Führungszeugnis zum Kinderschutz: Vereine in Wetter äußern Kritik

Auch wer Kinder und Jugendliche im Sportverein trainiert, muss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Wegen Problemen mit dem Datenschutz gibt es Kritik an der Gesetzesumsetzung in Wetter.
Auch wer Kinder und Jugendliche im Sportverein trainiert, muss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Wegen Problemen mit dem Datenschutz gibt es Kritik an der Gesetzesumsetzung in Wetter.
Foto: WAZ FotoPool
Das neue Bundeskinderschutzgesetz verlangt, dass Jugend-Betreuer ein aktuelles Führungszeugnis vorlegen müssen. Vereine in Wetter äußern Kritik an der Umsetzung.

Wetter.. Ein Gesetz sorgt für heftige Diskussionen in der wetterschen Vereinswelt. Nach dem bereits Anfang 2012 in Kraft getretenen neuen Bundeskinderschutzgesetz sollen Personen, die im Kinder- und Jugendbereich tätig sind, grundsätzlich ein aktuelles erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Die Gegner kritisieren den hohen bürokratischen Aufwand und die Lücken im Datenschutz. Die Befürworter sehen eine weitere Möglichkeit, den Nachwuchs zu schützen.

Gemeinsames Konzept im EN-Ruhr-Kreis

„Das Gesetz ist auch eine Chance für die Vereine, zu zeigen, dass man für den Kinderschutz eintritt“, erklärt Susanne Auschner vom Fachdienst Jugend der Stadt Wetter. Sie ergänzt: „Wenn man nur ein Kind schützen kann, dann hat sich der Aufwand schon gelohnt.“ Zur Umsetzung des Gesetzes haben die Jugendämter im Ennepe-Ruhr-Kreis schon vor zwei Jahren ein gemeinsames Konzept erarbeitet. Wetter hängt mit der Durchführung hinterher, „dafür können wir jetzt von den Erfahrungen der anderen Kommunen profitieren“, erklärt Auschner.

Politik Und so soll das Gesetz in Wetter umgesetzt werden: In den kommenden Wochen erhalten die Vereine Post vom Jugendamt. Darin enthalten sein wird neben Informationen auch eine Einverständniserklärung. In dieser verpflichten sich die Vorsitzenden per Unterschrift, das Gesetz in ihrem Verein umzusetzen. Dazu müssen sie oder eine Vertrauensperson sich von allen Übungsleitern, die im Kinder- und Jugendbereich tätig sind, das erweiterte Führungszeugnis vorlegen lassen. Gegner kritisieren, dass die Vereinsvorsitzenden so auch von Straftaten erfahren, die nichts über die Qualität etwa eines Jugendtrainers aussagen.

Denn in dem erweiterten Führungszeugnis steht, ob eine Person rechtskräftig zu mehr als 90 Tagessätzen, zu einer Freiheitsstrafe oder einem Strafarrest von mehr als drei Monaten verurteilt worden ist. Wichtiger sind allerdings die weiteren Angaben. Unabhängig vom Strafmaß werden Verurteilungen wegen Verletzungen der Fürsorge- und Erziehungspflicht, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Misshandlungen von Schutzbefohlenen und Straftaten gegen die persönliche Freiheit vermerkt. „Wenn ein Übungsleiter diese Straftaten begangen hat, dann darf er nicht mehr im Jugendbereich tätig sein“, erläutert Susanne Auschner.

Kinderschutzgesetz Dem stimmt auch Mike Dickmann vom Stadtverband für Leibesübungen (SfL) zu: „Ich finde es richtig, dass Kinder und Jugendliche geschützt werden sollen. Ich sehe nur ein großes Problem im Datenschutz. Es gibt keine Sicherheit, dass der Vereinsvorsitzende nicht auf dem nächsten Dorffest die Straftaten seines Übungsleiters herausposaunt.“

Dickmann fordert deswegen, dass sich eine Amtsperson die erweiterten Führungszeugnisse vorlegen lässt und die Übungsleiter so kontrolliert: „Diese Aufgabe kann nicht auf die Vereine abgewälzt werden.“ Für Susanne Auschner ist dies nicht möglich: „Wir haben nicht genügend Kapazitäten.“ Die Erfahrung in den anderen Kommunen habe gezeigt, dass der Aufwand nicht zu leisten sei. Nach den Sommerferien möchte Susanne Auschner eine Infoveranstaltung für alle Vereine anbieten. Fragen wird es wohl genug geben.