Zulauf haben, weiß Hansen. Doch auch dort gibt es Probleme, weil sich Kirche auch nicht zu weit von den ursprünglichen Werten entfernen darf. „Die Menschen wollen trotz allem das Gefühl haben, in Kontakt zum Heiligen zu kommen.“ Ein Weg kann da das Singen sein, da ist Hansen überzeugt. Und vielleicht erwächst aus dem ersten Projekt ein zweites. „Es wäre schön, wenn wir uns dann ein paar Wochen vor Weihnachten alle wieder zusammenfinden und für den Festgottesdienst einen Chor auf Zeit bilden.“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE