Freiheit-Siedler nicht vom „platten Land“

Wetter..  Der Fall Lackum sorgte unter den Zeitgenossen für großes Aufsehen. In der Region wurde er lebhaft diskutiert und führte dazu, dass sich Menschen aus Dortmund und anderen Orten für den Kramer und seine Familie einsetzten. Ihre Stellungnahmen liefern Informationen von kulturgeschichtlicher Bedeutung, so etwa, wie Totschlags- und Morddelikte und nicht zuletzt auch Hinrichtungen von ihnen beurteilt wurden.

Wetter war in die Amtsverfassung der Grafschaft Mark eingegliedert und unterstand damit der Landesherrschaft der Grafen von der Mark bzw. der jülich-klevischen Herzöge. Am Ende des 16. Jahrhunderts war die Burg Wetter Amtssitz des landesherrlichen Drosten. Drost Georg von Romberg sorgte, während spanische Truppen in den 1580-er Jahren die Grafschaft Mark durchstreiften, für einen Ausbau der Befestigungen der Freiheit Wetter. Sein Nachfolger hatte, wie der Fall Lackum zeigt, in den 1590-er Jahren eine starke Position innerhalb des Machtgefüges.

Sonderstellung

Der Name „Freiheit Wetter“ macht jedoch auch deutlich, dass die Bewohner der Siedlung eine Sonderstellung innerhalb des Amtes hatten. Sie stellten einen eigenen Bürgermeister und einen Rat, die auch gerichtliche Funktionen ausübten. Darüber hinaus bestritten die Bewohner der Freiheit, zum „platten Land“ zu gehören. Im Gegensatz zu den Untertanen, die auf dem „platten Land“ lebten und auf Landtagen von Adeligen repräsentiert wurden, versuchten sie, ihren Interessen nachzugehen, indem sich mit anderen Freiheiten und kleinen Städten zusammenschlossen und auch eigene politische Zusammenkünfte organisierten. Die Zugehörigkeit zum Amt manifestierte sich wiederum in der Steuerpflicht und in der Tatsache, dass schweren Vergehen, insbesondere Tötungsdelikten, auch wenn Bewohner der Freiheit betroffen waren, von den Beamten, die dem Landesherrn unterstanden, nachgegangen wurde.

Mauern und Pforten

In der Freiheit lebten Menschen, die Handwerken nachgingen, unter ihnen Schneider, Schuster, Bäcker, Fleischer und Kramer. Allerdings bildete sich keine Gewerbestruktur aus, wie sie in voll entwickelten Städten existierte. Es gab z.B. keine Zünfte. Ebenso wenig gelang es, das Markt-, Münz- und Zollrecht zu erwerben. Zudem zeigt der Fall Georg Lackum, dass Bewohner ländlichen Grundbesitz hatten, diesen verpachteten und Abgaben eintrieben. Darüber hinaus übten sie selbst gemeinsam mit den Bewohnern des Dorfes landwirtschaftliche Tätigkeiten aus.

Die Freiheit Wetter manifestierte sich nicht zuletzt über ihre Mauern und Pforten. Jede Person, die hineingelangen wollte, musste den Pförtner passieren. Dietrich Lackum und sein Anwalt wiesen in ihrem Verteidungsschreiben für Georg und Anton Lackum darauf hin, dass nachts „zu Wetter die pfortten verschloßen“ waren. Das Haus eines Torwächters ist seit 1582 belegt.