Geliebte Söhne und Töchter

Wenn ich ein Baby oder ein kleines Kind taufe, geht mir oft durch den Kopf: Was wird aus diesem Kind einmal werden? Was wird es gerne machen, wenn es groß ist? Gerne um den Sportplatz laufen? Knifflige Rätsel lösen? Chinesisch lernen oder Experimente lieben? Wird es Grillkünstler werden, Klavierspieler oder Fußballfan? Wird es gerne auf Menschen zugehen oder eher zurückhaltend sein?

Die Taufe zeigt uns, dass Gottes „Ja“ am Anfang des Lebens steht: vor allem Ja oder Nein, das wir selbst sagen, vor allem, was wir entdecken oder leisten, vor jeder Bewertung, die früher oder später das Leben prägt. Jeder kennt den abschätzenden Blick und das „Gefällt mir“ Zeichen. Welche Beurteilung auch immer wir erfahren, in welcher Schublade wir bei anderen landen, was auch immer unser Selbstbewusstsein anknabbert . . . dieses „Ja“ Gottes gilt - das ganze Leben lang.

Am Freitag gab es Zeugnisse. Für einige Schüler eine Bestätigung ihrer Fähigkeiten, für andere eine deutliche Kritik ihrer Leistung. Jeder muss mit Bewertungen leben - im Beruf, in der Familie, im Freundeskreis und von Menschen, die einfach so einen Spruch loslassen.

Wenn es mal dicke kommt, dann tut es gut, sich zu erinnern: „Ich bin getauft.“ Klar, wer als Baby oder Kleinkind getauft wurde, kann sich nicht an die Taufe selbst erinnern. Aber jeder kann sich die Bedeutung der eigenen Taufe bewusst machen: Gott sagt zu mir: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich Wohlgefallen“.

Vielleicht gelingt es mir sogar, bei dem Menschen neben mir, - der so anders ist als ich, der sich anders verhält, anders denkt, anders glaubt, - nicht gleich den Daumen nach unten zu machen, sondern ihn durch diese Brille anzusehen: Er oder sie ist ein geliebtes Kind Gottes - wie ich.