Gedenkstunde gegen die Gleichgültigkeit

70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gab es am alten jüdischen Friedhof in Herdecke eine Gedenkveranstaltung.
70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gab es am alten jüdischen Friedhof in Herdecke eine Gedenkveranstaltung.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird der Herdecker Opfer des Rassenwahns gedacht

Herdecke..  So viel Leben wie in den letzten Monaten hat es auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof an der Bahnhofstraße in Jahrzehnten nicht gegeben: Die Erinnerung an die Reichspogromnacht vor 75 Jahren, die Enthüllung der Gedenktafel für die Herdecker Opfer des Holocaust – und ganz aktuell die Worte der Mahnung 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Ist das nicht am Ende ein bisschen zu viel des Gedenkens, fragte Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster in ihrer kurzen Ansprache und gab sich selbst die Antwort: „Nein!“ Für solche Zeichen der Menschlichkeit könne es keine Beschränkung geben.
Aus der jüdischen Gemeinde in Hagen war Hagay Feldheim nach Herdecke gekommen. Bis auf eine weit entfernte Cousine habe seine Mutter „alle aus der Familie in der Shoah verloren“, den Angehörigen des Vaters sei es nicht viel besser ergangen. Gleichgültig hätten die Zeitgenossen damals der Entrechtung der Juden zugesehen, und von dieser Gleichgültigkeit war es für Feldheim nur ein kleiner Schritt in die deutsche Gegenwart. „Heute erleben wir das wieder“, beschrieb er die Gemütslage von Mitgliedern der Gemeinde. Vermutlich spielte er darauf an, dass in den letzten Monaten vielfach Juden Anfeindungen ausgesetzt waren wegen der Politik Israels – und auf die Gleichgültigkeit vieler Menschen in Deutschland angesichts der Anfeindungen.

Wer zu der kleinen Gedenkveranstaltung gekommen sei, habe damit schon mal ein Zeichen „gegen Ausgrenzung und Verfolgung“ gesetzt, dankte er den rund 50 Zuhörern und appellierte an sie, nicht nur die Erinnerung an die Vergangenheit wach zu halten, sondern auch „an die lebenden Juden zu denken.“

Vertreter aus Politik und Verwaltung waren der Einladung der Stadt zu der Veranstaltung gefolgt, und gut 30 Schüler des Friedrich-Harkort-Gymnasiums. Ein Teil von ihnen hatte erst in der vorigen Woche den Berichten eines Zeitzeugen gelauscht: Sally Perel, Überlebender des Holocaust, hatte vor den Schülern über die Schrecken des Nationalsozialismus gesprochen. Anschaulich blieb Geschichte auch auf dem ehemaligen Friedhof. Steine der Erinnerung lagen auf der Gedenktafel mit den Namen der 19 Herdecker Juden, die Opfer des NS-Rassenwahns geworden sind.