Geburt im Bunker am Bachplatz jährt sich heute zum 70. Mal

Herdecke..  Rückblick: Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Februar 1945. Mila wohnte damals noch in Herdecke, Bachstraße 6. Sie war hoch in Umständen, ihr Ehemann Alfred war Soldat. Die Wohnverhältnisse waren zu dieser Zeit denkbar schlecht. Mila wohnte noch bei ihrer Mutter, die schon mit 40 Jahren Witwe geworden war. Sowohl am Tag als auch in der Nacht gab es regelmäßig Fliegeralarm, so dass man mehr Zeit im Bunker als in der Wohnung verbrachte.

Im Bunker am Bachplatz war ein Raum mit zwei Betten für eventuelle Geburten reserviert. Der Raum enthielt außerdem eine Kochplatte, um heißes Wasser herstellen zu können. In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar setzten bei Mila die Wehen ein. Um 22 Uhr kam die Herdecker Hebamme Holthoff. Aber um 23 Uhr gab es Vollalarm. Die ersten Leuchtraketen standen schon im Himmel. Schnell wurde umdisponiert. Man lief in den Bunker und nahm alles Notwendige für die Geburt mit. Der Schutzraum war mehr als überfüllt. Obwohl die werdende Mutter gern vor Schmerzen geschrien hätte, biss sie auf ein Taschentuch; sie wagte keinen Schrei abzugeben. In den frühen Morgenstunden des 21. Februar kam dann – trotz aller Strapazen – ein gesunder Junge mit 3,5 Kilo und 53 Zentimetern auf die Welt. Wasser und Strom waren in der Nacht ausgefallen. Bei der Geburt diente als einzige Lichtquelle eine dicke Kerze, die zufällig eine Nachbarin bei sich hatte und zur Verfügung stellte. Bei der Geburt war Mila noch gerissen, sie musste genäht werden. Das tat Dr. Franz Reuter in seiner Praxis in der Wetterstraße.

Platz machen für weitere Schwangere

Nach der Geburt mussten die junge Mutter und das Kind das Wöchnerinnenzimmer im Bunker verlassen, um Platz für andere Frauen zu machen, deren Niederkunft bevorstand. Mila ging mit dem Neugeborenen nach Hause in eine kalte Wohnung mit zersplitterten Fenstern und einem zerstörten Dach. Auch die Ernährungsprobleme wurden immer größer. Jetzt ging es jeden Tag mit dem Baby in den Bunker, bis zum 14. April 1945: An dem Tag wurde die Stadt Herdecke bedingungslos an die alliierten Streitkräfte übergeben.