Geldstrafe nach Postschalter-Besuch mit falschem Pass

Vor dem Amtsgericht musste sich jetzt ein 37-Jähriger wegen Vorlage eines falschen Passes verantworten.
Vor dem Amtsgericht musste sich jetzt ein 37-Jähriger wegen Vorlage eines falschen Passes verantworten.
Foto: Agentur SchirmerHartmannTheobald
Was wir bereits wissen
Mit einem falschen Pass wollte ein 37-Jähriger ein Paket in einer Postfiliale Wetter abholen und wurde dabei von einer Mitarbeiterin erwischt. Auf der Flucht soll er die Frau brutal attackiert haben. Das Gericht sah das anders.

Wetter..  Von einer Mitarbeiterin der Postfiliale in Wetter bei dem Versuch erwischt, mit einem falschen Pass ein Paket abzuholen, trat ein 37-Jähriger die Flucht an. Dabei sollte er die Angestellte brutal attackiert haben. Mehrfach beteuerte er vor dem Amtsgericht Wetter, der Frau nichts getan zu haben. Letztlich mit Erfolg: Das unendliche Verfahren endete jetzt zum Teil mit einem Freispruch.

Rückblende: Mit einem niederländischen Pass tauchte der Wuppertaler am Vormittag des 18. März in der Postfiliale auf und forderte die junge Frau hinter dem Schalter auf, ihm das Paket auszuhändigen. Die erkannte die Fälschung sofort, versuchte den 37-Jährigen hinzuhalten und informierte unterdessen die Polizei.

Flucht Richtung Bahnhof

Allerdings wurde der Mann misstrauisch, nahm den Ausweis wieder an sich und türmte – verfolgt von der Angestellten. Im Bereich einer Bushaltestelle am Bahnhof, so zumindest der Vorwurf, sollte er ihr dann sein Knie in den Bauch gerammt haben, um sie endlich abzuschütteln. Anschließend verschwand er auf den Gleisen in Richtung Witten. Der mutmaßliche Fälscher und Angreifer wurde später aber dennoch gefasst.

Vor Gericht räumte der Angeklagte den Gebrauch des gefälschten Passes ein, bestritt jedoch, seine Verfolgerin misshandelt zu haben. Und das versicherte er im Laufe der letzten Monate regelmäßig, da sein Verfahren immer wieder neu aufgerollt werden musste.

Dafür verantwortlich war die junge Frau, die sein Verfahren überhaupt erst in Gang gebracht hatte. Bei der ersten Verhandlung befand sie sich im Urlaub, und beim zweiten Mal zog sie es offenbar vor, lieber zur Arbeit zu gehen. Erst die Ankündigung, dass sie ansonsten vorgeführt würde, konnte die 19-Jährige eines Besseren belehren.

Als der Fall jetzt zum dritten Mal aufgerollt wurde, erschien sie zitternd und weinend im Zeugenstand. Dort wiederholte sie ihren Vorwurf, dass ihr der Angeklagte das Knie in den Bauch gerammt habe und sie daraufhin zusammengebrochen sei. Ein Zeuge, der damals ebenfalls die Verfolgung aufnahm, erklärte, dass er zumindest keinen Kniestoß gesehen habe. Und, so gab er durchaus logisch zu bedenken, es ergebe für den Mann doch auch keinen Sinn, auf die Frau zu warten, sie zu attackieren und dann weiterzulaufen.

Das Gericht sah es ähnlich. Wegen der Urkundenfälschung wurde der bereits einschlägig vorbestrafte Wuppertaler zu 120 Tagessätzen à 15 Euro Geldstrafe verurteilt, vom Vorwurf der Körperverletzung wurde er freigesprochen.

Fehlende Ausdauer

Es sei durchaus möglich, so Richter Heinz-Dieter Beckmann, dass die junge Frau auf Grund ihres hohen Blutdrucks und fehlender Ausdauer zusammengebrochen sei und dann vielleicht gedacht habe, der Angeklagte habe sie angegriffen. Tatsächlich, so Beckmann, hätte der Flüchtende keinen Grund gehabt, anzuhalten und die Zeugin zu attackieren.